Online-Shopping:
Leitfaden: Sicher online einkaufen

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

17.11.2009

Seien es überhöhte Versandkosten oder falsche Angaben zu Produkten und Lieferzeiten – wer online einkaufen will, kann leicht unseriösen Anbietern auf den Leim gehen. Damit beim Weihnachtseinkauf im Web nichts schief geht, hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) einen kostenlosen Leitfaden für sicheres Einkaufen im Netz veröffentlicht.

Die Jagd auf die Weihnachtsgeschenke ist eröffnet. Und immer mehr Bundesbürger stöbern auch im Internet nach Überraschungen für ihre Lieben, sei es auf Online-Auktionsplattformen wie EBay oder in Online-Shops.


An die 14 Millionen Deutsche wollen in diesem Jahr Weihnachtsgeschenke online kaufen. (Bild: BVDW).

Nach Angaben des High-Tech-Verbandes Bitkom [1] wollen 14 Millionen Deutsche online Weihnachtsgeschenke kaufen – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Weitere 9 Millionen sind noch unentschlossen. Besonders beliebt sind Produkte wie Computerspiele, DVDs, Handys, Digitalkameras und Flachbild-TV-Geräte.

Doch der Einkauf im Netz kann enorm stressig werden, wenn etwa Artikel oder Preis nicht den Angaben entsprechen, die Bezahlung nicht funktioniert, und der Shop die Ware viel zu spät liefert.

»Gerade in der Vorweihnachtszeit buhlen Online-Shops mit Specials und Geschenkfindern um die kaufwilligen Kunden. Vor dem Bestellvorgang sollten allerdings einige Punkte beachtet werden: So machen zu hohe Versandkosten ein Schnäppchen schnell zum teuren Vergnügen oder Kreditkartendaten werden ohne Verschlüsselung übermittelt«, warnt Achim Himmelreich, Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce des Bundesverbands Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW [2]).

Er und seine Kollegen haben deshalb einen Leitfaden »Sicher online einkaufen« erstellt, der Kunden helfen soll, die Seriosität Online-Shops, sichere Zahlungsmethoden, den Schutz eigener Daten und guten Kundenservice richtig einzuschätzen.

Die Tipps des Leitfadens

1. Seriöse Anbieter verstecken sich nicht: Es empfiehlt sich ein Blick auf das Impressum des Online-Shops. Fehlen Adressdaten und Kontaktmöglichkeiten wie Telefonnummer oder E-Mail-Formular, ist Vorsicht angesagt. Außerdem ist zu beachten, in welchem Land der Shop seinen Sitz hat. In anderen Ländern gelten auch andere Rechtsvorschriften, etwa im Bereich Verbraucherschutz.

2. Bekanntheitsgrad des Shops: Während zu größeren Shops viele Bewertungen durch Kunden vorhanden sind, etwa über Preissuchmaschinen, ist das bei kleineren Anbietern oft nicht der Fall. Dann am besten nach Bewertungen »googeln«. In Online-Foren oder auf Verbraucherportalen finden sich in der Regel Hinweise auf die Qualität kleinerer Online-Anbieter.

3. Zertifikate: Gut ist, wenn ein Shop Zertifikate einsetzt, etwa das TÜV-Siegel, EHI oder Trusted Shop. Solche Siegel erhält nur, wer bestimmte Kriterien erfüllt, etwa in Bezug auf Datenschutz, sicherer Bezahlverfahren oder Preistransparenz.

4. Ausführliche Produktinfos: Vorsicht ist angesagt, wenn nur bruchstückhafte Produktinformationen vorhanden sind. Häufig kaschieren die Anbieter damit, dass es sich um Vorjahresmodelle oder Grauimporte handelt.


Preissuchmaschinen geben einen guten Überblick, welche Shops von den Nutzern mit gut bewertet wurden.

5. Widersprüchliche Preisangaben: Ebenfalls ein gesundes Misstrauen ist angebracht, wenn ein Anbieter dasselbe Produkt sehr viel billiger anbietet als die Konkurrenten. Dann sollte der Interessent die Lieferkosten (Verpackung, Porto) analysieren. Ein weiterer Trick von »Billigheimern«: Die Ausstattung eines Produkts weicht vom Standardangebot des Herstellers ab. Es fehlt beispielsweise Zubehör.

Weitere kritische Punkte: Die Mehrwertsteuer wird nicht eingerechnet oder in den Warenkorb »verirren« sich unerwünschte Zusatzangebote wie etwa eine teuere Transportversicherung.

6. Sichere Zahlungsmethoden: Relativ sicher sind Standardverfahren wie Vorkasse, Kauf auf Rechnung oder Nachnahme. Bei Kreditkartenzahlung ist Vorsicht geboten. Nach Einschätzung diverser IT-Sicherheitsfirmen verwenden viele Shops zwar eine verschlüsselte SSL-Verbindung für den Transfer der Kreditkartendaten.

Auf den Servern der Anbieter liegen diese Daten dann jedoch unverschlüsselt vor. Besser, wenn auch nicht unumstritten, sind Online-Bezahldienste wie Paypal oder Clickandbuy.

7. Bestellvorgang komplett verschlüsseln: Wichtig ist, dass der gesamte Bestellvorgang verschlüsselt abläuft. In Web-Browser wie Firefox oder Internet-Explorer wird das durch ein Schloss-Symbol oder eine spezielle Farbe der URL angezeigt. Wer keine unerwünschten Werbebotschaften erhalten möchte, sollte ausschließen, dass seine Daten weitergegeben werden, etwa in dem das Kästchen neben Sätzen wie »Ich möchte auch Angebote von Partnern erhalten« leer lässt.

8. Lieferkosten im Auge behalten: Gravierende Unterschiede gibt es bei den Verpackungs- und Lieferkosten. So manches vermeintliche Schnäppchen verliert nach Addieren dieser Kosten seinen Reiz. Darauf achten, dass teurere Geräte, etwa Digicams oder TV-Geräte, immer versichert versendet werden. Außerdem in den AGBs nachsehen, ob der Käufer das Risiko trägt, wenn die Ware beim ihm beschädigt ankommt.

9. Rückgaberecht: Online-Händler sind an die Regelungen des Fernabgabegesetzes gebunden. Das heißt, der Kunde kann die Waren ohne Angabe von Gründen innerhalb von 14 Tagen zurücksenden. Hier sind die Rücksendekosten zu beachten. In vielen Fällen muss sie der Kunde tragen.

10. Kundenservice: Treten Fragen im Zusammenhang mit einer Bestellung auf, sollte der Kunde einen kompetenten Ansprechpartner beim Online-Shop vorfinden. Unseriös ist, wenn nur teure Service-Hotlines zur Verfügung stehen. Auch eine E-Mail-Adresse ist hilfreich. Allerdings werden E-Mail-Anfragen oft mit Verzögerung beantwortet. Auch hier nach Erfahrungen von Usern googeln.

Einige Shops informieren den Kunden via E-Mail oder über einen geschützten Bereich auf ihrer Web-Seite über den Status einer Bestellung: Zahlung eingegangen, Ware wurde kommissioniert, Ware wurde an den Paketdienst übergeben et cetera. Dies ist eine hilfreiche Dienstleistung.

Hier der Link zum Leitfaden »Sicher online einkaufen [3]«.

[1] http://www.bitkom.org/
[2] http://www.bvdw.org/
[3] http://www.bvdw.org/mybvdw/media/download/131109-bvdw-leitfaden-sicher-online-einkaufen.pdf?file=858