Ecommerce Alliance: Von Getmobile zu Pauldirekt & Co.:
»CE ist ein super-attraktives Feld«
Von ihrer TK-Plattform Getmobile haben sich Daniel Wild und Tim Schwenke 2009 verabschiedet und setzen nun als Ecommerce Alliance auf neue Etail-Ideen. Im Gespräch mit CRN berichtet Wild, wie sich gerade im margenschwachen CE-Geschäft attraktive Modelle wie der Shopping Club Pauldirekt umsetzen lassen.
Ecommerce Alliance-CEO Daniel Wild
Märkte ändern sich und verändern auch die Erfolgschancen für ein Geschäftsmodell. Dass es sich dabei lohnen kann, gewachsene Strukturen komplett über Bord zu werfen und noch einmal neu zu beginnen, beweist Daniel Wild, Geschäftsführer der Ecommerce Alliance [1]. 1999 hatte Wild mit seinem Geschäftspartner Tim Schwenke die Plattform für Handy und Mobilfunkverträge Getmobile gegründet und damit einen frühen Volltreffer im deutschen E-Commerce gelandet. »Die Märkte E-Commerce und Mobilfunk waren eine tolle Schnittmenge und boten über Jahre die Möglichkeit zu hohem Umsatzwachstum«, resümiert Wild heute, »doch war der Mobilfunkmarkt zunehmend gesättigt und haben sich die Anbieterstrukturen stark konsolidiert.« Als dann mit der Finanzkrise auch die Kundennachfrage eingebrochen sei, habe man sich entschlossen, Getmobile Ende 2009 an den Distributor Wap-Telecom zu verkaufen.
Für die Getmobile-Gründer bedeutete das jedoch nicht das Ende ihrer E-Commerce-Laufbahn, sondern den Einstieg in eine neue Karriere: Mit dem Vertragsportal Premingo und dem Shopping Club Pauldirekt [2] hatten Wild und Schwenke bereits neue Online-Projekte am Start und ergänzten diese unter dem Dach der neu gegründeten Ecommerce Alliance nun um weitere spannende E-Commerce Ideen. »Wir sehen uns als integrierter E-Commerce-Beschleuniger«, erklärt Wild. Zur Ecommerce Alliance gehören inzwischen E-Commerce-Medien wie Mybestbrands, die Service-Dienstleister Getperformance und Getlogics sowie Online-Brands wie Shirtinator, Pearlfection und 52weine. Zudem wurde Mitte Juli Tiburon, die Investment-Gesellschaft der Getmobile-Macher, in die Ecommerce Alliance integriert. »Wir konzentrieren und derzeit auf die Themen Shopping Clubs und Mass Customization«, so Wild. »Gerade Shopping Clubs bieten die Möglichkeit zu schnellem Wachstum ohne hohes Working Capital.«
Zusammenarbeit mit Herstellern
Pauldirekt zählt zu den erfolgreichsten deutschen Shopping Clubs
Ein Paradebeispiel dafür ist Pauldirekt. 2008 gegründet verfügt die Online-Plattform heute über rund eine Million registrierte Nutzer und ist der einzige deutsche Shopping Club mit einem Schwerpunkt auf Unterhaltungselektronik. »Der Vorteil beim Start von Pauldirekt war, dass wir durch Getmobile schon ein großes Volumen im CE-Handel hatten, das wir nur weiter hochfahren mussten«, berichtet Wild. Das Erfolgsrezept sei es, knallhart zu kalkulieren und einen guten Schnitt zu machen: »Wir setzen wir auf einen Produktmix – nur mit iPod und Playstation ist nichts zu verdienen.« Eine entscheidende Rolle spiele auch Geschwindigkeit: So hat Pauldirekt eine sehr schlanke Mannschaft mit nur 14 Leuten. Waren werden bei den Partnern reserviert und erst nach Eingang der Club-Bestellungen geordert, die Abwicklung läuft direkt über die hauseigene Logistik. Für Shopping Clubs seien vor allem Overstock-Waren, End of Life-Produkte und Markteinführungen besonders gut geeignet. »Wir arbeiten hier mehr und mehr mit den Herstellern selbst zusammen«, berichtet Wild.
Für den Firmenchef liegt hier ein wesentliches Erfolgkriterium. Viele Hersteller suchten den Weg in den E-Commerce, fürchteten sich aber vor Kanalkonflikten mit den eigenen Handelspartnern. »Der Wettbewerb wird dadurch entschieden, wer den besten Job für einen Hersteller machen kann«, so Wild. Für ein CE-Portal wie Pauldirekt seien hier die ITK-Etailer der härteste Wettbewerb: »Im Laptop-Bereich sind z.B. Notebooksbilliger.de eine echte Konkurrenz, da sie bei den Preisen ganz andere Möglichkeiten haben.« Während der Erfolgs-Etailer zunehmend auch in den stationären Handel geht, ist das Thema Multichannel für Wild nur bedingt relevant: »Wir haben im stationären Handel nun einmal keine Expertise.« Die Ecommerce Alliance bleibe daher bei dem Motto »Schuster bleib bei deinen Leisten«. »Wenn wir Multichannel machen, werden wir das nur mit Partnern tun und nicht selber.«
Profitabilität im Visier
Wichtig ist Wild, mit seinen Projekten einen klaren Fokus zu verfolgen: »Unsere Politik ist es, einen Brand für ein Thema zu machen – also genau das Gegenteil, wie es z.B. Amazon macht.« Die Zielgruppen blieben streng segmentiert und erleichterten es so, Brands zu schaffen, mit denen sich die Kunden identifizierten. Dabei sieht der Ecommerce Alliance-CEO im CE-Bereich noch Potenzial für weitere Angebote: »Unterhaltungselektronik ist ein super-attraktives Feld.« So eigne sich auch das Thema Mass Customization gut für CE-Produkte, wie etwa die bisherige Tiburon-Beteiligung Youniik zeige. Das Unternehmen bietet die Möglichkeit, Handys, Laptops und TV-Geräte mit individuellen Skins zu bekleben.
Ziel der Ecommerce Alliance sei es, mit ihren Projekten 2011 den Breakeven zu schaffen, zur Zeit liegt der Fokus noch auf Umsatzsteigerung: »Auch Pauldirekt verdient heute noch kein Geld. Wenn wir aufhören, in weiteres Wachstum zu investieren, würde das gehen – aber das wollen wir nicht.«
[1] http://www.ecommerce-alliance.com/
[2] http://www.pauldirekt.de/
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