Kommentar:
Notebooksbilliger oder geht-es-noch-verplanter.de?
Einst war Online-Primus Notebooksbilliger.de damit zufrieden, jedes Quartal mit neuen Wachstumsrekorden aufzutrumpfen. Doch nun tritt der Etailer, der sich auch bereits im stationären Handel versucht, mit einer Eigenmarke in die Fußstapfen von Siegbert Wortmann – und läuft dabei Gefahr, sich zu verzetteln.
Auf den Spuren von Siegbert Wortmann: Notebooksbilliger.de-Chef Arnd von Wedemeyer
Es war einmal ein junger Unternehmer aus der Nähe von Hannover. Frühzeitig setzte er auf das Internet als Vertriebskanal, vertraute konsequent auf die Zugkraft einer attraktiven Preisgestaltung, brachte das in einem einprägsamen Firmennamen auf den Punkt und hatte damit bei den Kunden großen Erfolg. Die Rede ist natürlich von Notebooksbilliger.de [1] und Arnd von Wedemeyer, über den auch CRN in den letzten Jahren regelmäßig berichtete. Nicht jeder Leser freute sich darüber und zunehmend äußerten Händler ihren Ärger über die Konkurrenz aus dem Internet und die dort üblichen »Schweinepreise«. Doch auch wenn es sich durchaus lohnt, kritisch über die Art und Weise nachzudenken, wie die Etailer den Channel verändert haben: Letztlich beweist der Erfolg von Wedemeyer, dass hier jemand richtig auf ein bestehendes Kundenbedürfnis eingegangen ist.
Allerdings wachsen auch im Etail-Kanal die Bäume nicht unbegrenzt in die Höhe. Während Notebooksbilliger.de lange Zeit stolz zweistellige Wachstumsraten präsentierte, wurde es hier in letzter Zeit stiller. Stattdessen sorgt das Unternehmen zunehmend mit überraschenden Nachrichten für Aufsehen, wie vor allem die vergangene Woche exemplarisch zeigt: Zuerst [2] verließ der vom Nürnberger Systemhaus IT Works zu Notebooksbilliger.de gewechselte Ronny Steinhagen das Unternehmen nach nicht einmal drei Monaten wieder. Am Montag kündigte der Etailer per Facebook den Start einer PC-Eigenmarke [3] an. Am Dienstag berichtete die Financial Times, Notebooksbilliger.de beabsichtige bis zum Jahresende vier neue Ladengeschäften [4] zu eröffnen. Und am Donnerstag verkündete Firmenchef Wedemeyer schließlich im Berliner Tagesspiegel, dass für die kommende Eigenmarke sogar eine eigene Fertigung [5] am Unternehmensstandort in Sarstedt geplant sei.
Der Wortmann seiner Generation?
Das alles kann man als bewundernswerte Innovationsgeschwindigkeit betrachten – oder auch als Ausdruck einer gewissen Ratlosigkeit: War es nicht von Anfang an absehbar, dass der solide Mittelständler Steinhagen nur sehr schwer zu dem schnelllebigen Etailer passte? Wie ernsthaft waren überhaupt die mit der Personalie verbundenen Systemhaus-Pläne? Und schließlich stellt sich die Frage, welchen Sinn stationäre Shops und eine Eigenmarke für den bisherigen Online-Primus machen: Träumt hier ein erklärter Billigabieter von Flagship Stores? Und will Wedemeyer nun der Wortmann seiner Generation werden?
Das Sprichwort vom Schuster und seinen Leisten mag zwar abgedroschen sein, aber eine Fokussierung auf die Kernkompetenz würde auch Notebooksbilliger.de nicht schaden. Leicht ließen sich im Internetgeschäft zusätzliche Produktbereiche erschließen oder auch neue Zweit-Brands an den Start bringen. Vielleicht ist das dem kreativ-umtriebigen Wedemeyer auf die Dauer zu langweilig – aber dann gibt es noch immer das Vorbild seines früheren Rivalen Martin Wild: Den eigenen Laden lukrativ zu verkaufen und etwas Neues zu machen.
Einverstanden? Dagegen? Sagen Sie mir Ihre Meinung per E-Mail (matthias.hell@crn.de [6]) oder auch Twitter (twitter.com/matthiashell [7])!
[1] http://www.notebooksbilliger.de/
[2] http://www.crn.de/itk-koepfe/artikel-84352.html
[3] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-84429.html
[4] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-84466.html
[5] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-84508.html
[6] mailto:matthias.hell@crn.de
[7] http://twitter.com/matthiashell
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