Editorial CRN 39/2017: Wasser auf die Mühlen völkisch-rassistischer Wirrköpfe

Fake oder Fakt? Wenn selbst namhafte Nachrichtenmagazine digitale Schnelligkeit vor journalistische Sorgfaltspflicht stellen, ist es um die Qualitätsmedien schlecht bestellt. Die nächste Welle der Desinformation wird noch dramatischer.

Editorial

Montagfrüh, 11 Uhr, »Focus Online«-Eilmeldung per Facebook-Post: »Nach Wahldebakel – Seehofer stellt Fraktionsgemeinschaft mit CDU zur Debatte«. 23 Minuten später, gleicher Absender, gleicher Kanal: »Eilmeldung. Kehrtwende im Vorstand – Seehofer will an Fraktionsgemeinschaft mit CDU festhalten«. Wieder einmal wird deutlich: Die großen, klickstarken Nachrichtenmagazine sind Teil einer immer problematischeren Medienrezeption. Auf den Wahrheitsgehalt ihrer schnell über soziale Medien gestreuten Informationen kann man sich immer weniger verlassen. Das ist gefährlich, zumal viele junge Menschen Facebook mittlerweile als primäre Nachrichtenquelle nutzen – sich freilich mit Headline und Vorspann begnügen, ohne die verlinkte Nachricht überhaupt zu lesen.

Fake oder Fakt? Derzeit geht es noch um vermeintlich brisante, klickstarke Texte, bei der klassische Recherche auf der Strecke bleibt und Schnelligkeit vor Qualität zählt. Leider mit der Folge, dass sich jene bestätigt fühlen, die bekannten Medien Desinformation vorwerfen und sie pauschal als »Lügenpresse« verunglimpfen.

Die nächste Stufe falscher, genauer: gefälschter Informationen, wird das Bewegtbild treffen. Gesprochene Sprache wird auf das Gesicht von Politikern projiziert, wie das Wissenschaftler am Beispiel von synthetischen Videos des ehemaligen US-Präsidenten Obama vorführten.

Die Echtheit eines so per Software hergestellten Videos können – wenn überhaupt – dann nur in IT-Forensik ausgebildete Journalisten beurteilen. Aber: Ist das Fake-Video bei Facebook & Co. erst einmal massenhaft geteilt, wird es kaum gelingen, die Fälschung und Lüge aus der Welt zu schaffen.

Journalistische Sorgfaltspflicht, von Verlegern viel gepredigt und durch Spardiktate immer wieder konterkariert, ist heute wichtiger denn je. Fehlt sie selbst bei Qualitätsmedien, ist das Wasser auf die Mühlen völkisch-rassistischer Wirrköpfe, die zu ertragen der neue Deutsche Bundestag und 87 Prozent der Wähler fürchten müssen, die keine Rechtsextremisten gewählt haben.

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur

Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von gergob , 16:41 Uhr

Folgende Sätze im letzte Abschnitt Ihres Artikels, führen Ihren ersten Satz in diesem Abschnitt und die vorherigen Ausführungen ab absurdum. Sie bestätigen den Slogan "Lügenpresse", wobei Sie nicht mal so ehrlich sind und die Partei benennen die Sie meinen.

Zu dem Ertragen anderer Parteien, sollten Sie sich nochmal über DEMOKRATIE schlau machen, da fehlt etwas bei Ihnen. Ihre 87% sind auch nur 66% und so nebenbei, ich habe keine Rechtextremisten gewählt sondern die AFD.

Und zum Nachdenken: Ich meine das Führen UND unterstützen von Kriegen in anderen Regionen, also keine direkte Verteidigung und egal ob völkerrechtswidrig oder nicht, hat viel mehr Potential an Menschenverachtung und Rassismus als die Sprüche dieser Randgruppierungen.

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Antwort von Peter Lustig , 15:46 Uhr

Und wieder einer, der den Beitrag gelesen, aber weder Intention, noch den AUFTRAG dessen, verstanden, geschweige denn begriffen hat.