Interview mit Bernd Breinbauer, Sales Director Central Europe von Seagate:
»Wer Preise wie vor der Thailand-Flut erwartet, wird enttäuscht werden«

von Karl-Peter Lenhard (kplenhard@weka-fachmedien.de)

19.10.2012

Der Festplatten-Hersteller Seagate war von der Flutkatastrophe in Thailand weniger betroffen als die Konkurrenz. Bernd Breinbauer, Sales Director Central Europe von Seagate, berichtet im CRN-Interview über vernünftige Preise und saisonale Schwankungen im Festplatten-Markt.

Bernd Breinbauer, Sales Director Central Europe von Seagate

CRN: Wie hat sie die Flutkatastrophe im Wachstumsmarkt Festplattengeschäft ausgewirkt?

Breinbauer: Die Auswirkungen der Flut in Thailand haben dazu geführt, dass in allen Kanälen bis zum dritten Quartal 2012 Produkte gehortet wurden. Gleichzeitig hat sich der TAM (Total Available Market) im zweiten Halbjahr niedriger dargestellt als erwartet. Es sind verschiedene Faktoren, die da zusammenkommen. Langfristig gesehen ist das Festplattengeschäft ein Wachstumsmarkt. Der Speicherbedarf wächst jährlich um rund 50 Prozent.

CRN: Werden sich die Preise für Festplatten wieder auf ein normales Maß einpendeln?

Breinbauer: Es kommt darauf an, was man unter »normal« versteht. Vor der Flut waren die Preise im Keller. Was der Handel als »normal« ansah, war für die Festplattenhersteller unwirtschaftlich. Die Flut in Thailand hat dazu beigetragen, dass die Preise für HDDs wieder auf einem vernünftigen Maß sind. Wir sehen eine gesunde Preiskultur innerhalb der Branche. Große Preiskorrekturen nach unten sind aus heutiger Sicht nicht zu erwarten. Wer Preise wie sie vor den Ereignissen in Thailand waren erwartet, wird enttäuscht werden.

CRN: Gibt es weitere Faktoren, die das Festplattengeschäft beeinflussen?

Breinbauer: Saisonal bedingte Schwankungen werden wir weiterhin sehen. Mit Sicherheit spielt in Europa die Finanzkrise mit den Auswirkungen auf die öffentliche Hand eine Rolle. Im Zusammenhang mit den globalen- und im Besonderen mit den europäischen Konjunkturdaten, gibt es kurzfristig keine signifikanten Steigerungen. Das kann sich aber sehr schnell ändern. Die Industrie kann nicht vorhersehen, welche Auswirkungen die Bemühungen der Industrieländer (wie z.B. die Etablierung des europäischen Rettungsschirms) auf die IT-Branche haben. Was die Industrie aber machen kann ist, sehr schnell auf die Marktgegebenheiten mittels eines funktionierenden Supply-Chain zu reagieren.

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