Computer Reseller News - Ausgabe 37/2012:
Gefälschte oder falsche Software?
Softwarehersteller geraten beim Handel gebrauchter Software unter Druck - Abmahn-Systemhaus geht es an den Kragen - Was Michael Urban bei Tech Data vor hat. Diese und weiter Themen lesen Sie in der neuen CRN.
Die neue Ausgabe CRN 37/2012 erscheint am 13. September 2012
Editorial
»Mit Verbrechern setzen wir uns nicht an einen Tisch«, heißt es bei einem Softwarekonzern über Händler von gebrauchter Software. Raubkopierer sind eben keine Geschäftspartner, der Ort, an dem über sie geurteilt wird, ist nun einmal der Gerichtssaal. Soweit so gut. Doch bevor geurteilt wird, muss beurteilt und differenziert werden. Denn: Hersteller führen nur allzu schnell das Wort Piraterie im Mund, wo sich Händler gebrauchter Software auf dem Boden des Gesetzes bewegen. Zahlreiche Gerichtsurteile, zuletzt sogar der Europäische Gerichtshof [1], haben den freien Warenverkehr gebrauchter Original-Software bestätigt. Von Produktpiraterie kann in vielen Fällen nicht die Rede sein. Auch dann nicht, wenn aus Herstellersicht »nur« falsche und nicht gefälschte Software verkauft wird.
Recht haben und Recht bekommen, sind gerade bei Streitfällen um gebrauchte Software zwei grundverschiedene Aspekte. Die bisherige Taktik der Hersteller: Im Lizenzdschungel verschanzen sie sich hinter vielen Restriktionen ihrer diversen Softwaredistributionen, bemühen, wo nötig, das Markenrecht und behaupten ihr Deutungsmonopol über die Frage, was überhaupt Original und was Fälschung ist. Das schlechte Image der Used-IT-Branche, das sie sich zweifelsohne selbst erarbeitet hat, spielt Softwareherstellern dabei in die Karten. Die Praxis aber, dass bei gerichtlich angeordneten Händler-Durchsuchungen Gutachter der klagenden Hersteller (!) als Hilfs-Cherifs der Ermittlungsbehörden fungieren und bei der Beschlagnahme vermeintlich gefälschter Waren mit entscheiden, ist gelinde gesagt, skandalös. Zumal es Vorwürfe gibt, dass solche Produktidentifikationsdienste selbst manipulativ arbeiten.
CRN-Redakteur Lars Bube [2] hat viele Gespräche mit Händlern, Juristen und der Industrie geführt. Die aktuellen Urteile oberster Gerichte geben den Händlern gebrauchter legaler Software Rückenwind, die Hersteller und ihre Verbände reagieren auffällig ruhig. Zu ruhig, wie viele Insider befürchten.
Mit den besten Grüßen
Martin Fryba [3]
CRN-Chefredakteur
[1] http://www.crn.de/software/artikel-96027.html
[2] lbube@weka-fachmedien.de
[3] mfryba@weka-fachmedien.de
[4] http://cdn.crn.de/fileadmin/images/2012/09/006_CRN_37_12_Inhalt_DF.pdf
[5] http://www.crn.de/abonnement/
[6] http://www.crn.de/newsletter
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