Deutsche Börse führt neues Handelsegment ein: Ein neuer Markt – aber nicht DER neue Markt

Die Deutsche Börse führt ein neues Segment für KMUs ein. Damit entsteht ein noch namenloser neuer Markt, der gegen die Fehler des alten Neuen Markts gefeit sein soll.

(Foto: Fotolia/Phongphan5922)

Die Deutsche Börse stand schon länger unter Zugzwang, innovativen Gründern und aufstrebenden mittelständischen Firmen einen Marktplatz zu eröffnen. Schließlich drängte auch die Politik verstärkt auf einen »Neuen Markt 2.0«, der diese Unternehmergruppen mit neuem Kapital versorgen soll. Die Deutsche Börse hat zwar zahlreiche Initiativen für Gründer und Mittelständler aufgesetzt, scheute jedoch lange Zeit zurück vor der Einführung des neuen Handelssegments – die Erinnerungen an den blamablen Niedergang des Neuen Markts um die Jahrtausendwende ist nicht vergessen, wie die vergleichsweise strengen Regularien für das nun zum 1. März 2017 startende Segment zeigen. Das Segment, das den bisherigen Entry Standard ersetzt, werde nicht jeden aufnehmen und stelle beispielsweise deutlich höhere Anforderungen an die Berichterstattungspflichten.

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse, betont, dass man damit dem gestiegenen Kapitalbedarf dieser Unternehmen entgegen komme: »Mit unserem Segment bringen wir diese Unternehmen mit den Investoren zusammen und ermöglichen so die Finanzierung und Wachstum.«

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Strenge Aufnahmevoraussetzungen

inen Namen für das neue Handelssegment konnte die Deutsche Börse zur Ankündigung des neuen Segments noch nicht präsentieren. Der Vorstandsvorsitzende machte aus der Not eine Tugend, da er einen Ideenwettbewerb initiierte: Im Rahmen einer Umfrage können Namensvorschläge abgegeben werden – der Gewinner darf mit dem Vorstandsvorsitzenden Kengeter ein Heimspiel von Eintracht Frankfurt besuchen. Für diese Aktion gab es ausreichend Häme in der Presse, wie überhaupt Meldungen zur Ankündigung stets mit sarkastischen Verweisen auf den peinlichen Niedergang des Neuen Marktes einhergingen.

Dieser geriet drei Jahre nach seinem Entstehen im Jahr 2000 in eine ernste Krise: Erste Unternehmens-pleiten sorgten dafür, dass die Dotcom-Euphorie schnell verflog, mangelnde Managementfähigkeiten der Gründer und unzureichende Business-Pläne stießen fortan zunehmend auf Kritik. Drei Jahre später schloss die Deutsche Börse das Segment. Erschreckend bis heute bleibt, mit welcher Dreistigkeit manche Nemax-Firmen, beispielsweise mit getürkten Ad-Hoc-Meldungen, die Anleger zu täuschen versuchen. Vergleichbares werde es nicht mehr geben, das will der Anbieter Handelsplattform diesmal durch strengere Schutzmechanismen sicherstellen. So gelten bestimmte Aufnahmevoraussetzungen bezüglich des Umsatzes, der Mitarbeiterzahlen und des Eigenkapitals. Außerdem würden die Kandidaten durch mit der Deutschen Börse kooperierenden Analysten regelmäßig sorgfältig überprüft und seien gefordert, mit etablierten Wirtschaftsprüfern, Investoren oder Anwaltskanzleien eng zusammenzuarbeiten. Nicht zuletzt unterliegen die Firmen der Market Abuse Regulation und sind zur Ad hoc-Publizität verpflichtet.

Zur Zielgruppe zählen Firmen, die sich bei Investoren bereits bewährt haben, hält die Deutsche Börse fest. Voraussichtlich werden nur etwa 40 Firmen der rund 150 im Entry Standard gelisteten Unternehmen zum 1. März 2017 im neuen Segment dabei sein. Alle anderen werden im nicht regulierten Open Market geführt. Dann werde im nächsten Schritt ein Index gebildet, der die Unternehmen im Segment transparent abbilden soll.