Goodbye Musik-CD:
Streaming gräbt Medien das Wasser ab

von Elke von Rekowski (rekowski@tellyou.de)

24.08.2012

Als sie vor rund 30 Jahren auf den Markt kam, galt die Musik-CD als revolutionär und sorgte dafür, dass Schallplatte und Kassette nach und nach vom Markt verschwanden. Nun gehört die Silberscheibe selbst zum alten Eisen. Bereits jeder zweite Internet-Nutzer hält sie für verzichtbar.

Ist die Musik-CD bald nur noch ein Fall für den Mülleimer? (Foto: Comugnero Silvana - Fotolia.com)

Nur noch jedem zweiten Anwender (51 Prozent) würde laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom die Möglichkeit fehlen, Musik auf CD zu kaufen. Bei den Jüngeren bis 24 Jahren würden lediglich 39 Prozent der CD nachtrauern, in der Altersgruppe über 45 Jahre sind es 57 Prozent. »Das Musikangebot im Web ist unbegrenzt sowie überall und sofort verfügbar. Die CD hat es in diesem Umfeld immer schwerer«, sagt Bitkom-Experte Michael Schidlack.

Ein weiterer Grund für das abnehmende Interesse an CDs ist die gestiegene Klangqualität von Audiodateien. Denn während Musikliebhaber früher bei MP3-Dateien aus dem Internet noch eine geringere Qualität im Vergleich zu CD oder gar Schallplatte in Kauf nehmen mussten, sind diese Zeiten längst vorbei. Hochauflösende Web-Formate FLAC, AIFF und WMV können die Qualität der CD sogar übertreffen. »Wer großen Wert auf Klangqualität legt, hat mit den neuen Audio-Formaten eine Alternative, die der klassischen CD überlegen ist«, so Schidlack.

Derzeit werden CDs und MP3-Dateien auf der Festplatte immer häufiger durch Streaming-Angebote ersetzt. Streaming stellt für Musikliebhaber ein attraktives Angebot dar, bei dem zudem keine urheberrechtlichen Probleme auftreten. Bei Streaming-Angeboten werden Songs in der Regel nicht auf dem eigenen Rechner gespeichert, sondern individuell fürs direkte Hören über eine Internetverbindung übertragen. Der Bitkom geht davon aus, dass es in Zukunft hierzulande deutlich mehr Nutzer derartiger Dienste geben wird. Michael Schidlack ist sich sicher: »Das Streaming wird den Musikmarkt ebenso revolutionieren, wie es vor 30 Jahren die CD getan hat«.

Doch nicht nur die CD kämpft wegen der Möglichkeit der Virtualisierung von Produkten der Unterhaltungselektronik um ihre Existenz. Auch andere Funktionen oder gleich ganze Produktkategorien ins Netz verlagert. Fotoalben, Filmarchive und Musiksammlungen wandern aus den Regalen und Schränken in die Cloud. Auch die Anbieter von MP3- oder CD-Playern haben es schwer. Denn mittlerweile können MP3-Dateien von allen Smartphones sowie neuen Autoradios, Hifi-Anlagen und Flachbildfernsehern abgespielt werden.

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