Trendwende im Chip-Markt: AMD will Intels Schwächen nutzen

Während Intel seine Chipsparte derzeit fast schon etwas stiefmütterlich behandelt, kann der ewige Konkurrent AMD mit guten Produkten und vermehrtem Einsatz wieder einiges an Boden gut machen und wertvolle neue Kunden gewinnen.

Aufwind für AMD

(Foto: AMD)

All diese Schwächen öffnen dem in der Vergangenheit immer wieder zu Unrecht abgeschriebenen Konkurrenten AMD eine willkommene Angriffsfläche. Diese nutzt der Konzern, der zudem seit diesem Jahr mit seinen neuen Ryzen-Prozessoren selbst ein starkes Pferd mit bis zu acht Kernen im Rennen hat, auch konsequent aus und macht einiges besser als der große Mitbewerber. So versprach AMD seinen Kunden mit einem kleinen Seitenhieb etwa, dem damit eingeführten AM4-Sockel noch mindestens bis 2020 treu zu bleiben. Damit bietet sich für alle Nutzer, die eigentlich nur ein Upgrade auf die neuen Intel-Prozessoren geplant hatten, nun dabei aber die gesamte Plattform austauschen müssten, direkt ein Wechsel zu AMD als günstigere und nachhaltigere Alternative an.

Auch technisch muss sich Ryzen nicht vor Intels Pendants verstecken. In ersten Vergleichs-Benchmarks mit Vorserien-Modellen von Intel blieb die Leistung der Zen-Architektur nur minimal hinter den jeweils entsprechenden Konkurrenzprodukten zurück und konnte sie in einigen Bereichen sogar überholen. Als besonders gelungen gilt unter Experten beispielsweise die enge Anbindung an den Arbeitsspeicher durch den internen Speicherkontroller »Infinity Fabric«. Gerade im Zusammenspiel mit schnellem RAM wie DDR4-3200 kann Ryzen diesen Vorteil voll ausspielen. Wie bei AMD üblich, gibt es das Ganze zu einem signifikant niedrigeren Preis als bei Intel.

Dass hier tatsächlich eine nachhaltige Trendwende eingeläutet werden könnte, zeigt sich besonders deutlich auf Seiten der PC- und Komponentenhersteller. Waren AMD-Produkte für die meisten von ihnen in den letzten Jahren nur eine unwichtige Nische oder überhaupt kein Thema, steigt das Interesse jetzt deutlich an. Gegenüber CRN loben Motherboardhersteller den AM4-Sockel und die zugehörigen Prozessoren und berichten von steigenden Nachfragen. So hat etwa gerade Lenovo erste Think-Modelle mit AMD-PRO-Prozessoren angekündigt und Tech Data das komplette AMD-Produktportfolio in das Global Computing Components-Angebot aufgenommen. Selbst einige deutsche B-Fertiger, die fast ausschließlich den klar von Intel dominierten Business-Bereich versorgen, arbeiten demnach derzeit verstärkt an Produkten auf AMD-Basis. Ähnlich ist die Lage im Bereich von AMDs neuer Server-CPU-Marke »EPYC«.