Digitale Geschlechtergrenzen:
Frauen und PCs - zwei Welten begegnen sich

von Lars Bube (lbube@weka-fachmedien.de)

14.09.2012

Laut einer Umfrage der EU haben deutsche Freuen im europäischen Vergleich einen enormen Aufholbedarf bei ihren Internet- und Computerkenntnissen. Die deutsche Damenwelt landet in der direkten Gegenüberstellung nur auf dem 19 von 29 Plätzen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Keine Beiträge im Forum. » Diskussion starten!

Die deutschen Frauen müssen in Sachen PC-Kenntnisse noch einiges aufholen. (Bild: NinaMalyna, Fotolia)

Frauen und Männer sind gleich, und wo sie es nicht sind, sollen sie es zumindest weitest möglich gehend werden. Das fordern jetzt nicht mehr nur engagierte Frauenrechtler/innen, sondern seit neuestem auch verstärkt der Hightech-Branchenverband Bitkom. Hintergrund sind die alarmierenden Ergebnisse einer aktuellen Vergleichsstudie der EU-Statistikbehörde Eurostat über die Computerkenntnisse der Damenwelt, in der es die deutsche Weiblichkeit gerade einmal auf den 19. von 29 Plätzen (EU plus Island und Norwegen) bringt. In Sachen Internetkenntnisse reicht es gar nur für den 24. Rang, knapp vor der roten Laterne.

Bei der Studie wurden unter anderem Kenntnisse wie das Kopieren und Verschieben einer Datei, der Anschluss von Peripheriegeräten wie Druckern, sowie auch grundlegende Programmierkenntnisse wie HTML abgefragt. Nur 49 Prozent der besseren Hälften der Deutschen können laut eigenem Bekunden in der Umfrage zumindest mittlere bis gute Fähigkeiten in solchen Aufgabenbereichen vorweisen. Die digital fittesten Frauen leben hingegen hoch im Norden in Island, wo 74 Prozent der Ladies gute bis sehr gute Computerkenntnisse vorweisen können.

Auch die Hoffnung, dass dann vielleicht die jüngeren und internet-affinen Generationen die digitale Zukunft unseres Landes sichern könnten, lässt sich aus der Studie heraus nicht ableiten. Im Gegenteil sind die Leistungen der jüngeren PC-Nutzerinnen im Länder-Vergleich sogar noch miserabler als die ihrer Mütter. Zwar haben unter den 16 bis 24 Jahre jungen Frauen immerhin schon 78 Prozent mittlere bis gute PC-Kenntnisse. Im Ländervergleich bedeutet das dennoch nur Rang 21, und damit eine noch schlechtere Platzierung als über alle Altersgruppen hinweg. Die Meßlatte sind hier die jungen Luxemburgerinnen, die zu sage und schreibe 96 Prozent gut bis sehr gut mit dem Computer vertraut sind. Und auch unsere Nachbarinnen aus Österreich wissen großteils wie es geht und sichern sich damit den dritten Rang hinter den Däninnen.

Internet - was war das gleich nochmal?

Ebenfalls düster sieht es laut der Studie bei den Internetkenntnissen der deutschen Damenwelt aus. Mit dem 24. Platz erreichen sie hier ihre schlechteste Platzierung in der gesamten Betrachtung. Gefragt waren hier hauptsächlich alltägliche Online-Aufgaben wie die sichere Bedienung von Suchmaschinen oder Emailprogrammen. 35 Prozent der deutschen Frauen verfügen in diesem Bereich über mittlere bis gute Kenntnisse. Spitzenreiterinnen sind aber auch hier wieder die Isländerinnen, unter denen 72 Prozent gute bis sehr gute Internetkenntnisse haben. Und auch hier kann der Nachwuchs der vermeintlichen »Digital Natives« nicht mehr viel heraus reißen: Mit 78 Prozent der Frauen die angeben, mittlere bis gute Internetkenntnisse zu haben, landet die Gruppe der 16- bis 24jährigen im europäischen Vergleich auf dem 20. Platz. Zum Vergleich: In Dänemark schätzen 98 Prozent der jungen Frauen ihre Internetkenntnisse als gut bis sehr gut ein.

»IT-Kompetenz ist Teil der Allgemeinbildung und muss als solche schon in der Schule vermittelt werden«, fordert Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf anlässlich dieser Ergebnisse. Dabei gelte die Devise: Je eher mit der digitalen Ausbildung begonnen wird, desto besser: »Der Bitkom fordert dazu die Einführung von Informatik als Pflichtfach in der Sekundarstufe I«. Nach Ansicht des Branchenverbands sollte dabei auch überlegt werden, die Mädchen mit eigenen Schulungsangeboten zu unterstützen, um die Übermacht der meist besser vorgebildeten Jungs in Fächern wie Informatik zu brechen.

So viel also zum Thema Geschlechter-Gleichheit im digitalen Zeitalter.

Verwandte Artikel