Der Gläserne Bürger: Wenn Orwells 1984 Realität wird

Die chinesische Regierung wird bis 2020 ein »Social Credit System« einführen. Bürger werden dann aufgrund ihres gesellschaftlichen Verhaltens bewertet und werden danach belohnt oder bestraft.

(Foto: alphaspirit - Fotolia.com)

Allen, die sich gerne düsteren Dystopien und möglichen negativen Folgen der Digitalisierung hingeben, sei die BBC-Produktion »Black Mirror« ans Herz gelegt. Hier wird in einzelnen Folgen eine technikbezogene Paranoia ins Extreme getrieben. In der ersten Folge der dritten Staffel steht eine ins Auge integrierte »App« im Fokus, die es dem Nutzer ermöglicht, Interaktionen mit anderen zu bewerten und Status-Updates zu veröffentlichen. Im Prinzip eine Kombination aus Facebook, Instagram und Yelp — mit hanebüchenen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander.

Interagieren Menschen nett miteinander, können sie maximal fünf Sterne pro Bewertung erhalten. Hinterlassen sie einen negativen Eindruck, drohen Ein-Stern-Rezensionen. Fällt man im sozialen Ranking zu sehr ab, droht eine Art Bürgerschaft zweiter Klasse. Betroffene werden sozial ausgegrenzt, haben Schwierigkeiten bei der Jobsuche, zahlen mehr für Versicherungen und Leasing-Verträge und werden auf zahllose weitere Arten stigmatisiert. Das Problem bei dieser und anderen »Black Mirror«-Folgen: Die beschriebenen Szenarien erscheinen in Zeiten der Digitalisierung nicht als Fiktion, sondern als beunruhigender Vorgriff auf eine nahe Zukunft. Auch das Social Rating könnte früher real werden, als uns lieb ist.

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