Editorial CRN 13/2017: CeBIT ist und bleibt eine Leitmesse

Schafft sich die CeBIT selbst ab, fragte CRN Anfang dieses Jahres. Und in der Tat: Die CeBIT, wie wir sie seit nunmehr drei Jahrzehnten kennen, wird es so nicht mehr geben.

Die Deutsche Messe AG vollzieht die radikalste Wende mit dem neuen Konzept für das Sommer-Event Anfang Juni. Mutiger, jünger, cooler, offen auch für Experimente, Open Air-Happenings, Emotionen pur – dazwischen Digitalisierung und Innovationen zum Anfassen rund um das »pulsierende Herz«, den »d!campus«. Das ist mehr als eine kosmetische Korrektur. Es ist der Bruch mit der Vergangenheit, lediglich auf den guten alten Name »CeBIT« ist das disruptive Kreativteam immer wieder zurückgekommen, das vom Veranstalter mit einem ersten Plan für die Organtransplantationen beauftragt wurde.

Vor Monaten schon begann die Arbeit an der Sommer-CeBIT. Rückendeckung erhielt die Messe von großen IT-Konzernen und Telkos, die sich für die Neuausrichtung explizit aussprachen.

Die Politik, allen voran Bundeskanzlerin Merkel, war involviert. Deutschland ohne die CeBIT, ohne eine Leitmesse für Digitalisierung ist nicht vorstellbar. Der zweitwichtigste Sektor der Volkswirtschaft braucht auch in Zukunft ein Aushängeschild, so wie der wichtigste Industriezweig jedes Jahr in Frankfurt/Main beziehungsweise Hannover auf der IAA Automobil-Innovationen feiert. Beide Messen, CeBIT und IAA eröffnet traditionell die Bundeskanzlerin. Das zeigt den hohen Stellenwert der Automotiv- und ITK-Branche für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Aus der Messe ein wie auch immer zu gestaltendes Festival für die Generation Y zu machen, das muss nicht jeder Business-Besucher »cool« finden. Zudem gibt es genügend Kritiker, die auf Arbeitsplatzverluste in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und Robotik verweisen. Gelingt es den Messemachern, auch diese Dimensionen der Digitalisierung anzusprechen, kann die neue CeBIT 2018 zu einem bereichernden Format für ein Fachpublikum und die breite Öffentlichkeit reifen.

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur