IT-Produktionsstandort Deutschland: Große Nachfrage nach »IT Made in Germany«

IT Made in Deutschland – mehr als nur Marketing? Der Channel sagt ja. Die Produktion in Deutschland kann durchaus erfolgreich und lukrativ sein. Der Markt verlangt danach. Aber: Die Ansprüche an Qualität, Service und Support sind hoch gesteckt.

(Foto: Fotolia/Tobif82)

Dieser Plan ging komplett schief: Mit dem »Merchandise Marks Act« wollte die britische Regierung verhindern, dass minderwertige Messer aus Deutschland mit irreführenden Schriftzügen als billige Kopien den Qualitätsprodukten aus Sheffield Konkurrenz machten. Fortan, exakt ab dem 23. August 1887, mussten Waren aus Deutschland den Schriftzug »Made in Germany« tragen, sollten sie in anderen Ländern, vor allem auf der britischen Insel verkauft werden. Das stachelte die deutschen Produzenten an. Sie verbesserten ihre Qualität, tricksten nicht mehr.

Was vor exakt 130 Jahren als Warnzeichen eingeführt wurde, entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem Qualitätszeichen. Seither und noch immer steht »Made in Germany« für Qualität – trotz mancher Quertreiber; nicht erst mit Dieselgate im 21. Jahrhundert, angezettelt vom VW-Konzern. So hatten unlängst die Experten von Statista zusammen mit den Marktforschern von Dalia unter 43.000 Verbrauchern aus 52 Ländern ermittelt, dass die Marke »Made in Germany« weltweit führend ist. Auf den Plätzen dahinter folgen die Schweiz und »Made in EU«, erst auf dem achten Rang kann sich »Made in USA« platzieren. Die mittlerweile mit am häufigsten vorkommende Herkunftsbezeichnung »Made in PRC«, also »Made in China«, liegt weit abgeschlagen auf Platz 49.

Begründet wird der erste Platz für »Made in Germany« vor allem mit Qualität und Sicherheitsstandards. Mithin eine Aussage, die auch von den ITK-Herstellern bestätigt wird. Ungeachtet hoher Kosten und einer quirligen Bürokratie, deren Hemmnisse manchem Vorhaben wie ein ausgelutschter Kaugummi anhaften, kann mit in Deutschland produzierten ITK-Produkten, bis hin zur Software, durchaus Geld verdient werden, wie Siegbert Wortmann, Vorstandschef der Wortmann AG, versichert. »So hoch sind die Mehrkosten hierzulande nicht. Wenn beispielsweise HP in China billiger produzieren kann – und da sprechen wir von einem Herstellungspreis von zehn Euro, während hierzulande 20 oder gar 30 Euro für die Produktion eines Gerätes aufzuwenden sind –, haben die deutlich höhere Transportkosten, höhere Overheadkosten und anderes mehr. Wir hingegen sind straffer und effizienter organisiert. Wäre dies anders, könnten wir nicht seit 30 Jahren erfolgreich am Markt agieren.«

Wortmann-Chef Siegbert Wortmann
(Foto: Wortmann)

Die Wortmann AG in Hülhorst ist da keine Ausnahme. »IT Made in Germany«, andere Firmen wie Tarox in Lünen oder Ecom in Dachau nennen es »Made im Ruhrgebiet« beziehungsweise »Assembled in Germany«, ist gefragt; bei öffentlichen Auftraggebern ebenso wie bei Privatnutzern, bei Freiberuflern, mittelständischen Firmen und großen Unternehmen sowieso. Obwohl, wie Wortmann feststellt, der Absatzmarkt in Deutschland härter geworden sei. »Wurden 2010 noch etwa 16 Millionen PCs in Deutschland verkauft, waren es 2016 keine zehn Millionen mehr. Aber: Unsere Zahlen sind relativ stabil. Nach dem erfreulichen Anstieg 2014 aufgrund der XP-Abkündigung sind wir jetzt wieder auf dem Niveau 2012/2013.« Trotzdem könne er zufrieden sein. Und nicht nur die Hersteller, sondern, wie Vertriebsleiter
Michael Christlmaier von Ecom sagt, auch die Handelspartner. »Aufgrund der Tatsache, dass wir für jeden unserer Partner individuelle Konfigurationen fertigen, können diese höhere Margen erzielen.«

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