Toshiba bleibt in Chipfertigung involviert: Details zum Verkauf der Toshiba-Speichersparte

Toshiba hat den Verkauf seiner Speichersparte an ein Konsortium um den Finanzinvestor Bain Capital verkündet – unterschrieben ist der Deal aber noch nicht. Mittlerweile werden auch weitere Details bekannt, unter anderem zu den künftigen Machtverhältnissen.

Speicherchip-Fertigung bei Toshiba
(Foto: Toshiba)

In der vergangenen Woche fand das monatelange Ringen um das Speicherchip-Geschäft von Toshiba ein Ende. Der japanische Konzern teilte mit, ein Bieterkonsortium um den Finanzinvestors Bain Capital erhalte für zwei Billionen Yen, umgerechnet etwa 15,7 Milliarden Euro, den Zuschlag. Bain und die beteiligten Unternehmen gründen für den Kauf eine Übernahmegesellschaft namens Pangea, in die auch Toshiba investiert – ganz raus ist der Hersteller aus dem Flash-Business also nicht. Mehr noch: Er wird auch künftig mitreden können, was die Zukunft der Chipfertigung angeht, denn Reuters zufolge soll Toshiba 40,2 Prozent der Stimmrechte halten. 49,9 Prozent werden von dem Bieterkonsortium gehalten und 9,9 Prozent vom japanischen Spezialglasproduzenten und Medizintechnikspezialisten Hoya.

Allerdings ist der Deal bislang noch gar nicht unterschrieben. Zum einen sorgten Forderungen von Apple, das bestimmte Lieferzusagen durchsetzen wollte, für Verzögerungen – hier sollen die Verhandlungen aber abgeschlossen sein. Zudem bremsen wohl auch die rechtlichen Risiken, die über dem Verkauf schweben, allen voran der Streit zwischen Toshiba und Joint-Venture-Partner Western Digital. Der hätte sich gerne einen größeren Anteil an der lukrativen Speicherchip-Fertigung gesichert und gerne verhindert, dass Konkurrenten zum Zuge kommen. Toshiba will den Deal nun aber schnellstmöglich durchbekommen und zeigt sich zuversichtlich, dass er bald unterschrieben wird.

Für den japanischen Konzern drängt die Zeit, braucht er den Verkaufserlös doch dringend, um die finanziellen Löcher zu stopfen, welche die Pleite der amerikanischen Atomtochter Westinghouse in die Bilanz gerissen hatte und die sogar die Existenz des gesamten Unternehmens gefährdeten. Nach wie vor droht ein Börsenrauswurf, sollte man nicht in die Gewinnzone zurückkehren und mit der Veröffentlichung der Geschäftszahlen erneut zurückhängen. Erst im Sommer konnte ein drohendes Delisting vom Tokyo Stock Exchange nur knapp verhindert werden, nachdem der Jahresabschluss für 2016 deutlich verspätet vorgelegt wurde. Aus dem Leitindex »Nikkei 225« wurde Toshiba bereits entfernt.

Zu dem Konsortium, das nun die Speicherchip-Fertigung übernimmt, zählen neben Bain Capital und Apple auch Dell, Seagate, Kingston und der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix. Dieser teilte gestern mit, er werde 395 Milliarden Yen investieren – das sind knapp drei Milliarden Euro. Wie viel die anderen Firmen in den Kauf stecken, ist nicht bekannt, bei Apple sollen es Insidern zufolge etwa drei Milliarden Dollar sein. Klar scheint mittlerweile auch, dass Apple in dem Deal tatsächlich eine Art Königsmacher war und mit seiner finanziellen Unterstützung erst das Gebot ermöglichte, das letztlich den Zuschlag erhielt. Denn die bislang auch in den offiziellen Mitteilungen von Toshiba immer genannten Innovation Network Corporation of Japan und Development Bank of Japan sind nun doch noch nicht am Kauf beteiligt. Beide wollen offenbar erst das Ende des Rechtsstreits mit Western Digital abwarten und eventuell später in Pangea investieren.

Die japanische Regierung, die lange auf eine japanische Beteiligung an dem Deal pochte, hat ihre Bedenken offenbar zurückgestellt. Zu groß schien wohl das Risiko, der Verkauf könnte sich weiter verzögern und Toshiba ein weiteres Jahr in den roten Zahlen abschließen. Mit einem Verkauf noch im September bleiben nun etwa sechs Monate, um die Zustimmung aller Wettbewerbsbehörden einzuholen und die Transaktion vor Ende des Toshiba-Geschäftsjahres abzuschließen.