Standpunkt: Was die Hexa-Core-Prozessoren von Intel in der Praxis bringen:
Sechskern-CPUs von Intel: Mehr Langeweile für mehr Kerne
Noch einmal will sich Intel nicht vom Konkurrenten AMD übertölpeln lassen, wie das vor einigen Jahren der Fall war. Nachdem bereits die Vierkern-Xeons von Intel in Sachen Benchmark-Performance den AMD-Opterons den Schneid abgekauft haben, packt Intel gleich noch einen drauf, bevor AMD überhaupt reagieren kann. Doch mehr Kerne bedeutet nicht automatisch mehr Leistung.
Die neuen 74xx-er-Xeon-CPUs von Intel [1] enthalten sechs Kerne auf einem Die, organisiert als drei Doppelkern-CPUs. Das Problem dieser Architektur: Nach wie vor kommuniziert eine CPU mit sechs Kernen über einen einzigen Memory-Control-Hub (MCH oder auch Northbridge genannt) mit dem Speicher.
Um den möglichen Bandbreiten-Engpass zu vermeiden spendiert Intel den sechs Kernen einen gesharten L3-Cache, der bis zu 16 MByte groß ausfällt. Der so genannte Snoop-Filter kümmert sich darum, dass die getrennten L2-Caches der Kerne kohärent bleiben.
Tom Kilroy, Vice President und General Manager von Intels Digital Enterprise Group, mit einem Wafer mit Sechskern-CPUs der Reihe Xeon 7400.
In Benchmarks erreichen die neuen CPUs zwischen 10 und 60 Prozent mehr Performance gegenüber den Vierkern-Vorgängern – das hängt ganz davon ab, wer testet und was er testet. So fallen Intels hauseigene Tests mit neuesten Compilern deutlich besser aus als die Tests unabhängiger Labors.
In der Praxis dürfte der Geschwindigkeitszuwachs bei einem produktiv arbeitenden Gesamtsystem eher mäßig sein.
Nicht die CPU ist der Flaschenhals
Nur wenige Standard-Server haben mit mangelnder CPU-Leistung zu kämpfen. In der Praxis liegen die Flaschenhälse an ganz anderen Stellen. Auch Virtualisierungsserver werden nicht so stark von der gesteigerten Prozessor-Power profitieren. Hier haben die RAM- und Massenspeicherbandbreite sowie die LAN-Performance einen deutlich höheren Stellenwert.
So werden sich in neuen Standard-Servern künftig sechs statt zwei oder vier Kerne langweilen. Dabei verbraten sie nach wie vor 130 Watt, zuzüglich der nicht zu unterschätzenden Stromaufnahme der FB-DIMMs (Fully-Buffered).
Wer auf einen I/O-Performance-Schub hofft, wird noch eine CPU-Generation abwarten müssen. Erst die nächste Xeon-Familie wird sich endlich von der FSB-Architektur (Front-Side-Bus) trennen und mehrere Memory-Controller direkt auf der CPU platzieren.
Andreas Stolzenberger
Erst dann werden die heute üblichen Server-Applikationen einen spürbaren Geschwindigkeitszuwachs erfahren. Letzten Endes geht es eben nicht nur darum, möglichst viele Kerne in einen Chip zu sperren, die mit eingeschränkter Bandbreite kommunizieren. Mit jedem zusätzlichen Core muss auch die I/O-Anbindung schneller werden.
Bis es so weit ist, dürften für viele Einsatzgebiete Server mit mehreren CPUs und mehreren Speichercontrollern die bessere Wahl bleiben.
[1] http://www.intel.de/
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