CRN Kopfnuss: Eine kurze Geschichte des Autos

Wie werden kommende Generationen über das heutige Automobil mit seinem Verbrennungsmotor denken? Welche Technologien bringt die Zukunft? Die CRN Kopfnuss hat eine Geschichtsstunde im Jahr 2023 besucht.

(Foto: Giuseppe Blasioli - Fotolia)

Fräulein Karen Müller betrat den Unterrichtsraum. Auf dem Programm stand eine Stunde Geschichte für die 10. Klasse. Müller hatte sich als Thema das Automobil überlegt. »Nach dem Verbot der Verbrennungsmotoren im Jahr 2023 stand noch keine ausgereifte Alternative zur Verfügung«, begann sie. Simone Bär, die Klassenbeste, erinnerte sich noch daran, wie ihre Eltern aus der Stadt gezogen sind, die wegen der Stickoxide aus den Dieselmotoren von vielen verlassen wurde.

»Elektromotoren haben sich als untauglich erwiesen«, fuhr Müller fort, »da ihre Ökobilanz noch schlechter ist als bei den Benzinern, und die Reichweite nie über 350 Kilometer hinaus kam. Der Wasserstoff-Antrieb war da schon besser, weil er emissionsfrei war. Aber nachdem die Terrorgruppe Amerikanischer Islamischer Staat es geschafft hatte, durch eine eingeschleuste Malware viele Autos mittels einer veritablen Knallgasexplosion zu vernichten, war auch das bald Geschichte.«

Simone erinnerte sich an die Bilder in den Zeitungen. »Der nachfolgende Antrieb mittels Kernfusion war nur ein kurzes Intermezzo, da die Ingenieure die Strahlung nie richtig in den Griff bekamen. Die Versuche mit vakuumgetriebener Quantenenergie blieben ebenso erfolglos wie der Ansatz, einen Schwarm winziger Nanomotoren mit Hilfe eines Radioisotopengenerators anzutreiben, wie er in der Raumfahrt eingesetzt wird.« Müller machte eine bedeutungsschwere Pause.

»Was danach geschah, wisst ihr alle: Im verzweifelten Bemühen, die Mobilität der Bevölkerung wiederherzustellen, hat die Volksrepublik Großkorea Experimente mit einem Antimaterie-Antrieb gemacht. Woraufhin die koreanische Halbinsel, Japan und Teile Chinas verschwunden sind.« Simone nickte betrübt. Sie hatte einige Brieffreunde in Japan gehabt. Nach der Pleite von Facebook waren viele wieder zu Snailmail übergegangen.

»So, das war’s für heute«, beendete Müller den Unterricht. Sie ging nach draußen und stieg in die Fahrkabine. Die beiden eingespannten Pferde setzten sich langsam in Bewegung. Für die 29 Kilometer bis zu ihrer Wohnung würde sie wohl gut zwei Stunden brauchen.