Editorial CRN 33/2015: Die Amazon des B-2-B-Handels

Während viele Systemhäuser unter dem Verfall des Hardware-Geschäfts leiden, gehen solche Rückschläge am Systemhaus-Riesen Bechtle spurlos ­vorüber. Der Erfolg der Neckarsulmer hängt an einer Geschäftssäule, die man in der IT-Branche eigentlich schon lange abgeschrieben hat

Während viele Systemhäuser unter dem Verfall des Hardware-Geschäfts oder beim Software-Vertrieb unter dem Übergang vom Lizenzgeschäft hin zum Mietmodell leiden, gehen solche Rückschläge am Systemhaus-Riesen Bechtle spurlos ­vorüber. Umsatz, Gewinn, Dividende steigen kontinuierlich. Und dieser Erfolg der Neckarsulmer hängt zu einem nicht unwesentlichen Teil an einer Geschäftssäule, der man im Lösungsgeschäft eigentlich wenig Beachtung schenkt: Ausgerechnet die E-Commerce-Sparte hat laut Bechtle-Chef Thomas Olemotz ein »fulminantes Comeback« erlebt. Bechtle erlöste hier mit drei Marken in 14 europäischen Ländern gut 415 Millionen Euro und damit 9,5 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Zugpferd war der deutsche Markt mit einem Plus im zweiten Quartal um 12,6 Prozent auf 62,7 Millionen Euro. Bechtle steigerte die Ebit-Marge im E-Commerce auf beachtliche 5,5 Prozent und straft damit Aussagen Lügen, dass im IT-Handel mit »Blech« kein Geld zu verdienen sei.

Für Hersteller ist die Neckarsulmer »Amazon des B-2-B-Handels« aufgrund des Volumens »hoch attraktiv«, wie Olemotz gegenüber CRN hervorhebt. Man habe neben einer effizienten Organisation und hoch performanten Logistik auch die entsprechende Einkaufsmacht, die Bechtle voll auszuspielen verstehe. »Der IT-Handel ist und bleibt eine Kernkompetenz der Bechtle«, stellt der Firmenchef heraus.

Bechtle muss sich dabei auch nicht mehr vorwerfen lassen, dass man womöglich das Cloud Business verschlafe. Obwohl das Systemhaus sich im Marketing nicht dezidiert als Innovationsschmiede für das Cloud Computing positioniert, kann das Unternehmen auch hier stattliche Werte vorweisen. Die hier entscheidenden Einnahmen aus wiederkehrenden, mehrere Jahre laufenden weist Bechtle nicht in der Bilanz aus, erhebt aber sehr wohl intern eine Kennzahl. »Das Contract based Business beträgt zehn bis 15 Prozent unseres Gesamtumsatzes und liegt über unserer Zielmarge von fünf Prozent«, verrät Olemotz im CRN Gespräch. Unseren Bericht zur aktuellen Lage, der Geschäftsstrategie und den Expansionsplänen bei Bechtle lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe CRN 33/2015!

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Fryba
(Foto: CRN)

Martin Fryba