Neue Plattformen für Cloud und E-Commerce: Nur Bechtles Akquisitionsmotor stottert

Ein neuer Cloud-Marktplatz, eine Multichannel-Vision, noch größere Logistik, eine zweistellige Zahl an übernahmewilligen Wettbewerbern: Bechtle könnte locker die selbst gesetzte Umsatzmarke von fünf Milliarden Euro bis 2020 erreichen. Doch kaufmännische Vorsicht rät zur Besonnenheit.

Historische Höchstpreise für Systemhäuser will Bechtle-CEO Thomas Olemotz nicht bezahlen
(Foto: CRN)

Die sehr gute Branchenkonjunktur ist für Bechtle Segen und Fluch zugleich. Deutschlands größtes Systemhaus wächst stark – um mehr als neun Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro in 2016 – und verdient noch mehr als 2015, nämlich satte 145 Millionen Euro vor Steuer, ein Plus von zwölf Prozent. Doch der Marktführer will noch höher hinaus und 2020 die Umsatzhürde von fünf Milliarden knacken. »Die Rahmenbedingungen machen es uns derzeit nicht leicht«, deutet Bechtle-Chef Thomas Olemotz erste Zweifel an diesem ehrgeizigen Ziel an. Zwar rechnet der CEO mit weiter steigenden Umsätzen, sofern die Konjunktur nicht einbricht. Aus eigener Kraft wird Bechtle die psychologisch wichtige Umsatzvorgabe aber nicht erreichen können und setzt auf Akquisitionen. »Wir prüfen mehrere Übernahmekandidaten, mehr als je zuvor«, so OIemotz.

Ein größeres Unternehmen zu kaufen, um bis 2020 im Plan zu bleiben, wäre angesichts einer mit bis zu 200 Millionen Euro gut gefüllten Kasse möglich. Andererseits sind die Preise für gut verdienende Systemhäuser »historisch hoch«, so der CEO. Zu hoch für die vorsichtig kalkulierenden Schwaben. »Das Risiko steigt, zu kaufmännisch vertretbaren Preisen Akquisitionen zu tätigen.«
Was für den CEO zählt ist letztlich immer die Rentabilität. Bechtle investiert andererseits massiv in das Cloudgeschäft und eine neue E-Commerce-Strategie. »Wir treiben so viele strategische Projekte voran wie noch nie«, sagt Olemotz.

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