CRN-Kopfnuss: Der Kampf um den Gehweg

Damit zwischen Fußgängerbeinen herumwuselnde Lieferroboter nicht für Missstimmung auf städtischen Gehwegen sorgen, suchen die Hersteller nach deeskalierenden Lösungen. Schließlich sollen die kleinen Lieferanten nicht demoliert werden oder hilflos auf dem Rücken liegend enden.

Wer weicht aus: Mensch oder Maschine?
(Foto: Starship Technologies)

In den meisten Großstädten herrscht eine gewisse Hektik im Straßenverkehr, obwohl dort gerade zur Rush Hour der Stillstand dominiert. Zwar würden die Kommunen gerne mehr Leute zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen, doch die Investitionen in neue Radwege oder dedizierte Radlerspuren auf der Straße scheuen sie. Und so müssen sich Radler und Fußgänger oft einen kombinierten Rad/Fußweg teilen oder die Radler werden auf schmale, von Wurzeln durchzogene Streifen geschickt, die irgendwann im Nichts enden. Klar ist, der Platz ist knapp – und wird bald noch deutlich knapper werden, da unzählige Lieferroboter in den Stadtverkehr drängen, um den Menschen ihre Amazon-Bestellungen, Supermarkt-Einkäufe oder die Pizza nach Hause zu bringen.

Mit ihren niedrigen Geschwindigkeiten um zehn Kilometer pro Stunde können die Lieferroboter nicht auf die Straße. Dort würden sie nur den Verkehr behindern und binnen Sekunden von einem Heer an SUVs überrollt. Bleiben Rad- und Fußwege, wo die Stimmung meist eh gereizt ist und brenzlige Situationen bestenfalls im Austausch wüster Beschimpfungen enden. An einer ganzen Armada an knie- oder hüfthohen neuen Verkehrsteilnehmern dürften die meisten Radfahrer und Fußgänger kein Interesse haben. Zumal es den kleinen Kunststoffkistchen im Gewirr der Beine und Räder ohnehin sehr schwer fällt, die Orientierung zu behalten.

Wenig überraschend formiert sich daher in mehreren Robo-Testarealen schon Widerstand. Einige der Roboter wurden schwer beschädigt, andere ausgeräumt oder als Mülleimer missbraucht, und einige fanden die Betreiber hilflos auf dem Rücken liegend vor. Eilig wird nun, da eigene Wege für die rollenden Lieferanten nahezu ausgeschlossen sind, nach Lösungen für ein stressfreies Miteinander gesucht. Ein Hersteller will seine Modelle etwa fitmachen für das Aufsammeln von Hundehaufen, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern. Ein anderer denkt über die Verteilung von kostenlosen Schienenbeinschonern nach. Und selbst Lieferroboter in Designs beliebter und bekanntermaßen freundlicher Roboter wie R2D2 und Wall-E existieren bereits auf den Reißbrettern der Entwickler.

Gescheitert ist dagegen der Plan, die Robos bei Annährung das bekannte »Ey, pass doch auf du Penner!« ausstoßen zu lassen. Was sonst im Stadtverkehr für viele Beteiligte sehr gut funktioniert, stellte sich bei Lieferroboter schnell als Desaster heraus, da sie in den anschließend folgenden Auseinandersetzungen selbst gegen Kinder und viele Rentner den Kürzeren zogen.