Nach der Citydeal-Übernahme:
Groupon bietet auch dem ITK-Handel gute Chancen
Mit der Aufsehen erregenden Übernahme von Citydeal.de durch Groupon bestätigte das Geschäftsmodell Online-Coupons seinen Status als »Next big thing« im E-Commerce. Wie Deutschlandchef Daniel Glasner erklärt, biete das Groupon-Prinzip dabei auch für den deutschen ITK-Handel attraktive Chancen.
Citydeal-Mitgründer Daniel Glasner ist heute Geschäftsführer Groupon.de
Als sich Mitte Mai die Nachricht verbreitete, dass Citydeal.de vom US-Vorbild Groupon [1] übernommen wurde (CRN berichtete [2]), fühlten sich viele an die Zeiten der New Economy erinnert: Nicht nur der Kaufpreis – wie inzwischen bekannt wurde, soll es sich um einen in Anteilen gezahlten mittleren zweistelligen Millionenbetrag handeln – sondern auch die Geschwindigkeit, mit welcher sich Citydeal als perfekter Expansionspartner für Groupon positionierte, ähneln der Übernahme von Alando.de durch Ebay im Boom-Jahr 1999. Das gar nicht so neue Geschäftsmodell von Groupon konnte damit jedenfalls seinen Status als »Next big thing« im E-Commerce bestätigen: So erhalten die User der Plattform in deren jeweiliger Stadt täglich eine Reihe von Tages-Deals in Bereichen wie Gastronomie, Events und Shopping, die allerdings nur zustandekommen, wenn sich dafür auch eine ausreichend große Anzahl von Nutzern interessiert.
»Die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells war für uns einer der Hauptgründe dafür, Groupon.de – beziehungsweise damals noch Citydeal.de – zu gründen«, berichtet Groupon-Deutschlandchef Daniel Glasner gegenüber Computer Reseller News. So schreibe Groupon in Amerika bereits seit längerem schwarze Zahlen und zeige, dass es möglich sei, ohne Abstriche bei der Qualität und der persönlichen Betreuung der Partner mit dem Groupon-Konzept erfolgreich zu sein. Die Übertragung des Gutschein-Modells auf den deutschen Markt und das europäische Ausland verlaufe dabei weitgehend problemlos. »Natürlich gibt es Unterschiede zum amerikanischen Markt – und auch zwischen den europäischen Märkten. Diese betreffen allerdings häufiger die Gepflogenheiten in der Zusammenarbeit mit den Partnern, als die Wünsche unserer Kunden«, berichtet Glasner. Denn die Kernaufgabe für das Unternehmen sei es, kontinuierlich geeignete Handels- und Dienstleistungspartner zu finden, um den Kunden attraktive Angebote zu liefern.
Mittel zur Kundengewinnung
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Vielfalt der Gutschein-Aktionen. »Der Schwerpunkt unseres Angebots liegt derzeit besonders in den Bereichen Gastronomie, Wellness, Beauty und Freizeitaktivitäten«, erklärt Glasner. »Wir erweitern unser Spektrum aber ständig um neue Kategorien und können uns gut vorstellen, unseren Nutzern bald auch aus dem ITK-Bereich Angebote zu machen.« Dabei sei das Angebotsformat gerade für Händler und Dienstleister geeignet, die bisher noch eine eher geringe Online-Aktivität aufwiesen. Diese erhielten durch den Service die Möglichkeit, einen Tag exklusiv einer breiten Nutzerzahl – Groupon verzeichnet deutschlandweit mehr als 4,5 Millionen Besuche im Monat – und einer jungen, gut gebildeten Zielgruppe präsentiert zu werden. Zudem würden die Nutzer die Angebote an Freunde und Bekannte weiterempfehlen, um möglichst schnell die Mindestzahl der Käufer zu erreichen und bescherten den Gutschein-Aktionen so eine besondere Glaubwürdigkeit und eine große Reichweite. »Wenn das Gesamtpaket stimmt, das Unternehmen auf Groupon.de ein attraktives Angebot präsentiert und den Neukunden beim ersten Besuch ein tolles Erlebnis bietet, kann es auf diese Weise langfristig neue Kunden gewinnen«, ist sich Glasner sicher.
Zwar lege Groupon in der Regel Wert darauf, mit Unternehmen zusammen zu arbeiten, die bisher eher wenig Online-Marketing betreiben, doch habe man auch vor bereits etablierten Internethändlern keine Berührungsängste. »Unser Geschäftsmodell ist durchaus auch für E-Commerce-Anbieter interessant und in der Vergangenheit haben wir bereits einzelne Aktionen mit Onlineshops durchgeführt, beispielsweise mit Zalando oder Myphotobook.de.« Diese Angebote seien von den Nutzern sehr gut angenommen worden und könnten auch in Zukunft ausgebaut werden. Daneben stehe in nächster Zeit auf der Tagesordnung vor allem die Frage, wie sich Groupon besser auf mobilen Endgeräten darstellen lasse. Gemeinsam mit der amerikanischen Konzernmutter arbeite man derzeit an dem Thema und werde zukünftig auf jeden Fall noch stärker auf mobile Apps setzen. An Plänen und Enthusiasmus für das Groupon-Geschäftsmodell mangelt es Glasner somit auch nach der lukrativen Übernahme nicht: »Unsere Begeisterung wächst täglich mit jedem erfolgreich abgeschlossenen Deal.« Dass das auch weiterhin so bleibt, regelt Branchengerüchten zufolge bereits der Kaufvertrag – so werde gemäß einer »Earn-out«-Klausel ein Teil des Kaufpreises erfolgsabhängig erst zu einem späteren Zeitpunkt gezahlt.
Groupon und die »Copycats«
Bei dem mittlerweile zu Groupon Europe umfirmierten Citydeal.de handelt es sich nicht um den einzigen deutschen Groupon-Nachahmer: So versuchen sich auch die Start-ups Dailydeal.de [3], Cooledeals.de [4] sowie Coupies.de [5] an einer Adaption des Geschäftsmodells für den deutschen Markt. Gerade letztgenannter Anbieter agiert dabei besonders originell und setzt konsequent auf mobile Services. So erhalten Coupies-Nutzer auf Basis ihrer GPS-Daten Gutscheine lokaler Anbieter auf das Handy bzw. Smartphone geliefert und können diese mittels auf dem Display dargestellter Barcodes bei den Partnerunternehmen einlösen. Aus dem Online-Geschäftsmodell Couponing wird somit ein Umsatztreiber für den stationären Handel.
Citydeal.de setzte dagegen auf ein eher konventionelles Modell, konnte sich im Wettbewerb der »Copycats« aber durch sein schnelles Wachstum durchsetzen. Nur ein halbes Jahr nach dem Start war das Unternehmen bereits in mehr als 80 Städten in 16 Ländern aktiv und beschäftigte insgesamt über 600 Menschen – für Andrew Mason, Geschäftsführer von Groupon.com, der ausschlaggebende Grund für die Übernahme: »Wir wussten, dass es nicht einfach sein würde Groupon nach Europa zu bringen. Schon die Integration einer neuen Stadt in den USA ist jedes Mal eine Herausforderung, für den Einstieg in den europäischen Markt haben wir daher einen Partner mit einer fundierten Kenntnis der lokalen Verhältnisse gesucht.«
[1] http://www.groupon.de/
[2] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-83100.html
[3] http://dailydeal.de/
[4] http://www.cooledeals.de/
[5] http://www.coupies.de/
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