Polycoms Geniestreich: 25 Jahre Konferenzspinne

1992 stellte Polycom das Konferenztelefon Sound Station vor und revolutionierte damit weltweit Telefonkonferenzen in Unternehmen.

(Foto: Polycom)

Polycom wurde 1990 als Startup von Brian Hinman und Jeffrey Rodman in einem kleinen Zimmer in San Francisco gegründet. Damals waren Telefonkonferenzen mit mehreren Menschen in einem Raum eine quälende Angelegenheit. Die Tonqualität war miserabel, mache Gesprächsteilnehmer waren schwer oder gar nicht zu verstehen, Hintergrundgeräusche machten es mühsam, den Gesprächsfaden nicht zu verlieren. 1991 entschieden sich Rodman und Hinman, die Sound Station als Gruppenlösung zu konzipieren. Das Hauptargument: höhere Einnahmen. Lösungen für Einzelplätze kosteten seinerzeit noch ungefähr 400 Dollar. Es gab zwar auch eine Gruppenlösung für Konferenzräume, doch NEC als einziger Hersteller verlangte dafür fast 2.500 Dollar. Rodman konnte seine Lösung schließlich für unter 1.000 Dollar verkaufen: 1992 erschien das dreieckige schwarze Konferenztelefon, das von den Konferenztischen in Unternehmen nicht mehr wegzudenken ist. Es hatte damals noch kein Display.

Ein weiterer Meilenstein in der Weiterentwicklung des umgangssprachlich »Konferenzspinne« genannten Telefons war Ende der 90er Jahre eine automatische Echo- und Rauschunterdrückung, um den häufig auftretenden Echos in Räumen entgegenzuwirken. Dieser »Noise Block« schaltet zudem automatisch etwa Geräusche wie Tippen auf der Tastatur oder Kaffeeschlürfen stumm. 2003 erschien dann das erste Konferenzsystem mit HD-Audio. Heute setzt Polycom vermehrt auf Collaboration-Services wie Real Presence und ging dafür Partnerschaften etwa mit Microsoft und IBM ein.

Jeffrey Rodman, Mitgründer von Polycom, kostete die entscheidende Idee damals genau 95 Cent. Er hatte sich dafür 1991 bei Radio Shack ein kleines Büchlein gekauft, das sich mit dem Nerd-Thema »Acoustic Suspension« beschäftigte. »Das Konzept verdeutlichte uns den Trugschluss, dass eine gute Klangqualität große Lautsprecher erfordert», so Rodmann. »Dank dieser Erkenntnis waren wir in der Lage, zwei unterschiedliche Akustiksysteme auf kleinstem Raum unterzubringen.« Die Sound Station war geboren. Drei Jahre später wurde das 50.000ste Gerät verkauft, 2004 waren es bereits vier Millionen. »Dieser kleine Denkanstoß damals versetzte uns letztendlich in die Lage, Millionen Telefone zu verkaufen und die Konferenzräume von heute entscheidend zu verändern.« Das vor wenigen Tagen vorgestellte Konferenztelefon Trio 8500, das sich per farbigem Touchscreen bedienen lässt, hat abgesehen von der Form nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit der Konferenzspinne von 1992.