Anstöße zu besserem Verhalten: Nudging statt erhobener ­Zeigefinger

Mit »Nudging« will nicht nur der Staat seine Bürger zur besseren Einsicht bringen. Sind die gutgemeinten Anstöße perfekte Motivation oder perfide Manipulation?

(Foto: winexa - Fotolia)

Große Augen hat der Roboter, der über den Königsplatz in Augsburg rollt und Rauchern ein Schild hinhält, auf dem das Rauchverbot für diesen Platz steht. Der Roboter geleitet die Passanten in die Raucherzone.

Es scheint ganz gut zu klappen, so das erste Fazit der Stadtwerke. Nicht mit erhobenem Zeigefinger versucht die Stadt ein Rauchverbot durchzusetzen, sondern der noch namenlose Roboter soll auf kreative und spielerische Weise Bürger vom Rauchen abhalten und im besten Fall eine nachhaltige Verhaltensänderung bewirken. Damit liegt Augsburg voll im Trend modernster Verhaltensökonomie. Nudging heißt die Zauberformel, »Wie man kluge Entscheidungen anstößt«, so der Titel eines Buchs der Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler Richard Thaler und Cass Sunstein. Seitdem wird nicht nur in Augsburg genudget. Andere Städte, Krankenkassen, Arbeitgeber setzen auf Nudging-Konzepte, die ihnen die Wissenschaft begeistert vorschlägt.
Kritiker der sanften Stupser warnen: Nudging manipuliere. Manche sprechen bereits von Big Nudging und warnen vor systematischer Entmündigung.

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