Zusammenarbeit und Sicherheit wichtig: Smart-Home-Markt soll Fahrt aufnehmen

Nach vielen Jahren mit vergleichsweise schwachem Wachstum soll der Smart-Home-Markt jetzt durchstarten und bis 2022 von aktuell zwei Millionen auf rund acht Millionen deutsche Haushalte anwachsen. Damit das gelingt, müssen sich die Hersteller allerdings zusammenraufen und kooperieren.

Das smarte Heim soll endlich Fahrt aufnehmen.
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Ob Fenstersensoren, digitale Sprachassistenten und Staubsaugerroboter oder intelligente Spiegel: Der deutsche Smart-Home-Markt boomt und wird sein Volumen bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt veröffentlichte Studie »Der deutsche Smart-Home-Markt 2017–2022. Zahlen und Fakten«, die der eco Verband gemeinsam mit Arthur D. Little durchgeführt hat. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in den kommenden fünf Jahren soll dieser Studie zufolge bei 26,4 Prozent liegen. Das wäre deutlich mehr als das Wachstum, das klassisch große Branchen Deutschlands in den vergangenen Jahren aufweisen konnten. So hat beispielsweise der Elektro- oder Maschinenbau von 2010 bis 2015 nur um jährlich 0,5 bis sechs Prozent zugelegt.

Für die Studie sind verschiedene Segmente im Bereich Smart Home untersucht worden, dazu zählen Sicherheit und Zugangskontrolle, Unterhaltung, Gesundheit und betreutes Wohnen sowie Haushaltsgeräte. Das höchste Wachstum in den kommenden Jahren wird in den beiden Marktsegmenten Energiemanagement mit 1,3 Milliarden Euro und Licht- und Fenstersteuerung mit 1,2 Milliarden Euro generiert. »Im Smart Home sind alle Geräte im und ums Haus vernetzt und interagieren intelligent«, sagt eco Geschäftsführer Harald A. Summa. »Das Internet bildet dafür die Grundlage, denn es verbindet die Geräte miteinander und ermöglicht ihnen den Datenaustausch. Die Intelligenz hingegen entsteht durch die Analyse von Nutzungs- und die Kombination mit Kontextdaten zur Verbesserung der Funktionalität und Steigerung der Benutzerfreundlichkeit«, so Summa. Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home kombinieren künstliche Intelligenz und fortgeschrittene Spracherkennung, angebunden an häusliche Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Überwachungsanlagen.

Wachstum durch Kooperation

Die Akteure im Smart-Home-Bereich können jedoch nur im Verbund mit anderen wachsen. Damit sie das große riesige Marktpotenzial ausschöpfen können, müssen sie Teil eines funktionierenden Ökosystems werden. Die Studienautoren raten den Verantwortlichen deshalb zu Offenheit, wenn es um Integration und Kooperation mit Lösungen aus anderen Branchen und Technologien geht. Der funktionierende Daten- und Informationsaustausch zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller sowie mit nutzerfreundlichen Smart-Home-Lösungen sind hierbei entscheidend. »Im internationalen Wettbewerb setzen sich Plattformen durch, die durch Offenheit die Innovationskraft von Partnerunternehmen und Startups nutzen, um neue Anwendungen für ein Produkt zu entwickeln und die Wertschöpfung zu teilen«, ist Lars Riegel, Principal Arthur D. Little GmbH, überzeugt. Das Ziel sollte seiner Ansicht nach sein, mit offenen Systemen zu arbeiten und anderen Marktteilnehmern Zugang zum eigenen Produkt zu bieten. Denn nur so können neue vernetzte Services entstehen. »In diesem Umfeld sehen wir riesige Chancen für den deutschen Mittelstand«, so Riegel.

Vor allem im Bereich smarter Software müssen deutsche Unternehmen jedoch noch aufholen. Zwar gebe es bereits exzellente Hardwareprodukte, die dazugehörigen smarten Anwendungen seien jedoch oftmals sehr limitiert und nur bedingt nutzerfreundlich. Auch hier könnte die Zusammenarbeit mit anderen verwandten Industrien und sogar mit Mitbewerbern helfen, sofern sich Smart-Home-Unternehmen dazu entschließen, eigene Informationen wie beispielsweise Source Codes preiszugeben und auf Kooperation statt auf Konkurrenz zu setzen.

Konferenz für Smart-Home-Sicherheit

Das für den Smart-Home-Markt wichtige Thema Sicherheit steht im Fokus der »Smarthome 2017 Security Conference«, die 9. und 10. Oktober 2017 in Bad Soden stattfindet. Eröffnet wird der Kongress, den die Smart Home Initiative Deutschland e. V. in Kooperation mit den Landeskriminalämtern von Nordrhein-Westfalen und Hessen veranstaltet, vom Verbandsvorsitzenden Günther Ohland. Für die Keynote steuert das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik einen »Lagebericht der smarten Nation« bei. Darüber hinaus geht unter anderem um Themen wie die »Häusliche Sicherheit«, das »Angriffsziel Feldbus-System« sowie die kommende EU-Datenschutzgrundverordnung und wie sich die Rechtslage im Smart-Home dadurch verändert.

Zudem stehen verschiedene praxisorientierte Fachvorträge zu Breiten- und Expertenthemen zur Auswahl. Die Teilnehmer sollen hier zum Beispiel lernen, wie sie selbstständig die Sicherheit von Smart-Home-Systemen bewerten können und welche Fragen sie den Herstellern stellen müssen, um sich umfangreich und kompetent informieren zu können. Darüber hinaus erfahren sie, welche Sicherheitslücken lauern und wie sie bei Produktentwicklung und Herstellung von Smart-Home-Systemen bereits im Vorfeld vermieden und geschlossen werden können.

Außerdem wird eine Expertenfragerunde stattfinden, während der die Besucher ihre Fragen via Social Media an die Brancheninsider stellen können. Das Highlight der Veranstaltung ist ein Live-Hack, bei dem zahlreiche Smart-Home-Techniken unter die (Sicherheits-)Lupe genommen werden sollen. Am Ende der Veranstaltung soll eine gemeinsame Sicherheitserklärung verabschiedet und an die Politik übergeben werden. Die Teilnahme an der Konferenz kostet 155 Euro. Die Anmeldung ist online möglich.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 18:44 Uhr

Die Hersteller von "Smart" Home müssen sich nicht zusammenraufen, sondern vor allem zusammenreißen! Und sich dann auf ihre Verantwortung besinnen. Bisher kommt unter dem herrschenden Kostendruck die Sicherheit an allen Enden zu kurz, die Privatsphäre ohnehin. Die Geräte sind voller gefährlicher Fehler in Konzeption und Ausführung. Hintertüren mit festem Passwort gehören entfernt. Updates müssen automatisch erfolgen, und zwar über gesicherte Protokolle: Verschlüsselt, signiert. Der Benutzer muss bei der Ersteinrichtung gezwungen werden, ein eigenes sicheres Passwort zu vergeben. Und so weiter. Man wird ja mal träumen dürfen.