Consumer Electronics:
Bitkom: Der Onlinekunde ist König

von Lars Bube (lbube@weka-fachmedien.de)

29.08.2012

Mit dem zunehmenden Einfluss des Internets und der IT auf ihren Alltag, bekommen die Verbraucher eine neue Macht an die Hand. Ihre Wünsche geben der Branche zunehmend aktiv vor, welche Innovationen gefragt sind und wie sie ihre Geschäftsmodelle anpassen muss.

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(Grafik: Deloitte / Bitkom)

Der Verbraucher auf neuen Wegen: Wie die aktuelle Deloitte-Studie »Die Zukunft der digitalen Consumer Electronics [1]« im Auftrag des Hightech-Branchenverbandes Bitkom zeigt, findet derzeit ein gravierender Wandel im Bereich der Consumer Electronics statt. Während die Hersteller früher einfach Geräte anboten und die Verbraucher sich daraus das gewünschte aussuchen mussten, hat der Kunde in Zeiten von Internet, Start-Ups und Onlineshops immer mehr Macht, seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse / Anforderungen einzubringen. Auch die Vergleichs- und Wahlmöglichkeiten durch unzählige Onlineshops verstärken diesen Trend noch weiter.

Einer der Bereiche, in denen sich der Wandel beispielhaft deutlich zeigen lässt, ist der TV-Sektor. Bis Ende des laufenden Jahres wird laut Bitkom jeder vierte Haushalt in Deutschland ein Fernsehgerät mit Anschlussmöglichkeit ans Internet besitzen, bereits in den letzten zwei Jahren hatte sich dieser Wert jeweils verdoppelt. Damit verändern sich nicht nur die Geräte selbst, sondern vor allem auch das Nutzerverhalten, die sich immer aktiv selbst ihre Inhalte und Möglichkeiten aussuchen wollen. Auf einmal spielen nun für Fernsehgeräte Argumente wie die flüssige Steuerung des Browsers mit der Fernbedienung eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. »Viele Verbraucher rufen Musik, Filme, Fotos und Spiele aus dem Internet ab. Damit werden sie unabhängig von Zeit, Ort und Gerät. Internetfähigkeit wird für die Unterhaltungselektronik zum Standard«, erklärt Michael Schidlack, Technik-Experte des Bitkom. »So genannte Cloud-Dienste sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen«, so Schidlack.

Besonders beliebt sind bei den Nutzern die Online-Speicherdienste in der Cloud. Über drei viertel legen inzwischen Daten bei solchen Angeboten ab, knapp ein Viertel sammelt dort auch seine Musik und immerhin noch 16 Prozent nutzen inzwischen auch regelmäßig Cloud-Dienste für ihre Videos. Das bedeutet zunehmend einen harten Verdrängungsdruck auf die klassischen Medien: 60 Prozent der Onlinenutzer geben an, auf Speicherscheiben wie DVDs inzwischen ganz verzichten zu können, 50 Prozent halten ausgedruckte Fotos und Papier allgemein für eher überflüssig im Onlinezeitalter. Fast genauso viele könnten dank Internet, Smartphones und Co laut eigener Aussage auch auf gedruckte Zeitungen und Zeitschriften (44 bzw. 48 Prozent), sowie auf Bücher in Papierform (25 Prozent) verzichten.

Nutzung statt Erwerb

(Grafik: Deloitte / Bitkom)

Übergreifend zeichnet sich damit eine Trendwende vom vollständigen Besitz der Unterhaltungselektronik und ihrer Inhalte durch den Verbraucher hin zu einem eher Nutzungsbezogenen Geschäftsmodell ab. Der Kunde kauft sich ein Endgerät seiner Wahl, mit dem er möglichst frei die gewünschten Funktionen dazu- und abbestellen kann. So nutzen etwa über 12 Millionen Bundesbürger inzwischen regelmäßig Streams als Musikquelle, bei denen die Daten nur direkt zur Nutzung übertragen, aber im Normalfall nicht gespeichert werden. Die klassischen Medien wie Radio, Fernsehen und Zeitungen müssen sich auf diesen Trend ebenso einstellen wie der ITK-Fachhandel, dem einige seit Jahren gut laufenden Produkte und –Gruppen teils fast komplett weg brechen werden.

Die Autoren der Studie extrahieren aus diesen Beobachtungen vier große Faktoren, die den Wandel derzeit beeinflussen, und die es im Auge zu behalten gilt: Social, Second Screen, Steuerung und Suche. »Diese „4 S“ resultieren vor allem aus der zunehmenden Konvergenz von TV und Internet«, so Klaus Böhm, Leiter Media bei Deloitte. Dabei ergeben sich auch neue Schnittstellen, etwa zu Sozialen Netzwerken, wenn diese genutzt werden, um Geräte und vor allem Inhalte weiter zu empfehlen und zu diskutieren. Das wiederum führt zu neuen Online-Entwicklungen wie Social Media und auch Social TV und eröffnet der Branche damit auch neue Chancen, wie Böhm erklärt: »Anbieter können den Zuschauern am laufenden Fernsehprogramm ausgerichtete Zusatzinhalte anbieten: etwa Chats, Diskussionsforen oder gezielte Werbung«. Immerhin sind mehr als drei Viertel der Internetnutzer auch während des Fernsehens im Netz aktiv.

[1] http://www.bitkom.org/files/documents/CE-Studie_2012.pdf

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