CRN Kopfnuss: Typologisiert (3): Der scheue Whistleblower

Im dritten Teil unserer Serie, in der wir uns an einer Typologie der Charakterköpfe im ITK-Channel versuchen, widmen wir uns dem Whistleblower - und warnen auch vor seinem weniger vertrauenswürdigen Begleiter, dem »Whistleblower-Clown«.

(Foto: Fotolia/DDRockstar)

Im dritten Teil unserer Serie, in der wir uns an einer Typologie der Charakterköpfe im ITK-Channel versuchen, widmen wir uns endlich einem Exemplar, ohne das unsere journalistische Arbeit – wie wir freimütig einräumen wollen ­– sehr viel weniger spannend wäre: dem Whistleblower, oder auf deutsch: dem geheimen Hinweisgeber. Denn verständlicherweise sind die im Rampenlicht stehenden Akteure in der IT-Industrie darauf bedacht, ihr Unternehmen im besten Licht erscheinen zu lassen - und folgerichtig stoßen wir Reporter zuallererst auf Jubelmeldungen und geschönte Aussagen, die oft genug eigentlich gar nicht so bejubelswerten Sachverhalte verschleiern sollen. Hier nun kommt der Informant ins Spiel, der den Journalisten mit Insider-Informationen versorgt und ihm im besten Fall hilft, eilig unter den Teppich gekehrten Schmutz wieder hervorzukramen.

Den Whistleblower findet man nicht nur in großen, bedeutenden Konzernen, er kommt auch in mittelständischen oder sogar in recht kleinen Unternehmen vor. Entscheidend aber ist: Er hat von seiner Funktion aus für gewöhnlich einen guten Einblick in die Hintergründe und Mechanismen der Branche. In Großunternehmen finden wir ihn häufig im mittleren Management, wo er unauffälig und solide seine Arbeit erledigt. Über mehrere Umstrukturierungen hinweg hat sein Unternehmen ihn weder befördert noch entlassen – in beiden Fällen fußte die Entscheidung auf der Tatsache, dass er die Branche viel besser versteht als seine Vorgesetzten.

Die erste scheue Kontaktaufnahme mit dem Informanten ergibt sich in der Regel zu einem geselligen Anlass, etwa bei einer feuchtföhlichen Hausmesse-Abschlussfeier oder irgendeinem Incentive-Gewinner-Ausflug ins Südtiroler Wellneshotel, dem wir als Hofberichterstatter beiwohnen dürfen. Nachdem uns der Whistleblower zunächst aufmerksam aus dem Hintergrund studiert hat, deutet er erstmals zu vorgerückter Stunde beim überletzten Drink an der Hotelbar zaghaft an, dass er bereit ist »zu singen«. In mehreren konspirativen Treffen in der Bierstube um die Ecke packt der Geheimnisträger aus und sorgt damit für Heureka-Momente beim Reporter, der bisher in seiner Recherche nicht recht weiter kam.

Das alles gilt natürlich nur, wenn man es mit einem vertrauenswürdigen Informanten zu tun hat. Es ist eine große Verantwortung für den Rechercheur, die Glaubwürdigkeit des Hinweisgebers und die der übermittelten Informationen sorgfältig zu prüfen. Andernfalls droht er zum Opfer des »Whistleblower-Clowns« zu werden. Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieser Informationen-Prallhans, der sich nur gerne als Insider geriert, nicht vom seriöseren Enthüller. Seine vermeintlichen Leaks sind aber fast immer hanebüchener Unsinn: »Morgen wird die Übernahme von Tech Data und Also durch Ingram Micro bekanntgegeben – ich war bei der Vertragsunterzeichnung dabei«, raunt er dem Reporter etwa zu. In diesem Fall empfiehlt es sich für den Reporter, freundlich überrascht zu nicken, den Bleistift stecken zu lassen und lieber noch eine letzte Runde zu bestellen.