Weniger ist das neue Mehr:
Höher, schneller - und weiter?

von Lars Bube (lbube@weka-fachmedien.de)

19.10.2012

Die Prozessoren werden immer schneller, das iPhone immer länger, und der Absprungpunkt, die man Dank Red Bull erreicht, immer höher. Doch die Kopfnuss ist sich sicher: Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Grenzen des Wachstums erreicht sind.

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Wer ganz oben ankommt, fällt meist hinten wieder runter. (Bild: VRD - fotolia.com)

Es war quasi das Mondlandungs-Erlebnis der Generation Web 2.0: Die halbe Welt saß am vergangenen Wochenende gebannt vor dem Fernseher, Internet oder Internetfernseher und beobachtete live, wie sich der Österreicher Felix Baumgartner für das Süßgetränkeunternehmen Red Bull, den wahrscheinlich hipsten Exportschlager seines Heimatlandes, mit dem Fallschirm aus 37 Kilometern Höhe in die Tiefe stürzte. Damit stellte er nicht nur den Rekord für den höchsten Absprung auf, er erreichte mit 1342 km/h auch mehr als die Geschwindigkeit, die der Schall – wenn auch nur in normaleren menschlichen Gefilden – für gewöhnlich erreicht. Die Kopfnuss der CRN fragt sich angesichts dieses Ereignisses natürlich: Was treibt Menschen dazu, aus 35 km aus einem Ballon zu springen? Und wie soll das jetzt noch übertroffen werden?

Die Gesellschaft verlangt von uns allen immer höhere, weitere und größere Sprünge und Leistungen, durch die rasanten Errungenschaften der IT, festgeschrieben etwa im Mooreschen Gesetz, wird dieser Prozess noch weiter beschleunigt. Doch irgendwann ist in jedem System der Zenith erreicht und dann kommt der spannende Wendepunkt. Entweder geht es dann nur noch in Mini-Schritten weiter, indem sich der nächste Ballonfahrer etwa die Ausstiegsstufe um einige Zentimeter nach oben verlegen lässt, oder aber es geht genau in die andere Richtung. Plötzlich geht es dann nicht mehr um das Mehr, sondern um das gekonnte Weniger, ganz im Sinne der glückseligen Genügsamkeit des Buddhismus und so neuer Besterbungen wie Minimalismus und »Lessness«.

In der ITK-Branche haben einige Firmen diesen kommenden Trend bereits seit Jahren vorausgeahnt und dementsprechend hinter den Kulissen schon längst mit entsprechenden Anstrengungen begonnen. Fast schon prophetisch hatte etwa Leo Apotheker in seiner kurzen Zeit als HP-Chef den Abschied von nahezu jedem Geschäftsbereich angekündigt, der HP groß gemacht hat. Etwas früh vielleicht, wie sich inzwischen herausgestellt hat, aber deshalb nicht weniger visionär. Doch spätestens wenn der oberste Trendguru Apple im Herbst ein kleineres iPad (»new new iPad«) herausbringt, und es entsprechend medienwirksam mit einem Sprung Baumgartners vom eigenen Sockel bewirbt, wird auch der letzte rekordgeile Gierschlund begreifen: Weniger ist manchmal eben doch mehr.

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