Bieterwettbewerb geht in die zweite Runde: Milliarden-Schlacht um Toshibas Chip-Sparte

Im Bieterrennen um Toshibas Halbleitersparte hat derzeit Broadcom mit einem Angebot in Höhe von mehr als 21 Milliarden Euro die Nase vorn. Aber auch Foxconn, Hynix und Western Digital mischen noch mit.

(Foto: Toshiba)

Toshibas Bemühungen zum Verkauf seiner Chip-Sparte nehmen Fahrt auf. In den letzten Wochen hatten sich bereits rund zehn potenzielle Käufer gemeldet, von denen sich jetzt vier eine Bieterschlacht liefern sollen. Laut Insidern bei Toshiba kam das derzeit höchste Angebot von Broadcom. Der amerikanische Chiphersteller offerierte demnach rund 21,3 Milliarden Euro. Aber auch Foxconn soll bereit sein, mehr als 20 Milliarden Euro für den äußerst profitablen Geschäftsbereich von Toshiba in die Hand zu nehmen. Darüber hinaus dürfen auch SK Hynix und Western Digital in der zweiten Angebotsrunde noch einmal nachlegen, obwohl ihre ersten Gebote deutlich unter jenen von Broadcom und Foxconn lagen. Allerdings würden sie am liebsten auch nur Teile der Sparte übernehmen. Bei den Verkaufsverhandlungen spielt Toshiba vor allem die aktuelle Flash-Knappheit, die weltweit zu stark steigenden Preisen führt, in die Hände und motiviert die Bieter noch mehr Geld für die boomende Sparte in die Hand zu nehmen, zu der auch mehrere Produktionsstätten für Flash-Speicher gehören.

Bei aller Freude über die guten Aussichten auf einen höheren Verkaufspreis als ursprünglich erwartet, hat Toshiba dabei jedoch auch noch zwei ungelöste Probleme, die den Deal am Ende zunichtemachen könnten. Einerseits will die japanische Regierung möglichst sicherstellen, dass das Geschäft zumindest teilweise in japanischer Hand bleibt. Das wäre jedoch bei keinem der vier aktuellen Bieter gegeben. Sollte die Politik weiter darauf beharren, müssten sich die möglichen Käufer also noch strategische Partner in Japan für das Investment suchen. Andererseits pocht Western Digital wegen seiner Partnerschaft mit Toshiba im Speicherbereich auf eine Vorzugsbehandlung bei den Verkaufsgesprächen. Die beiden Unternehmen bauen derzeit unter anderem eine neue gemeinsame Fabrik zur Produktion von 3D-NAND Flash-Speicherchips im japanischen Yokkaichi auf, wo zudem auch die WD-Tochter SanDisk bereits gemeinsam mit Toshiba eine entsprechende Produktionsstätte betreibt. Da der geplante Verkauf ein eklatanter Verstoß gegen die entsprechenden Joint-Venture-Vereinbarungen sei, müsse man gegebenenfalls über etwaige Maßnahmen wie eine Kompensationsforderung nachdenken, so die unverhohlene Drohung. Somit könnte es sein, dass Toshiba entweder einen Teil des Verkaufspreises an den bisherigen Partner weiterreichen, oder aber ausgerechnet den besonders attraktiven den Speicherbereich aus der Halbleitersparte heraustrennen und einzeln verkaufen muss.

Dass Toshiba ausgerechnet einen seiner profitabelsten und zukunftsträchtigsten Geschäftsbereiche verkaufen muss, ist vor allem grobem Missmanagement in anderen Bereichen geschuldet. Darauf wiesen auch die Anteilseigner jüngst deutlich hin, als sie das Management des schwer angeschlagenen Konzerns im Rahmen der Genehmigung für den Verkauf unter anderem als »inkompetent« abkanzelten. Damit kritisierten sie vor allem die Übernahme des inzwischen insolventen US-Atomanlagenherstellers Westinghouse, die den Konzern mindestens einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet und den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt hat.