»Media Markt Preis« sorgt für Unverständnis:
Werbe-Fachmann fordert Stopp der Media Markt-Kampagne
Nicht nur, dass die aktuelle Werbekampagne zum neuen »Media Markt Preis« auf Unverständnis stößt: Der Retailer attackiert auch heftig die angeblich unseriöse Konkurrenz in Fachhandel und Etail. SinnerSchrader-Chef Matthias Schrader fordert nun den Stopp der Kampagne.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Stößt auf Unverständnis: Die neue Werbekampagne von Media Markt
Mit einer großen Werbekampagne verkündet Media Markt seit dem 1. Oktober 2011 die Einführung des neuen »Media Markt Preises«: Anstelle der traditionellen Preis- und Angebotsaktionen will der Retailer seinen Kunden künftig tagesaktuelle Tiefstpreise garantieren (CRN berichtete [1]). In einem Interview mit der FAZ rückte MSH-Chef Horst Norberg die neue Werbestrategie nun in einen direkten Zusammenhang mit dem geplanten Online-Comeback von Media Markt und Saturn: »Wann immer Sie in einen Media Markt kommen, Sie können sicher sein, Sie erhalten einen hoch attraktiven Preis. Das ist nicht nur Werbung, sondern ist Teil unserer Multikanalstrategie. Wir werden zukünftig das Online- und das stationäre Geschäft eng miteinander verknüpfen«, so Norberg.
Die Bewerbung des eigenen Mehrkanal-Auftritts geht in der Media Markt-Kampagne allerdings mit einer massiven Diffamierung der Konkurrenz einher: So führt der aktuelle Flyer der Retail-Kette unter anderem das Negativbeispiel »Billigpreisbomber.de« vor, das die Geduld der Kunden mit unverständlicher Beratung, veralteten Geräten und überlangen Lieferzeiten strapaziert. »Gerade das Internet suggeriert Transparenz und hält das Leistungsversprechen oft nicht ein«, so Norberg in der FAZ.
»Die Grundidee der gesamten Kampagne läuft ins Leere«, hält Matthias Schrader, Geschäftsführer der renommierten Internetagentur SinnerSchrader, in einem Blogeintrag [2] dagegen. Während die Retailer jahrelang auf die vermeintliche Strahlkraft des Mottos »Geiz ist geil« setzten, hätten E-Commerce Destinationen wie Amazon mit Preistranspararenz, Produktinformationen und Kundenbewertungen von Jahr zu Jahr massiv an Zuspruch gewonnen. Zudem seien sowohl der Werbe-Claim vom neuen »Media Markt Preis« wie auch der überlange und wirre aktuelle TV-Spot des Retailers für den Kunden unverständlich: »Die neue Ansage bleibt klar Dada. Man kann den Verantwortlichen bei Media Markt nur raten, schnell wieder zur Besinnung zu kommen und die Kampagne sofort zu stoppen«, so das Fazit des erfahrenen E-Commerce- und Werbe-Spezialisten.
Unklare Online-Strategie
Für Branchenkenner stellt sich zudem die Frage, wie Media Markt den in Zusammenarbeit mit seiner neuen Werbeagentur Ogilvy & Mather erhobenen Anspruch auf tagesaktuelle Preise in die Tat umsetzen will. MSH-Chef Norberg spricht in der FAZ von einem Produktsortiment von rund 50.000 Artikeln je Markt, aus welchem ein »Kernsortiment von 1.200 bis 1.500 Produkten« täglich auf Preisaktualität überprüft werden solle. Dabei habe jeder Media Markt-Geschäftsführer die Preishoheit: »Ein einheitlicher Preis von Flensburg bis Rosenheim entspricht nicht unserem dezentralen Handeln«, so Norberg. Unklar bleibt allerdings, wie sich die Rückbesinnung auf die Dezentralität mit der im Zuge der Multichannel-Strategie des Unternehmens angepeilten stärkeren Vereinheitlichung der Preise (CRN berichtete [3]) vertragen soll.
Wie Norberg erklärt, soll dagegen noch im Oktober 2011 der Saturn.de-Onlineshop starten. Den genauen Termin will der MSH-Chef allerdings noch nicht nennen – mit einer recht kuriosen Begründung: »Wir haben Sorge, dass die Zugriffe auf Saturn.de so groß sein werden, dass die Systeme ächzen. Auch die Logistik muss den Ansturm verkraften, da wir ja mit den beliebtesten Produkten an den Start gehen.«
Die Online-Strategie von Media Saturn und ihre Auswirkungen auf die Konkurrenz in Fachhandel und Etail werden auch ein wichtiges Thema beim CRN Etail Summit 2011 sein. Info und Anmeldung unter www.etail-summit.de [4].
[1] http://www.crn.de/etail/artikel-92536.html
[2] http://www.fischmarkt.de/2011/10/werbeirrsinn_beim_media_markt.html
[3] http://www.crn.de/etail/artikel-91303.html
[4] http://www.etail-summit.de/
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