Mobile Computing: Notebooks:
Tipps: Notebooks und andere mobile Geräte vor Kälteschäden schützen

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

09.01.2009

Bei Temperaturen von bis zu -20 Grad steigt das Risiko, dass mobile Rechner, speziell deren Akkus, den Geist aufgeben. Hier einige Tipps, wie sich das Risiko von Datenverlusten reduzieren lässt.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Elektronische Geräte wie Notebooks, Smartphones oder Personal-Digital-Assistants mögen es »gemäßigt«. Wer einen Blick in die Betriebsanleitung wirft (was zugegebener Maßen kaum jemand tut), kann dort den Temperaturbereich nachlesen, in dem das Gerät arbeiten sollte.

Im Gegensatz zu Eisbären mögen Notebooks, Smartphones und Navis Kälte ganz und gar nicht.(Bild: Pixelio.de / Tina)

Zwei Beispiele: Hewlett-Packard [1] gibt für sein neues Business-Notebook HP Compaq 6830s die zulässige Betriebstemperatur mit 5 bis 35 Grad Celsius an. Etwas härter im Nehmen sind Smartphones: Die »Blackberry [2]«-Modelle von Research in Motion [3] (RIM) etwa sind nach Angaben des Herstellers bei 0 bis 50 Grad betriebsbereit.

Lithium-Ionen-Akkus, die mittlerweile in den meisten mobilen Geräten zum Einsatz kommen, arbeiten laut Batteryuniversity.com [4] bei Temperaturen von bis zu -30 Grad mit akzeptablen Performance-Werten. Allerdings reduziert sich die Speicherkapazität, je kälter es ist und je länger die Batterien der Kälte ausgesetzt sind.

Tipp 1: Gerät nicht zu lange oder über Nacht in kalten Räumen oder im Auto liegen lassen: Nicht nur die Elektronik eines Geräts mag die derzeit herrschende Kälte nicht. Wie erwähnt, sinkt die Speicherkapazität des Akkus.

Tipp 2: Bei Kälte Akkus mit größerer Kapazität verwenden oder Reserve-Akku mitführen: Wer es nicht vermeiden kann, mit seinem Notebook oder Smartphone häufig im Freien zu arbeiten, sollte statt der Standard-Stromversorgung eine mit höherer Kapazität verwenden. Nötigenfalls einen Zweit-Akku mitnehmen.

Allerdings stellt sich hier dasselbe Problem wie bei Punkt 1: Wenn der Reserve-Akku zu lange an einem kalten Ort gelagert wird, verliert auch er an Kapazität. Lithium-Ionen-Stromversorgungen werden laut Hewlett-Packard idealer Weise bei Temperaturen zwischen 20 bis 25 Grad und einem Ladestand von 30 bis 50 Prozent ihrer maximalen Kapazität aufbewahrt.

Tipp 3. Akkus bei Raumtemperatur laden: Beim Wiederaufladen bei tiefen Temperaturen (unter 5 Grad Celsius) verringert sich der Ladestrom. Das heißt, das Laden dauert länger und ist für die Stromspeicher stressiger. Das gilt vor allem für Nickel-Cadmium- oder Nickel-Metall-Hydrid-Akkus. Robuster sind Lithium-Ionen-Stromversorgungen. Allerdings sinkt auch bei ihnen der Ladestrom bei weniger als 5 Grad.

Fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, sollte der Anwender ganz darauf verzichten Lithium-Ionen-Akkus aufzuladen. Auch Schnellladegeräte sollten nur dann eingesetzt werden, wenn eine mäßige Raumtemperatur (etwa 10 Grad) vorhanden ist.

Tipp 4. Die Kontakte von Akku und Gerät von Feuchtigkeit befreien: Speziell dann, wenn ein mobiles Gerät im Auto »übernachtet« hat, kann sich Kondenswasser bilden, wenn das System im warmen Büro oder Arbeitszimmer aktiviert wird. Deshalb das Batteriefach öffnen, den Akku herausnehmen und die Kontaktstellen mit einem Baumwolltuch säubern. Zusätzlich kann das Tuch auch mit einer alkoholhaltigen Reinigungsflüssigkeit benetzt werden, um Schmutz von den Kontaktstellen zu entfernen.

Tipp 5. Vorsicht beim Anschließen externer Stromversorgung im Auto: Viele Autofahren deponieren portable Navigationssysteme nach der Fahrt im Handschuhfach. Das ist den derzeit herrschenden tiefen Temperaturen nicht empfehlenswert (siehe Punkt 1).

Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn ein solches Gerät via Zigarettenanzünder »kalt« an die Stromversorgung angeschlossen wird. Das kann den Akku beschädigen. Einige Geräte (so meine Erfahrung vor ein paar Tagen) quittieren dann den Versuch, sie aufzuladen beziehungsweise in Betrieb zu nehmen, mit einer Weigerung oder bestenfalls einer Warnmeldung.

Hewlett-Packard gibt für das Compaq 6830s einen Arbeitstemperaturbereich zwischen 5 und 35 Grad Celsius an.

Tipp 6. Schäden durch Kondenswasser vermeiden: Die deutsche Datenrettungsfirma Kroll Ontrack [5] warnt vor einem anderen Phänomen: »Da Festplatten ´atmen´, also kein Vakuum im Chassis vorhanden ist, kann sich durch extreme Temperaturunterschiede zwischen draußen und drinnen Kondenswasser auf der Festplattenoberfläche bilden«, sagt Edmund Hilt, Geschäftsführer von Kroll Ontrack. Dieses Phänomen ist jedem Brillenträger durch das Beschlagen der Gläser bestens bekannt.

Die so entstandenen Wassertropfen führen dann zum »Head Crash«, der Beschädigung des Schreib-/Lesekopfes und somit zum Verlust von gespeicherten Daten. Bei den derzeitigen Unterschieden von bis zu 30 Grad Celsius zwischen Außen- und Raumtemperatur rät Kroll Ontrack dringend, einige Zeit zu warten, bevor Notebooks oder externe Festplatten in Betrieb genommen werden. So kann das Kondenswasser verdunsten und sich das Gerät der Umgebungstemperatur anpassen.

Tipp 7. Finger wärmen: Hier noch ein nicht ganz ernst gemeinter Tipp: Mit ganz anderen Problemen hatte Anfang Januar der Nutzer eines »Blackberry«-Smartphones der Reihe »Storm« aus der Eifel zu kämpfen: Bei Temperaturen von -16 Grad waren seine Finger so kalt, dass das Touchpad des Smartphones diese nicht mehr »erkannte«.

Wie der User im Online-Forum Blackberry World [6] schreibt, war es ihm nicht möglich, eine SMS einzugeben und zu versenden. In solchen Fällen hilft nur eines: Nicht das Mobiltelefon, sondern die Finger auf »Betriebstemperatur« bringen.

Noch ein weiterer Hinweis: Der britische Akku-Online-Händler My Battery [7] liefert auf seiner Web-Seite zu fast jedem Batteriemodell und dem entsprechenden Ladegerät Hinweise zur Wartung und Bedienung. Diese sind zwar in Englisch, aber trotzdem im einen oder anderen Fall hilfreich.

[1] http://www.hp.com/de
[2] http://www.blackberry.de/
[3] http://www.rim.com/
[4] http://www.batteryuniversity.com/
[5] http://www.krollontrack.de/
[6] http://www.blackberryworld.eu/
[7] http://www.my-battery.co.uk/

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