Lohnendes Geschäft für den Handel:
Hohe Margen mit gebrauchten Computern
Der Markt für gebrauchte Hardware leidet unter dem rasanten Preisverfall der Neuware. Trotzdem sollten Fachhändler ihr Portfolio mit gebrauchten Geräten abrunden, denn die Margen sind hoch: Für Standard-PCs sind immerhin bis zu 15 Prozent möglich.
Beim Handel mit gebrauchten PCs sind höhere Margen drin als bei Neuware - aber die Beschaffung ist schwieriger.
Schillerstrasse, München: Dönerbuden, billige Absteigen und Unterklasse-Hotels. Doch nirgends sonst gibt es so viele Computerhändler in einer einzigen Straße wie hier. Schräg gegenüber der legendären Boxerkneipe »Cafe Schiller« sitzt seit dreiundzwanzig Jahren »Seemüller Computer«. Seemüller ist zwar ein Traditionsgeschäft in dem Viertel am Hauptbahnhof, doch das hält Geschäftsführer Stefan Graf nicht davon ab, das Geschäftsmodell auch mal grundlegend zu ändern: »Von zehn PCs, die wir verkaufen, sind mittlerweile neun gebraucht«, erzählt Markus Jungmann vom Vertrieb. Der Computerladen verkaufe die gebrauchten Systeme sowohl an Privat- als auch an Geschäftskunden.
»Die Margen sind bei Used-IT deutlich höher als bei Neuware«, weiß Jungmann. Darüber hinaus gebe es kaum Hersteller-Vorgaben, deswegen könnten die Preise individueller festgelegt werden. Seemüller verlangt beispielsweise für ein gebrauchtes Think-Pad, das neu 2.500 Euro kostet, nur 500 Euro. Für Kunden allemal ein attraktiver Preis.
Zum Portfolio gehören neben Desktops und Notebooks auch Laserdrucker, Monitore und Beamer. »Server hatten wir auch mal ausprobiert, doch die waren für unsere Kunden nicht interessant«, betont Jungmann. Im April liefen die Geschäfte mit Used IT nicht besonders gut. Kein Grund für die Mitarbeiter, die Köpfe hängen zu lassen: »Wir sind seit vielen Jahren im Geschäft und haben so manche Krise überlebt. Es wird auch wieder aufwärts gehen«, ist Vertriebler Jungmann überzeugt.
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Wirtschaftskrise macht die Beschaffung schwieriger
Ihre Ware beziehen Computerhändler wie Seemüller in der Regel von den großen Remarketing-Spezialisten. Diese Großhändler verkaufen sowohl an gewerbliche Endkunden als auch an Fachhändler. Doch das stellt in der Used-IT-Branche kein Problem dar. Zu den etablierten Anbietern zählen beispielsweise GSD, Ergotrade, Dataserv (die frühere Omnico) und Euratech. Für die großen Used-IT-Unternehmen ist es immer wieder eine Herausforderung, an Ware zu gelangen, die sich weiterverkaufen lässt.
Viele Unternehmen führen ihre alten Produkte bei Neuanschaffungen nicht dem Gebrauchtmarkt zu, sondern verschrotten sie. Das ist der wesentliche Unterschied zum Handel mit Neuware. Ralf Schweitzer, Geschäftsführer von dem Remarketing-Spezialisten GSD, erkennt derzeit keine Impulse von technischer Seite: »Viele Firmen, aber auch Privatkunden, werden erst bei der Einführung von Windows 7 ihre Geräte austauschen. Dazu kommt natürlich die Wirtschaftskrise. Unternehmen verschieben IT-Investitionen und warten ab. So kommen weniger Produkte in den Markt.«
Doch nicht nur die fehlende Ware bereitet den Firmen, die sich auf Used-IT spezialisiert haben Kopfzerbrechen: Der rasante Preisverfall bei Neuware lässt nicht nur die Preise für gebrauchte Geräte purzeln. Er wirft darüber hinaus die Frage auf, warum Firmen oder Privatkunden überhaupt ein gebrauchtes Produkt kaufen sollen, wenn die Originalware bereits billig zu haben ist. »Der rasante Preisverfall für Neuware belastet den Markt für Used IT. Deswegen ist es wichtig, große Stückzahlen abzusetzen«, betont Matthias Herrmann von GTR2 Global Technology Remarketing & Recycling.
Worauf Händler achten sollten
GTR2 gehört zu den größeren IT-Remarketing-Unternehmen in Deutschland. Das Unternehmen bietet eine exakte Dokumentation entlang der Prozesskette, Datenlöschung und mit über 11.000 Quadratmeter Logistikfläche Raum für Großprojekte. Das Leistungsspektrum des Unternehmens ist nach DIN EN ISO 9001:2000 sowie in Anlehnung an die ISO 27001 für den Geltungsbereich Datenlöschung zertifiziert. Das Unternehmen wurde im Jahr 2006 gegründet und beschäftigt mehr als 35 Mitarbeiter. In den Jahren 2008 und 2009 wurde die Firma mit dem Innovationspreis »Green-IT« ausgezeichnet.
Für den Handel gibt es vor allem ein Argument, mit Used-IT das Portfolio abzurunden: Die Margen sind ausgezeichnet. GSD-Chef Schweitzer geht von 10 bis 15 Prozent für Standard PCs aus.
Tipp der Redaktion
Händler, die noch keine Erfahrung mit Gebrauchtware gesammelt haben, sollten unbedingt einige Punkte beachten:
* Tätigen Sie Testkäufe. Einige Anbieter, beispielsweise Broker, überprüfen die Produkte nicht auf ihre Funktionsfähigkeit.
* Bestellen Sie anfangs kleinere Stückzahlen.
* Falls Sie selber assemblieren: Bestellen Sie eine größere Stückzahl und bauen Sie daraus eine kleine Anzahl leistungsfähiger Rechner.
* Setzen Sie auf Produkte, die sich gut vermarkten lassen: Dazu zählen Desktops ab Pentium IV mit 1,6 GHz und Notebooks.
* Drucker sind dagegen schwer zu verkaufen, weil die Neuware zu günstig ist - hier wird bekanntermaßen das Geld mit Patronen verdient. Auch Monitore laufen auf Grund des Preisverfalls schleppend.
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[1] http://www2.crn.de/veranstaltungen/assemblierer-summit-2009/
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