Engpässe und Preisanstieg:
Flut in Thailand trifft Festplatten-Industrie

von Karl-Peter Lenhard (Karl-Peter.Lenhard@crn.de)

24.10.2011

Die Flutkatastrophe hat die Festplatten-Industrie unvorbereitet und hart getroffen. Von Wachstum im vierten Quartal will niemand sprechen. In Deutschland spürt die Distribution schon jetzt die Auswirkungen. Noch ist Ware im Markt, die Preise steigen aber zweistellig.

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Die Festplattenindustrie hat aktuell einen schweren Stand. Waren die Erdbeben in Japan Anfang des Jahres nach ein paar Wochen überstanden und die Schäden behoben, sieht es bei der jetzigen Überschwemmung in Thailand bei weitem schlechter aus. Festplatten-Hersteller haben, ebenso wie wichtige Komponentenhersteller für HDD-Teile, im Hauptüberschwemmungsgebiet ihre Fabriken stehen. So wurden die zwei Hightech-Industriegebiete »Bang Pa-in Industrial Park« und »Navanakorn Industrial Park« teilweise geflutet. Thailändische Zeitungen berichten von Wassermassen, die sich ihren Weg bis in den ersten Stock bahnten. Die Überschwemmung in Thailand, soviel steht fest, gilt schon jetzt als die schwerste Naturkatastrophe, die die Festplattenindustrie je heimsuchte.

Kein Wachstum im vierten Quartal

Das spiegelt sich auch in den Quartalsberichten von Western Digital und Seagate wieder. Im Zuge der Naturkatastrophe interessierte sich niemand mehr für die Zahlen im dritten Quartal, entscheidend war vielmehr der Ausblick auf das Jahresendgeschäft. Hier mussten beide Hersteller einräumen, dass es düster wird: Von Wachstum kann nicht die Rede sein, Stagnation wäre noch die beste Option, ein zusammenbrechender Festplatten-Ausstoß scheint sehr wahrscheinlich.

WD scheint es am schlimmsten getroffen zu haben. Die eigene Fabrik steht mitten im Überschwemmungsgebiet und ist seit über einer Woche geschlossen. Wann sie wieder geöffnet wird und die Produktion wieder anrollt steht in den Sternen. Dort werden neben anderen Komponenten auch hochkomplexe Bauteile wie Slider hergestellt. Dieser Ausfall lässt sich nicht so schnell durch andere Zulieferer ersetzen. Das bestätigte auch WD-COO Tim Leyden; er räumte vorgestern bei einer Analystenkonferenz ein, dass man in Thailand »einen erheblichen Anteil« des gesamten Slider-Bedarfs von WD herstelle. Nun sollen in einer anderen Slider-Fabrik auf den Philippinen die Kapazitäten nach oben geschraubt werden. Leyden äußerte dennoch pessimistisch, dass dies die regulären Kapazitäten von WD und die voraussichtlichen Kapazitäten seiner Zulieferer WD für mehrere Quartale erheblich beeinflusse. 32 Millionen Festplatten, die alleine für das zweite Quartal in Thailand gefertigt wurden, scheinen für das vierte Quartal komplett auszufallen. Zum Vergleich: WD stellte im gesamten Q2/11 58 Millionen Festplatten her. Im vierten Quartal werden also nur nur 22 bis 26 Millionen Einheiten ausgeliefert.

Seagate-Fabrik nicht betroffen – aber die Zulieferer

Bei Seagate sieht es nicht besser aus. Auch hier platzte die Hoffnung der Analysten, dass es für den Festplatten-Hersteller etwas besser laufen könnte. Eine gute Nachricht gab es allerdings; Seagates HDD-Fabrik in Thailand steht nicht im Flutgebiet. Generell könnte dort auch hergestellt werden, allerdings ist die Zuliefererkette komplett gestört.

Steve Luczo, CEO von Seagate, informierte auf der Analsystenkonferenz, dass Lieferprobleme hauptsächlich bei speziellen Komponenten für Head-Stacks und Head-Stacks selbst bestehen. Das Ausweichen auf andere Fertigungsstätten würde sich wohl einfacher gestalten. Seagate selbst betreibt noch zwei Fabriken in China. Trotzdem war auch Luczos Prognose sehr verhalten, dass man wohl im laufenden vierten Quartal »40 bis 50 Mio. Drives« fertigen werde. Im dritten Quartal waren es 50,7 Mio. Stück. Auf rund 170 Millionen Einheiten im vierten Quartal hatten Branchenanalysten den Gesamtmarkt für Festplatten taxiert. Für Seagate kommt jedoch erleichternd hinzu, dass erst kürlich die EU die Übernahme der HDD-Sparte von Samsung genehmigte. Deren Festplatten und Komponenten werden wohl alle in Südkorea, Japan und Taiwan gefertigt, was auf eine unterbrechungsfreie Produktion hindeutet.

Die gesamte Branche wurde von der Überschwemmung relativ unvorbereitet getroffen. Selbst in Deutschland kommt es zu einer Verknappung bei nahezu allen Laufwerkstypen. Die Distribution verschafft sich aktuell noch einen Überblick. Es sind noch Produkte im Markt, über die weitere Verfügbarkeit will jedoch zurzeit niemand eine Prognose abgeben.

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