CRN Kopfnuss: Typologisiert (1): Der beleidigte Provinz-Napoleon

CRN versucht sich an einer Typologie der Manager-Typen im ITK-Channel: Im ersten Teil der Serie stellen wir den beleidigten Provinz-Napoleon vor.

(Foto: Fotolia/Pict Rider)

Als langgedienter CRN-Reporter, der bei den IT-Firmen vor Ort oder auf großen Messen, bei Interviewterminen in Chefbüros oder auch bei einem konspirativen Treffen in der Bierstube um die Ecke die spannendsten Geschichten aus der Branche recherchiert, lernt man die strategischen Köpfe, die Leisetreter und Lautsprecher des ITK-Channels natürlich gut kennen. Die Arbeit des Journalisten in unserem kleinen Branchenzweig bleibt ja gerade deshalb spannend, weil der Reporter hier neben den PR-geschulten Konzernmanagern, die nur noch leere Worthülsen von sich geben, immer noch ein reiches Sammelsurium herrlich verrückter Typen trifft, welche die Szene umso mehr prägen. Aufbauend auf unsere Erfahrungen im offiziellen wie informellen Informationsaustausch, versucht sich die CRN Kopfnuss an einer Typologie dieser ITK-Channel-Charakterköpfe.

In unserem ersten Beitrag widmen wir uns dem Typus »beleidigter Provinz-Napoleon«. Obgleich wir ihn vorwitzig mit dem berüchtigten Korsen in Verbindung bringen, ist dieser Typus ein sehr deutsches Phänomen: In der Regel handelt es sich um einen Diplomingenieur, der in den 70- oder 80-ger Jahren nicht lange gefackelt hat und noch während seines Blitzstudiums an der nächstgelegenen Hochschule in seinem Heimatörtchen parallel ein Unternehmen aufgezogen hat, das sich über die Jahre vom versponnen Spezialfertiger zu einem Computerassemblierer und IT-Lösungsabieter gemausert hat. Die mittelständische Firma ist in der Regel fest in Besitzerhand, weshalb es wenig Sinn macht, irgendjemand anderen als den Firmenchef und Eigentümer selbst ansprechen zu wollen. Nachfragen in der Presse-/Marketingabteilung werden ebenso vom Firmeninhaber entgegen genommen wie Anrufe im Vertrieb oder bei der Lagerabteilung. Nicht nur hier hat nur einer das sagen: Da der Provinz-Napoleon größter Arbeitgeber am Platze ist, träfe man sogar bei Anfragen an das dortige Rathaus oder an das Präsidium des örtlichen Sportvereins wieder auf ihn.

Das Problem ist: Dem Tausendsassa aus der Provinz bleibt wenig Zeit für eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit und so kann es passieren, dass Redaktionen im fernen München; Hamburg oder Köln oft monatelang gar nichts von ihm und seiner Firma hören. Man fühlt sich als Journalist dann auch ein wenig schuldig, wenn der Provinz-König endlich anruft und sich lautstark beschwert, weil man ihn so lange übersehen hat. »Die ganzen Microsofts und Apples, über die Ihr immer schreibt, interessieren doch keine Sau!«, schimpft er die unaufmerksame Journaille.

Leider stellt sich im eilig nachgeholten Jahresgespräch mit ihm dann schnell heraus, dass der Provinzfürst tatsächlich gar nichts zu erzählen hat. An der Firmenaufstellung und –ausrichtung hat sich in den letzten zehn Jahren nichts geändert, neue Technologietrends wie Cloud oder IoT hält er für »Firlefanz«. Zum Abschluss schimpft er noch über die respektlose Verkehrspolizei seiner Region und verschwindet dann, vorübergehend beschwichtigt, wieder in heimatliche Gefilde. Sehen werden wir ihn dann wieder im nächsten Jahr, wenn er vorbeischimpft, um uns zu berichten: Der Provinz-Napoleon ist immer noch da und erfolgreich dazu.