Ausbau der digitalen Infrastruktur: Schnelles Internet wird politisches Kernthema

Die digitale Infrastruktur wird für immer mehr Menschen zu einem politischen Schlüsselthema. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern.

Den Zugang zu einer leistungsstarken Internetverbindung sehen immer mehr Bundesbürger als Teil der Grundversorgung an.
(Foto: Thomas Reimer - Fotolia)

82 Prozent der befragten Bürger fordern, öffentliche Gebäude und Plätze mit kostenlosen WLAN-Hotspots auszustatten. Und sogar 88 Prozent meinen, jeder Bürger solle ein Anrecht auf einen bezahlbaren Breitbandanschluss haben - auch in ländlichen Regionen. Für vier von fünf Befragten ist das Internet inzwischen ein »öffentliches Gut«, also vergleichbar beispielsweise mit dem Stromnetz.

Bei der Finanzierung des schnellen Internet sehen die Bürger die Telekommunikationskonzerne (66 Prozent) und die öffentliche Hand (63 Prozent) in der Pflicht. Dagegen meinen nur 27 Prozent, dass die Unternehmen, die das World Wide Web nutzen, auch für die direkten Infrastrukturkosten aufkommen sollen; und nur zwölf Prozent sind der Ansicht, private User müssten unmittelbar zur Kasse gebeten werden.

Bei der Frage, welche Institutionen aus ihrer Sicht auf schnelles Internet angewiesen sind, nennen die meisten Befragten zwar mittelständische Unternehmen (92 Prozent) und Großkonzerne (91 Prozent) - Behörden (90 Prozent) sowie Schulen und sonstige Bildungseinrichtungen (89 Prozent) folgen jedoch quasi gleichauf.

Zugleich wären 53 Prozent der Bundesbürger durchaus bereit, für schnelleres Internet auch mehr Geld zu bezahlen - wobei es unter 18- bis 29-Jährigen deutlichere 64 Prozent sind. Aus Sicht von PwC-Experte Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation, ist gerade dieses Ergebnis bemerkenswert, denn: »Der Ausbau der digitalen Infrastruktur wird zweifelsohne mit milliardenschweren Investitionen verbunden sein. Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass viele Bürger hierin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen, für die nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die öffentliche Hand und in letzter Konsequenz auch die Endkunden verantwortlich sind. Dieser Befund sollte es für Telekommunikations- und Kabelkonzerne leichter machen, bei der Finanzierung dieses Großprojekts mutig voranzugehen«.

Alfred Höhn, Leiter des Bereichs Öffentlicher Sektor bei PwC in Deutschland: »Die Menschen sehen die öffentliche Hand in der Verantwortung, die Digitalisierung voranzutreiben; gelebtes E-Government kann ein Innovationstreiber werden«, interpretiert der PwC-Experte die Befragung. Welchen hohen Stellenwert die Digitalisierung mittlerweile für viele Bürger besitzt, zeigt sich auch daran, dass 77 Prozent der Aussage zustimmen, ein Computer und ein Internetanschluss sollten als Teil des Existenzminimums angesehen werden - ähnlich wie ein Fernseher oder ein Kühlschrank.