Festplatten-Engpässe sind überwunden:
Schwacher PC-Markt belastet Komponentengeschäft

von Karl-Peter Lenhard (kplenhard@weka-fachmedien.de)

19.10.2012

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe haben sich die Festplattenpreise wieder normalisiert. Jetzt setzen ein schwächelnde PC-Markt sowie Smartphones und Tablets dem Komponenten-Bereich zu. Während das Gesamtgeschäft rückläufig ist, steigt jedoch der Absatz von Solid State Drives.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)

Der schwache PC-Markt drückt auch auf das Komponentengeschäft. © D. Ott - Fotolia.com

Die Auswirkungen der Flutkatastrophe in Thailand sind ein Jahr danach kaum noch spürbar. Damals standen nicht nur die Fabriken der Festplatten-Hersteller unter Wasser, auch die Zulieferer waren davon betroffen. Im Hauptüberschwemmungsgebiet lagen auch die die Industriegebiete »Bang Pa-in Industrial Park« und der »Nava Nakorn Industrial Park« wo auch Western Digital, Seagate, Hitachi, Samsung, Toshiba und viele Zulieferer ihre Produktionsstätten hatten.

Vor allem Western Digital war von der Katastrophe betroffen. Stellte der Konzern im Q2/11 noch 58 Millionen Festplatten her, waren es im vierten Quartal nur noch 22 bis 26 Millionen Einheiten. Größtenteils fehlten bei WD hochkomplexe Bauteile wie Slider, die hauptsächlich in Thailand gefertigt wurden. Zulieferer, wie zum Beispiel Nidec, besetzen bei der Festplattenherstellung eine Schlüsselrolle. Experten schätzen den Marktanteil des Herstellers von Festplattenmotoren auf 80 Prozent. Zwar gab das Unternehmen schon kurz nach der Flut im November 2011 bekannt, wieder in Thailand fertigen zu können, dennoch führten Probleme bei anderen Zulieferern und bei den Herstellern zu einem enormen Preisanstieg.

Kein Zurück zum alten Preisniveau

Markus Harbach, Einkaufsleiter Wave: »Nur bei manchen Herstellern kommt es im Bereich Festplatten zu kleineren Engpässen.«

Erst jetzt scheint sich die Lage zu normalisieren. Zwar rechnen die Marktforscher von IHS iSuppli damit, dass die Festplattenpreise bis 2014 auf einem relativ hohen Niveau bleiben, allerdings kann von Krise eigentlich keine Rede mehr sein, da die Verfügbarkeit im Festplatten-Bereich stabil ist, was auch Markus Harbach, Einkaufsleiter bei Wave bestätigt: »Nur bei manchen Herstellern kommt es im Bereich Festplatten zu kleineren Engpässen.« Auch Bernd Breinbauer, Sales Director Central Europe bei Seagate, geht von einem stabilen, wen nicht sogar wieder wachsenden Festplatten-Markt aus. Die Industrie hinke dem steigenden Speicherbedarf, der jährlich um 50 Prozent wächst, mit der Produktion hinterher. Zudem habe sich kurzfristig der Bedarf nach der Thailand-Flut im zweiten Halbjahr 2012 verringert. So erklärt Breinbauer im Interview [1], dass zusätzlich zu den Ausfällen in allen Kanälen bis zum dritten Quartal 2012 Produkte gehortet wurden.

Allerdings ist die Branche mit dieser Entwicklung nicht unglücklich. Den kurzfristigen Einbrüchen folgten jetzt Quartale mit Rekordgewinnen. So konnte Seagate im zweiten Quartal 2012 seinen Nettogewinn von 119 Millionen Dollar auf über eine Milliarde Dollar verneunfachen. Auch Western Digital steigerte seinen Nettogewinn auf 1,6 Milliarden Dollar. Zwar rechnet der Bitkom mit wieder fallenden Preisen im weiteren Verlauf des Jahres, ob allerdings das alte Niveau vor der Naturkatastrophe erreicht wird, ist fraglich. Was allerdings für den Handel als »normaler« Preis gelte, sei für die Festplattenhersteller schlicht unwirtschaftlich, erklärt Breinbauer. Die Flut in Thailand habe dazu beigetragen, dass sich die Preise für HDDs wieder auf ein gesundes Niveau eingependelt hätten und der Handel sich nicht mehr mit geringen Margen zufrieden geben muss.

Solid State Drives nehmen zu

Michael Bucher, OCZ: »Wer einmal mit einer SSD gearbeitet hat, möchte nicht mehr zu einer magnetischen Festplatte zurück.«

Neben der Flut in Thailand haben aber auch andere Entwicklungen den Festplattenmarkt stark beeinflusst. Tablet-PCs, eine der wenigen boomenden Geschäfte in 2012, ließen Festplatten außen vor, da diese direkt mit Speicherchips bestückt sind. Mit einem Minus von 8,3 Prozent zum Vorjahr brach auch der deutsche PC-Markt laut Gartner nahezu ein. Als Gründe führte die Studie den Start von Microsofts neuem Betriebssystem Windows 8 und die kommenden Ultrabooks an, sowie Smartphones und Tablets. Bei letzteren finden HDDs keine Verwendung und mit normalen HDDs lassen sich weder Windows 8 noch Ultrabooks promoten. Beide wollen beim Endkunden mit Schnelligkeit punkten. Mit herkömmlichen Festplatten ist das nicht zu erreichen.

Die Hersteller setzen auf Solid State Drives (SSD). Waren diese Laufwerke noch vor kurzem wesentlich teurer als Festplatten, sorgte das gestiegene Preisniveau zu einer Angleichung und machte die schnellen SSDs zu einer attraktiven Alternative. »Die Vorteile von SSDs haben sich herum gesprochen. Wer einmal damit gearbeitet hat, möchte nicht mehr auf eine magnetische Festplatte zurück«, erklärt Michael Bucher, Channel Manager Dach von OCZ. »Mittlerweile haben diverse Assemblierer SSD-basierende PC- und Notebook-Systeme im Programm, wodurch SSDs zunehmend im PC oder Notebook als einziger Festspeicher vertreten sind und damit auch immer mehr im Sichtfeld der breiten Käuferschicht auftauchen.«

Restliches Komponentengeschäft stagniert

Bernd Breinbauer, Seagate: »Was für den Handel als normaler Preis gelte, ist für die Festplattenhersteller schlicht unwirtschaftlich.«

Die Flutkatastrophe weitete ihren Einfluss auch auf andere Bereiche aus. So musste Intel Anfang des Jahres seine Umsatzzahlen wegen mangelnder Festplatten nach unten korrigieren. Inzwischen macht dem Konzern der schwache PC-Markt aber weit größere Sorgen. Intels letzte Prozessoren-Generation fand beim Endkunden großen Anklang. Die aktuellen »Ivy-Bridge«-Prozessoren werden dagegen schlechter angenommen, bemerkt Markus Harbach. Insgesamt zeige sich der Komponenten-Bereich heterogen und Harbach ergänzt: »Während wir bei SSDs einen starken Anstieg verzeichnen, sind Mainboards und Grafikkarten eher rückläufig.« Auch bei Wortmann zeigte die Katastrophe Wirkung. »Mussten wir im ersten Quartal noch mit Schwierigkeiten bei den Komponenten, speziell bei Festplatten kämpfen, war das zweite Quartal schon wesentlich entspannter«, resümiert Thomas Knicker, Einkaufsleiter bei Wortmann. Mittlerweile hat sich der Markt aber entspannt. Knicker ergänzt: »Die Engpässe sind überwunden und auch die Kaufzurückhaltung ist bei uns nicht vehement zu spüren.« So sei das Retailgeschäft zwar rückläufig und der Business-Bereich stagniere, dennoch konnte Wortmann seinen Absatz um fünf Prozent steigern.

Ein Jahr nach der Krise hat sich der Festplattenmarkt wieder stabilisiert. Für den Komponentenbereich ist das ein gutes Zeichen. Neben saisonalen Schwankungen wirken sich schwächelnde PC-Marktzahlen aktuell am stärksten auf Komponenten aus. Der Druck wird in Zukunft aber steigen, wenn neben PCs zunehmend Tablets, Smartphones, Ultrabooks und Hybrid-Lösungen um die Gunst der Endkunden buhlen.

[1] http://www.crn.de/hardware/artikel-97090.html