Lars, but not Least:
Apple-Nutzer zahlen (gerne) mehr

von Lars Bube (lbube@weka-fachmedien.de)

27.06.2012

Immer wieder müssen sich Apple-Nutzer den Spott anhören, »zu viel« zu bezahlen. Jetzt zeigt eine Erhebung, dass dies wirklich stimmt: Nicht nur bei der Hardware, sondern auch an ganz anderen Stellen, wie beispielsweise der Buchung von Urlauben und Geschäftsreisen im Internet.

Keine Beiträge im Forum. » Diskussion starten!

Darfs auch ein bisschen mehr kosten? Für Apple-Nutzer sowieso. (Bild: Fotoknips, Fotolia)

Apple-Nutzer lieben das einfache, klar strukturierte. Ob beim Design, der Bedienung, oder auch dem App-Kauf: Je weniger verwirrende Varianten es gibt, umso besser. Für diese Einfachheit, von manchen angesichts unserer komplexen Welt auch gerne gleich einmal mit Genialität verwechselt, sind sie dafür bereit, etwas mehr zu bezahlen, als beispielsweise bei der vielfältigen und teils verwirrenden Konkurrenz mit Windows- oder Android-Betriebssystemen. Hinzu kommt natürlich auch immer der besondere Nimbus der Luxusmarke, den Apple verspricht. Ganz nach dem Motto: normal kann jeder, kreativ nur Apple.

Wie eine aktuelle Onlineerhebung aus den USA nun allerdings zeigt, führt dies auch an ganz anderer Stelle inzwischen des Öfteren zu Mehrkosten. So bestätigt etwa das Reiseunternehmen Orbitz [1], seine Onlineangebote bereits speziell auf diese erhöhte Zahlungsbereitschaft der Apple-Kundschaft zuzuschneiden. Während der durchschnittliche Nutzer laut Orbitz lediglich bereit ist, rund 100 Dollar für eine Hotelübernachtung zu bezahlen, dürfen es bei Apple-Nutzern klaglos bis zu 30 Prozent mehr sein. Natürlich dafür auch mit ein wenig mehr Komfort als beim Durchschnitt. Registriert die Orbitz-Seite deshalb beispielsweise, dass ein Nutzer mit einem Apple-Gerät auf den Service zur Hotelzimmersuche zugreift, so werden diesem zunächst automatisch teurere und luxuriösere Angebote für Zimmer und Hotels unterbreitet, als den anderen Kunden.

Sind Apple-Nutzer die besseren Kunden?

Die ersten Erfahrungen von Orbitz sprechen für sich und auch die Statistik gibt der Sonderbehandlung Recht: In den USA werden schon heute mehr Luxus-Hotelzimmer von Apple-Nutzern gebucht, als dies ihrem Anteil an der vorhandenen Gerätebasis entspricht. Dieser Trend wird sich in Zukunft sicherlich noch weiter verstärken. Schon bald soll das Modell deshalb auf weitere Geschäftszweige ausgeweitet werden. Auch bei Mietwagen sei laut Orbitz etwa durchaus noch einiges Potential vorhanden, den Apple-Kunden von vorneherein etwas exklusivere Angebote zu unterbereiten.

Was einst der Adelstitel war ist heute das iPhone

Denkt man dieses Konzept weiter, erschließen sich auch an ganz anderer Stelle wieder neue Möglichkeiten. Statt der Facebook-Daten könnte etwa die Schufa hervorragend Rückschlüsse vom genutzten Handy-Modell auf die Kreditwürdigkeit schließen. Oder die im Herbst erwartete Einführung von Apple-TV: Endlich wäre es dann auch für die Programmverantwortlichen und ihre Werbepartner einfacher, ihre Zielgruppen zu erreichen. Während ARD, ZDF und ARTE eher eine Apple-TV-App benötigen, können sich RTL und Co mit ihrem »Unterschichten-TV« getrost auf die Androiden konzentrieren.

Die meisten Apple-Nutzer wird das nicht einmal weiter stören, im Gegenteil. Denn eigentlich belegt dies genau das mit dem iPhone oder iPad eingekaufte Lebensgefühl: Wir sind etwas Besseres. Ganz nach der alten Marketingweissheit »Wenn das Produkt schon keinen sinnvollen Mehrwert bietet ist, muss es wenigstens teurer sein«. Oder wie schon der bayerische Rebell Franz Xaver Krenkl frech zu Kronprinz Ludwig sagte, nachdem er ihn – verbotener Weise – mit seiner Kutsche im Englischen Garten überholt hatte: »Majestät, wer ko, der ko«

[1] http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304458604577488822667325882.html