CRN Kopfnuss: Typologisiert (4): Der Narzissten-CEO

Spieglein, Spieglein an der Wand - wer ist der beste Manager im Land? Für den Narzissten-CEO gibt es nur eine Antwort im Plural Majestatis: »Wir selbstverständlich!«

(Foto: Fotolia/Tverdohlib)

Der Typus des selbstverliebten Manager-Genies blickt auf eine Musterkarriere, deren Höhepunkt in einer Tragödie, genauer: in der Pathologie enden kann. Das suizidale Genie, in der Kunst weit verbreitet, kommt in der ITK-Branche aber glücklicherweise so gut wie nicht vor. Der kleinere Bruder des meist introvertierten, tragischen Genies, der Narzisst, ist dagegen sehr oft präsent. Endemisch sitzt der Business-Narzisst in Vorstandsetagen der Fortune-500-Unternehmen, steht der Geschäftsführung global agierender Mittelständler vor oder führt Hof an der Spitze eines Provinzverbands.

Diagnostisch festzumachen ist der Narzisst am abwesenden, meist nach oben gerichteten Visionärsblick und seiner fein geschliffenen Sprache, die selbstredend im Pluralis Majestatis daherkommt. Der selbstverliebte CEO lädt nicht zur Pressekonferenz, er lässt über seinen Büttel, alias Pressesprecher oder Agenturknecht, zur Audienz laden, die dem Fachjournalisten auch gleich passenden Fragen unterschieben, wie etwa diese: »Herr Dr. Rumskötter: Wie haben Sie Ihr Unternehmen auf einen so erfolgreichen Weg gebracht?« Die Antworten aus dem Baukasten für CEO-Narzissten, mit wohl dosierten Kunstpausen ins noch Bedeutungsschwangere gehoben, lauten dann in etwa: »Wir haben festgestellt, dass ….«, »Wir sind der Meinung, dass …«, gerne auch: »Marktanalysen, die wir erstellt haben, zeigen ….« Jedwede Kritik ist unerwünscht. Das subtile Nachhaken, wer denn mit »wir« gemeint sei, weckt das ausgeprägte Misstrauen eines solchen Narzissten-CEOs, der den im Keim der Frage angelegten Verrat wittert. »Wenn ich von ›wir‹ rede, dann meine ich ›uns‹!« Die Aura solcher blendenden Sonnenkönige im Channel kann schließlich niemand und nichts verfinstern.

Sollte ein solcher Stern dann aber doch einmal verglüht sein, kann man die Maskerade fallen sehen. Zur fortgeschrittenen Stunden an der Bar eines schmucklosen Tagungshotels fuchtelt der Business-Narzisst mit der Visitenkarte seines Ex-Arbeitgebers herum und zeigt wieder und wieder bedeutungsschwer auf die einstmals erlangte Position im Vorstand eines Weltkonzerns. Erlösung findet der längst ermattete CRN-Redakteur nur, wenn der Barkeeper nachts um drei Uhr endlich das Licht ausknipst.