Die Deutschen und das Bargeld: Nur Bares ist Wahres

In skandinavischen Ländern ist die bargeldlose Welt schon fast Realität. Doch die Deutschen sträuben sich mit Händen und Füßen gegen die Abschaffung des Bargelds – die Zeit läuft gegen sie.

Deutschland hinkt beim bargeldlosen Zahlen hinterher

Wegen der Liebe zum Cash hinkt Deutschland auch beim bargeldlosen Zahlen hinterher. Zwischen 2010 und 2016 stiegen die bargeldlosen Zahlungen nur um 7 Prozent der Transaktionen pro Kopf, wie jüngst eine Studie von BCG zeigte. Damit zähle Deutschland selbst in der Gruppe der »Cash-Loyalisten« zu den Nachzüglern nach Portugal (9,8 Prozent) und Österreich (8,2). Nur Italien und Spanien liegen noch weiter hinten.

»Restaurantbesuche und Lebensmittel werden in Deutschland mehr als doppelt so oft bar bezahlt wie im europäischen Durchschnitt«, sagt BCG-Experte Holger Sachse. Zudem hätten viele Verbraucher Bedenken bei neuen Verfahren. »Nur ein Viertel der Verbraucher glaubt, dass bargeldlose Zahlungen sicher sind«, erklärt er.

In den USA, Großbritannien und Skandinavien sind Kreditkarten indes selbst für kleine Beträge üblich. Statt Geldbörse haben die Leute ein flaches Visitenkartenetui in der Tasche. Darin: nur Führerschein und Geldkarte. In Schweden wurde 2015 nur jeder fünfte Einkauf im Laden mit Bargeld bezahlt. Auf die Frage »Wie hast du zuletzt bezahlt?« antworteten in einer Umfrage der Reichsbank zuletzt 70 Prozent mit »Karte« (EC- und Kredit-) und nur 15 Prozent mit »cash«. Einige Restaurants akzeptieren gar kein Bargeld mehr - im Gegenteil etwa zu Berlin, wo es bei vielen Cafés und Bars »Cash only« heißt. Doch nicht nur auf der Karte des hippen Burgerladens »Flippin' Burgers« in Stockholm steht: »We are a cash free restaurant.« Für Gäste kein Problem. Nur Touristen seien manchmal überrascht.

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Kommentare (5) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 21:03 Uhr

Nein, wir können auf Bargeld keinesfalls verzichten. Die US-Ladenkette mit dem pasenden Namen "Target" konnte durch die Sammlung und Auswertung der (bargeldlosen) Einkäufe einer Pubertären korrekt ermitteln, das sie schwanger war! Sie bekam dann Werbung für Babysachen, was den bis dato unwissenden Vater erzürnte. Und das waren nur die Einkäufe in diesem einen Laden. Der Kunde wird noch durchschaubarer und manipulierbarer, wenn man die Einkäufe in unterschiedlichen Läden und Branchen zusammenführt, wie es beispielsweise bei Payback geschieht. Nein, Bargeld muss bleiben, auch wenn die Lobby immer wieder versucht, uns Plastikgeld schön zu reden. Und wenn wir erst mal von Plastikgeld abhängig sind, werden sie uns mit Transaktionsgebühren schröpfen.

Antwort von Michael P. Klotz , 14:54 Uhr

Nachtigall, ich hör Dir trapsen: Ich bin weit weg davon, paranoid zu sein, aber machen wir uns bewusst: Schon jetzt sind wir beinahe gläsern - durch protokollierte Internetnutzung, FB, Whatts-App, usw. Durch einen komplett bargeldlosen Zahlungsverkehr wären wir es dann noch einen gehörigen Schritt mehr - abgesehen davon, dass viele daran verdienen würden - das will ich nicht, dazu habe ich keinen Volksvertreter legitimiert!!!

Und: Die Skandinavier (bzw. einige von ihnen, aber auch ihr Naturell) sind mir ansonsten grundsätzlich sympathisch, aber auch sympathische Menschen können irren…

Antwort von TKO , 13:32 Uhr

Ich sehe das Problem darin das jede Transaktion Gebühren kostet. Das gefällt sicherlich den Banken, StartUps, Kreditkartenunternehmen usw. aber nicht den Geschäften/Händlern deren Margen sowieso immer geringer werden.