Dell steigt bei KKR-Fonds ein: Wende im Streit um GfK-Beteiligung

Nachdem sie sich erst wochenlang gegenseitig um Anteile an der GfK gestritten hatten, machen Michael Dell und KKR jetzt überraschend gemeinsame Sache bei der Sanierung des deutschen Marktforschungsanbieters.

(Foto: nuernberg.de)

Ein überraschender Schritt beendet das wochenlange Hin und Her zwischen Dell, dem US-Finanzinvestor KKR und anderen Mitbietern bei der Übernahme von Anteilen am schwächelnden Marktforschungsinstitut GfK. Wie die beiden Kontrahenten mitteilten, machen sie ab sofort gemeinsame Sache. Dafür gibt Michael Dell einen Teil der insgesamt 10,07 Prozent, die er über seinen privaten Beteiligungsfonds MSD Capital zusammengekauft hatte, für rund 50 Millionen Euro an die KKR-Holding Acceleratio Captial ab, über die der Investor seine Anteile an der GfK hält. Gleichzeitig tauscht MSD Capital seine restlichen 6,89 Prozent gegen knapp ein Viertel der Anteile an Acceleratio ein. Damit kommen Acceleratio und der GfK-Verein nun zusammen auf knapp 86 Prozent und können sich somit ungehindert der geplanten Sanierung der GfK widmen. Allerdings haben sie nicht genügend Anteile zusammenbekommen, um die GfK dafür von der Börse nehmen zu können.

Nachdem der Umsatz bis 2015 auf über 1,5 Milliarden Euro angewachsen war, sorgte im vergangenen Herbst eine schlechte Gewinnprognose für den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Matthias Hartmann und weiterer Führungspersonen. Anschließend hatte zunächst KKR mit Unterstützung des Vereins seinen Einstieg unter der Bedingung angeboten, dass man gemeinsam mindestens 75 Prozent der Anteile halten könne. Daraufhin begannen plötzlich auch weitere Investoren wie Dell, GfK-Anteile zu kaufen. Zunächst war deshalb vermutet worden, MSD Capital wolle den Einstieg von KKR lediglich nutzen, um mit dem dadurch steigenden Kurs schnelles Geld zu verdienen. Die Partnerschaft mit dem GfK-Verein und KKR lässt in Nürnberg jetzt allerdings auf ein langfristiges Investment hoffen, das die fällige Neuaufstellung ermöglicht.

Der Verein Gesellschaft für Konsumforschung e.V. hat sich seit seiner Gründung 1934 durch die Universitätsprofessoren Wilhelm Vershofen, Erich Schäfer und den späteren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard von einer kleinen universitätsnahen Forschungsgruppe zu einem international tätigen Marktforschungsanbieter entwickelt, dem mehr als 600 Unternehmen und Einzelpersonen angehören. Nach der Abspaltung der kommerziellen Aktivitäten ging die GfK AG 1999 an die Börse und wurde 2009 in eine Europäische Gesellschaft (SE) umgewandelt. Der GfK-Verein, dessen erklärte Ziele die Grundlagenforschung, die Aus- und Weiterbildung von Marktforschern sowie Markt-Studien für die Mitglieder sind, hält über die Hälfte der Anteile an der AG. Neben der offiziellen Ermittlung der Einschaltquoten im deutschen Fernsehen gehört der Konsumklimaindex zu den bekanntesten Produkten der GfK.