Gemeinsame Betrachtung von Servern und Storage:
Thema der Woche: Virtualisierung als Instrument für Green-IT, Teil 1

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), vu

03.11.2008

Speicher- und Server-Virtualisierung werden beide als Green-IT vermarktet. Genaues Hinschauen ist gefragt, um alle möglichen Einspareffekte zu realisieren. Eine gemeinsame Betrachtung ist dabei unverzichtbar.

Network Computing unterhielt sich mit Ernst & Young [1], Hewlett-Packard [2], Logica [3], Redhat [4] und Siemens [5] über Virtualisierung bei Servern und Storage. Dabei ging es insbesondere darum, inwieweit sich die Technologien für den Einsatz im Rahmen von Green-IT eignen. Lesen Sie im Folgendem den ersten Teil der Aussagen. Der zweite Abschnitt folgt in einer Woche. Sie finden den Beitrag auch in den »IT-Solutions Storage 3/2008«, S. 34f.

Network Computing: Was macht die Virtualisierung mit Blick auf Kosten- und CO2-Einsparungen so interessant?


Dr. Robert Heinrich, Partner-Advisory Services bei Ernst & Young

Dr. Robert Heinrich, Partner-Advisory Services bei Ernst & Young: »Über Speicher- und Server-Virtualisierung lassen sich diese Ressourcen besser ausschöpfen. So besehen, kann per Virtualisierung ein Teil der Hardware als Stromabnehmer und CO2-Produzent abgeschaltet werden. So viel zur Theorie. In der Realität stehen eventuell nicht virtualisierungsfähige Server und Speicher den Strom- und CO2-Einsparungseffekten entgegen. Dann muss auch in neue Hardware investiert werden.«

Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica: »Die Virtualisierung führt zu einer Zuordnung von Speicher- und Server-Kapazitäten auf der logischen Ebene. Losgelöst von starren Speicher- und Server-Beziehungen lassen sich diese Kapazitäten viel wirtschaftlicher, aber auch performanter ausschöpfen. Die effizientere Nutzung von Speicher- und Server-Kapazitäten reduziert den Stromverbrauch. Dadurch verringern sich die CO2-Emissionen.«

Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat: »Vor allem in der Virtualisierung der Server stecken erhebliche Kosten- und Energieeinsparungen. Derzeit laufen Server mit 25 Prozent Auslastung, also 75 Prozent Leerlauf. Virtualisierung ist jedoch nicht gleich Virtualisierung. Wenn sich die Unternehmen auf eine proprietäre Verkettung von Hardware, Betriebssystem und Virtualisierungs-Software einlassen, werden die positiven Effekte begrenzt bleiben.«

Network Computing: Lohnt es sich, für Green-IT und Kosteneinsparungen von Speicher und Server getrennt zu betrachten?


Michael Garri, Enterprise-Server-Business-Unit bei HP Deutschland

Michael Garri, Enterprise-Server-Business-Unit bei HP Deutschland: »Die Ausgangssituation ist unterschiedlich. Server, die im Schnitt lediglich zu 10 bis 15 Prozent ausgelastet sind, besitzen ein erhebliches Einsparungspotenzial. Durchschnittliche Auslastungen von 65 Prozent lassen sich mit Virtualisierung erreichen. Bei virtualisierten Speichern ist das anders. Die explodierenden Daten werden hier den Zugewinn an Kapazität schnell aufzehren. Aber genau deshalb ist auch Storage-Virtualisierung unverzichtbar.«

Dr. Heinrich: »Speicher und Server erweisen sich als Säulen der Geschäftsprozessoptimierung. Nur wenn beide virtualisiert werden, lassen Speicher- und Server-Leistung dynamisch zuweisen. Auch mit Blick auf das Klima und die Umwelt ist es ratsam, beide IT-Ressourcen komplementär zu betrachten. Nur im Zusammenspiel von beiden virtualisierten Bereichen lassen sich potenzielle Strom- und CO2-Einsparungen realitätsnah ermitteln.«

Wildeboer: »Definitiv. Backups und Desaster-Recovery mit virtualisierten Rechnern und davon getrennt gehaltenen Storage-Konzepten sind äußerst sinnvoll. Redhat-Enterprise-Linux 5 Advanced-Platform hat diese Technologien bereits integriert und geht mit Cluster-File-Systemen sogar noch weiter. Alles Open-Source, alles ohne Aufpreis.«

Network Computing: Inwieweit lässt sich durch die Kombination von Storage- und Server-Virtualisierung die Einsparungen erhöhen?


Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica

Möller: »Werden Speicher und Server ins logische Zuordnungsprinzip eingebunden, eröffnet das eine flexible Auslastung und Organisation dieser Ressourcen. Das erhöht zwangsläufig die Möglichkeiten, Kosten- und Energie einzusparen. Allerdings können Zusatzmaßnahmen für eine hohe Verfügbarkeit und IT-Sicherheit innerhalb der gesamten Virtualisierungslösung an den Kosteneinsparungen zehren.«

Garri: »Werden Speicher und Server ins logische Zuordnungskonzept einbezogen, sind tendenziell weitere Einsparungen möglich. Größere Einsparungen winken den Unternehmen, wenn sie die komplette Virtualisierungslandschaften zur Automatisierung von IT-Prozessen und einer dynamischen Servicebereitstellung nutzen. Nur das setzt Änderungen innerhalb der IT-Organisation, neue Prozesse und ein professionelles Service-Management voraus.«

Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management bei Siemens IT-Solutions and Services: Mehr Leistung bei weniger Kapazitäts- und Stromverbrauch sind durchaus möglich: Dazu müssen Speicher und Server intelligent zugeordnet und dabei die Auslastungsgrade berücksichtigt werden. Es versteht sich von selbst, dass das Virtualisierungspotenzial beider Seiten sich in der Synthese am Besten ausschöpfen lässt. Allerdings sollte bei der logischen Zuordnung die Redundanz für die Hochverfügbarkeit nicht unter den Tisch fallen.«

Network Computing: Sehen Sie bei der Virtualisierung auch Aspekte, die sich im Blick auf das Budget und die Umwelt kontraproduktiv auswirken?


Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat

Wildeboer: »Ja, wenn proprietäre Hard-/Software-Konzepte in heterogenen Infrastrukturen den Entfaltungsraum der Virtualisierung einengen. Deshalb ist es für die Unternehmen sehr wichtig, sich für das Server-Virtualisierungsvorhaben der herstellerunabhängigen Open-Source-Quelle zu bedienen. Mit dieser Strategie lässt sich Zug um Zug ein durchgehend virtualisierter Server-Pool errichten, der sich im doppelten Sinne besonders lohnt.«

Dr. Heinrich: »Neue Hardware, die angeschafft wird, verbraucht Energie und erzeugt CO2, selbst wenn sie sparsamer als die Vorgängergeneration mit Strom umgeht. Außerdem muss zusätzliche Hardware am Ende ihres Lebenszyklus entsorgt werden. Das ist unter den jetzigen Rahmenbedingungen ein Kapitel für sich. Bisher ist das Bewusstsein für eine fachgerechte Entsorgung weder bei den Herstellern noch bei den Anwendern hinreichend ausgeprägt.«

Möller: »Zusatzmaßnahmen zur Verfügbarkeit und IT-Sicherheit auf logischer Schicht haben ihren Preis. Deshalb sollte bei beidem das Verhältnis von Kosten und Nutzen stimmen. Zusätzliche Hardware, die für eine durchgehende Virtualisierung angeschafft wird, muss später entsorgt werden. Das alles ändert nichts daran, dass Virtualisierung das IT-Budget und Klima entlastet. Ohne sie würde genau das Gegenteil eintreten.«

Network Computing: Was sollte ein Unternehmen bei der Gesamtrechnung mit Blick auf das eigene Budget und die Umwelt keinesfalls vergessen?


Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management
bei Siemens IT-Solutions and Services

Arbitter: »Virtualisierte Systemlandschaften müssen zusätzlich abgesichert werden, unabhängig davon, ob es sich um Speicher oder Server dreht. Die logische Verbindungs- und Ausführungsschicht macht solche zusätzlichen Absicherungen notwendig. Das gilt sowohl mit Blick auf die Hochverfügbarkeit als auch auf die Angriffssicherheit. Beide Maßnahmen können den Einsatz von Extra-Hardware nach sich ziehen – ein Kosten- und Umweltfaktor.«

Garri: »Durch Virtualisierung steigt der Nutzen, aber auch die Komplexität. Genau diese muss mit den richtigen Mitteln beherrscht werden, um zu profitieren. Das wird nur mit geeigneten Managementwerkzeugen funktionieren, die die physikalischen und virtuellen Systeme vollständig überwachen und steuern können. Gegebenenfalls müssen sich auch Kühlung, Stromversorgung und Abschalttechniken in dieses Management integrieren lassen.«

Wildeboer: »Einsparungen, ob an Kosten oder Strom, zu ermitteln, heißt alle dafür bestimmenden Faktoren einzubeziehen. Dazu gehören auch die Investitionen und Aufwändungen für Hochverfügbarkeit, IT-Sicherheit und die dazu passenden Managementwerkzeuge. Ganz wichtig: Die Betriebs-, Service- und Weiterentwicklungskosten sollten Teil dieser Betrachtung sein. Auch diese sprechen für eine offene Strategie, ohne jegliche Herstellerbindung.«

[1] http://www.ey.com/
[2] http://www.hewlett-packard.de/
[3] http://www.logica.com/germany
[4] http://www.redhat.de/
[5] http://www.siemens.de/

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