iPad und iPhone drängen in Unternehmen:
Consumerization verändert Projektgeschäft

von Dr. Michaela Wurm (mwurm@weka-fachmedien.de)

01.08.2012

Der Siegeszug von iPad und Co. verändert nicht nur die Unternehmens-IT Bring your own device (BYOD) macht sich auch im Geschäft von PC-Herstellern und ihren Partnern bemerkbar. Vor allem für Systemhäuser eröffnen sich dadurch aber auch neue Chancen.

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»Consumerization« und »BYOD« (bring your own device) sind in vielen Unternehmen längst Realität. In immer mehr Unternehmen dürfen Mitarbeiter ihre privaten Mobilgeräte beruflich nutzen. Diese Entwicklung verändert nicht nur das Einkaufsverhalten der Unternehmen, sondern auch das Geschäft von IT-Herstellern, Distributoren und Systemhäusern. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch den Hype um Apples Erfolgsprodukte iPhone und iPad, die schnell auch die Unternehmen eroberten.

Eine Untersuchung der Marktforscher von TNS Infratest im Auftrag des Computer-Herstellers Dell belegt, dass Consumerization in Deutschland an Boden gewinnt. In 53 Prozent der befragten Unternehmen ist die Nutzung privater mobiler Systeme offiziell erlaubt, bei 27 Prozent ist deren Nutzung zumindest nicht untersagt. Lediglich in 20 Prozent der befragten Organisationen ist der Einsatz solcher Geräte explizit verboten.

Hersteller müssen auf BYOD-Trend reagieren

Längst macht sich dieser Trend auch bei IT-Herstellern und deren Partnern bemerkbar. So registriert beispielsweise Dell, dass Business-Kunden verstärkt auch Consumer-Geräte nachfragen. Das mache sich vor allem bei den Ultrabooks bemerkbar, die Dell im Consumer-Segment positioniert hat. Der Hersteller hat auf diesen Trend reagiert und bietet seine neue Generation der Ultrabooks jetzt mit Business Features, wie TPM, und einem verbesserten Service an. Weil Unternehmenskunden die Geräte rund um die Uhr verfügbar brauchen, gibt es für die Ultrabooks jetzt eine eigene Hotline, die 24 Stunden erreichbar ist.

Der Trend zur Consumerization sei längst Realität, bestätigt auch Asus-Chef Jörg Schläfke im Gespräch mit Computer Reseller News. In anderen europäischen Ländern würden schon sehr häufig Consumergeräte in Unternehmen eingesetzt, auch in großen Stückzahlen. Deutschland sei da deutlich konservativer, weil hier beispielsweise Ergonomie am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle spiele, so Schläfke. »Aber der Trend ist da, das erfahren wir auch aus Gesprächen mit unseren Handelspartnern. Die Kunden beschäftigen sich damit, verstärkt im Tablet-Bereich, wo es keine Business-Alternativen gibt.« Asus registriert diese Entwicklung nicht erst seit dem Aufkommen der Tablets, berichtet Schläfke. Als Asus vor einigen Jahren mit seinem erfolgreichen EeePC die neue Produktkategorie der Netbooks einführte, wären überraschend viele Projektanfragen von Unternehmen gekommen - obwohl Asus ein reiner Consumer-Anbieter war.

Herausforderung und Chance für Systemhäuser

Für Systemhäuser ist Consumerization längst im Tagesgeschäft angekommen. Sie waren die erste Anlaufstelle, wenn iPads in die Unternehmens-IT eingebunden mussten, weil der Geschäftsführer und die oberste Management-Ebene die stylischen Apple-Produkte einsetzen wollten.

»Den Trend in Richtung Consumerization sehen wir ja schon seit dem die iPhones in die die Unternehmen gelangten«, berichtet Oliver Tuszik, CEO Computacenter. »Aus meiner Sicht ist BYOD nicht mehr zu stoppen, ist aber auch nicht die Lösung für alle Probleme und wirft eine Menge neuer Fragen auf. Das erkennen auch die IT-Verantwortlichen und fragen bei uns zunehmend Beratungsleistungen rund um die Integration privater Geräte nach.«

Das Systemhaus hat sich auf diesen Trend schon seit längerer zeit eingestellt und entsprechend verstärkt, wie Tuszik betont: »Die Integration mobiler Endgeräte war immer schon eines unserer Schwerpunktthemen. Mit der Übernahme des Apple-Integrators HSD im April 2011 haben wir uns dann noch breiter sowohl hinsichtlich der Apple-Geräte als auch in Bezug auf BYOD aufgestellt. Hand in Hand damit ging natürlich auch die Integration der Apple-Produkte in unser Portfolio.« Einen vergleichbaren Schritt würde er jederzeit wieder machen, wenn es der Markt fordert. Dazu bestehe derzeit allerdings kein Grund, wie Tuszik betont: »Aktuell sind die IOS-Geräte iPhone, iPad absolut dominant und andere Consumergeräte werden nicht in interessanten Mengen angefragt. Das mag sich mit dem neuen Windows 8 und dem neuen Windows Phone-Betriebssystem ändern.«

»Windows 8 macht die Unterscheidung zwischen Consumern und Nicht-Consumern hinfällig«

Nicht nur Computacenter, alle großen Systemintegratoren habe sich längst auf BYOD eingestellt und sind in der Lage iPads und iPhones bei ihren Unternehmenskunden in die IT-Infrastruktur einzubinden und zu managen. Das bestätigt auch Klaus Weinmann Vorstandsvorsitzender von Cancom im CRN-Interview:


CRN: Macht sich der Consumerization-Trend bereits im Tagesgeschäft bemerkbar?

Weinmann: Das ist natürlich auch für uns und unsere Kunden ein Thema und wir sind selbstverständlich in der Lage, entsprechende Lösungen wie zum Beispiel Mobile Device Management anzubieten. Des Weiteren haben wir uns am App Spezialisten Glanzkinder beteiligt und sind hierdurch in der Lage, System Apps anzubieten. Das wird 2013 ein sehr spannendes Thema werden, denn für App basierte Anwendungen auf dem iPad oder Windows 8 ist es letztendlich egal, wer Eigentümer des Gerätes ist.


CRN: In welcher Form macht sich BYOD im Tagesgeschäft bemerkbar und hat das Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell?

Weinmann: Spätestens mit Windows 8 wird die Unterscheidung zwischen Consumern und Nicht-Consumern hinfällig werden, wir sollten bereits heute nicht mehr so kategorisieren. Unsere Aufgabe ist es, unsere Unternehmenskunden mit optimalen IT-Lösungen zu versorgen.

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