Digitalisierung der Medienlandschaft: Bezahlen fürs Bevormundungs-TV

Die Digitalisierung verändert die Medienlandschaft auf tiefgreifende Weise. Netflix oder Amazon Prime werfen die Frage auf, ob Rundfunkgebühren und Programmfernsehen heute wirklich noch zeitgemäß sind.

Veraltete TV-Strukturen? (Foto: jakkapan/fotolia)

Bis vor wenigen Jahren befand sich die Welt des Fernsehens noch in Ordnung: 20 Uhr »Tagesschau«, anschließend »Tatort« oder Rosamunde Pilcher. Die Digitalisierung der Medienlandschaft hat diese Strukturen aufgebrochen, die Nachfrage verändert sich. Netflix, Maxdome oder Amazon Prime geben dem Zuschauer die volle Kontrolle. Bald wird er auf digitalen Plattformen sogar die Inhalte mitbestimmen können. Kein Wunder, dass das Murren über die Rundfunkabgabe wächst. Die Schweiz macht am 4. März 2018 ernst: Per Volksentscheid wird dort über die Abschaffung der Rundfunkgebühren abgestimmt. Die ökonomischen Vorteile eine Abschaffung der Rundfunkabgaben sind klar. Denn schon bei der Privatisierung des Postwesens hatte sich gezeigt, dass Wettbewerb Angebotsvielfalt schafft und für höhere Markteffizienz sorgt. Die überproportionalen Personal- und Pensionsaufwendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten würden dann schnell beendet sein. Doch es sind auch die Programminhalte, die zunehmend der Kritik ausgesetzt sind.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 20:44 Uhr

zum Jahreswechsel beschert uns die crn mit miesester Polemik - ich bin entsetzt. Wenn dieser Polemik keine Korrektur folgt, können Sie meine hiesige Äußerung als meine Kündigung betrachten.

1. Die Privatisierung des Postwesens ist ein ganz schlechtes (oder dann wieder auch gutes, genau passendes) Beispiel. Sie hat nämlich nicht vor allem Angebotsvielfalt gebracht, sondern ein Heer prekär beschäftigter Scheinselbständiger, die sich selbst ausbeuten müssen, um über die Runden zu kommen.

2. Der Parteienproporz in den Öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien ist völlig harmlos gegen die massiven wirtschaftlichen Interessen bei den Privaten. Über letztere schweigt

die Autorin oder der Autor.

3. Als Prototyp der öffentlichen Programme ausgerechnet Musikantenstadel und Bergdoktor anzuführen, ist eine Unverschämtheit. Aber klar, wenn man wie die Autorin oder der Autor mit Tunnelblick die Welt als "Konsument" von "Unterhaltung" betrachtet, dann wären die Öffentlich-rechtlichen in der Tat überflüssig. Und dass ein großer Teil der Unterhaltung der Privaten plump gefälscht ist, ist dann auch egal. Hauptsache, man wird schön eingelullt. Fake-News? Egal, nennen wir es "alternative" Fakten. *Hier* findet die angeprangerte Bevormundung statt.

4. Der eigentliche Auftrag der Öffentlich-rechtlichen ist *unabhängige* Information. Dazu benötigen sie eine Finanzierung, die unabhängig davon ist, wie viel Quote eine Sendung bringt oder wie politisch genehm sie ist. Das Programm, dessentwegen ich die

Öffentlich-rechtlichen bevorzuge, besteht aus Nachrichten (allen voran die Tagesschau), Magazinen wie Markt, ZDFZoom, 45min, Panorama usw., und intelligentem politischem Kabarett wie Anstalt, Heute-Show, NEO-Magazin, Extra3 usw. Für Sendungen dieser Qualität zahle ich gerne meine Rundfunk-Abgabe. Die Behauptung, dass private

Medienunternehmen unabhängigen Journalismus leisteten, ist eine glatte Lüge, wie man an der BLÖD Zeitung jeden Tag sehen kann. Die Autorin möge mal nach Italien schauen, wo das Fernsehen komplett privatisiert und komplett gleichgeschaltet ist. Hierzulande halten sich die Fälschungen der Privaten in Grenzen, *weil* wir als Korrektiv die unabhängigen Öffentlich-rechtlichen Quellen haben.

5. Ob die Programme der Öffentlich-rechtlichen Anstalten auf lange Sicht per linearem Fernsehen verbreitet werden, oder ob die Mediatheken oder Streaming an Bedeutung gewinnen, ist zweitrangig. Der unselige Rundfunk-Staatsvertrag muss ohnehin novelliert werden. Unabhängig vom Verbreitungsweg brauchen wir auch in Zukunft die Öffentlich-rechtlichen als Korrektiv und als Quelle von verlässlichen Informationen.