Hyperkonvergenz von Losstech: »Bei 400 Millionen Euro könnte ich schwach werden«

Vergesst Silicon Valley, schaut nach Lutzhorn, sagt Boris Hajek. In der ländlichen Idylle nördlich von Hamburg entwickelt er Hochleistungsserver für schnellstes Cloud Computing und mischt gerade den Hyperkonvergenz-Markt auf.

Datev-Beschleuniger

CRN: Neben Kosten geht es immer auch um noch schnellere Clouds und Applikationen, also um die Perfomance. Die Technologie hierfür soll laut Losstech-Webseite nicht mehr aus dem Silicon Valley kommen, sondern aus dem – mit Verlaub – nicht gerade als Disruptionsmetropole bekannten Lutzhorn mit seinen 800 Einheimischen, wo Sie Sanxaler entwickeln. Das klingt recht selbstbewusst.

Hajek: Ist auch so gemeint, muss ich zugeben. Vielleicht liegt es gerade an der Idylle von Lutzhorn, dass hier Innovationen entstehen. Wenn ich von Hochleistungsplattform spreche sind unsere 16 Sanxaler-Modelle der zweiten Generation wie geschaffen für schnellste Applikationen für fast jede Zahl von Usern. Nehmen Sie Datev-Anwendungen. Die gelten vielenorts als träge. Sanxaler beschleunigt Datev-Workloads um den Faktor vier bis sechs. Aus Wartezeit wird so Arbeitszeit.

CRN: Welche Applikationen laufen noch auf Sanxaler?


Hajek: Wir haben bereits eine installierte Basis für Office-Anwendungen, Navision-ERP, SQL-Datenbank, Oracle. Sogar einen DMS-Hersteller haben wir bekehrt, der zuvor nicht geglaubt hatte, dass eine Virtualisierung seiner Lösung möglich wäre.

CRN: Was ist mit sehr datenintensiven Workloads in der Kreativbranche oder Konstruktion?

Hajek: Da sind wir in der Tat noch nicht so weit. CAD, Videoschnitt, 3D- und 2D-Grafiken funktionieren mit Sanxaler noch nicht so, wie wir uns das vorstellen.


CRN: Wie viele Installationen haben Sie im Markt?

Hajek: In diesem Jahr werden wir auf 50 Rollouts kommen, für nächstes Jahr ist eine Verdopplung geplant. 2019 werden wir dann rund 400 bis 500 Maschinen im Einsatz haben und neben dem Mittelstand auch im Enterprise-Markt vertreten sein.

CRN: Hohe Stückzahlen bei weiterhin guten Service kosten viel Kapital. Was gibt Kunden die Sicherheit, dass es Losstech auch 2020 noch geben wird?

Hajek: Wir sind realistisch und planen konservativ. Wir möchten in der Mitte bleiben, klein, aber fein, sprich innovativ und serviceorientiert. Mehr als 30 Mitarbeiter groß soll Losstech nicht werden. Dafür haben wird ausreichend Liquidität. Das Land Schleswig-Holstein ist seit Kurzem als Investor bei uns engagiert und hat uns Eigenkapital aus Landesmitteln für innovative Ideen zur Verfügung gestellt. Wir sind damit für die Zukunft auch mit Kapital gut aufgestellt.

CRN: Bei Huawei stehen Sie als Ex-perte für hyperkonvergente Systeme
bereits auf der Watchlist. Wie hoch müsste der Scheck an den Losstech-Gesellschafter sein, um sich die Hardwareschmiede zu sichern?

Hajek: Wir haben bereits Angebote erhalten, aber das schnelle Geld zu machen ist nicht mein Ziel. Bei 400 Millionen Euro könnte ich allerdings schwach werden.