CEO Hastings über die Marktsituation für Netflix: »Wir konkurrieren mit dem Schlaf«

Reed Hastings, Mitgründer und CEO von Netflix, sieht andere Videoportale und Fernsehsender nicht als direkte Konkurrenz für den Streaming-Anbieter, sondern eher das menschliche Bedürfnis nach Schlaf.

Reed Hastings, Reed Hastings, Mitgründer und CEO von Netflix
(Foto: re:publica - CC BY 2.0)

In der vorigen Woche hatte Netflix seine Zahlen für das erste Quartal 2017 vorgelegt und einen sechs Mal so hohen Gewinn wie im Vorjahreszeitraum vermelden können – vor allem wegen des wachsenden Auslandsgeschäfts. In der anschließenden Telefonkonkurrenz macht Mitgründer und CEO Reed Hastings seinem Ruf, immer wieder für lockere oder kontroverse Aussagen gut zu sein, erneut alle Ehre. Hastings, der bei Netflix angeblich kein eigenes Büro hat und lieber im Unternehmen unterwegs ist, wurde nach der Konkurrenz durch Amazon im Streaming-Bereich gefragt. Seine Antwort: Amazon mache einen guten Job, er gehe aber nicht davon aus, dass sich das irgendwie auf Netflix auswirken werde.

Nach Einschätzung von Hastings ist der Markt riesig und es gehe eher darum, wie viel Zeit die Nutzer für Filme und Serien aufwenden können. »Wir konkurrieren mit dem Schlaf«, so der Netflix-CEO, der auch gleich ein Beispiel mitlieferte, warum der Erfolg einzelner Anbieter nicht zu Lasten der anderen gehen muss. Man selbst konkurriere zum Beispiel mit HBO, das weiter sehr erfolgreich sei, obwohl Netflix viele Nutzer hinzugewinne. »Weil wir beide nur zwei Tropfen Wasser in einem Ozean aus Zeit - und was die Leute damit anfangen - sind«, so Hastings. Sein Fazit: »Entertainment ist kein Nullsummenspiel.«

Ganz so einfach, wie der Netflix-Chef es darstellt, ist es allerdings nicht. Da das Zeitbudget der Nutzer endlich ist, konkurrieren die Videoportale nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Freizeitaktivitäten. Sie investieren daher zunehmend größere Summen in Marketing, Rechte und Eigenproduktionen, was die Gewinne künftig weniger stark wachsen lassen dürfte. Netflix selbst hatte zudem zuletzt auch weniger neue Abonnenten hinzugewonnen als erwartet.