Thema der Woche: Etailer:
»Es wird noch sehr spannend im Markt werden«

von Matthias Hell (matthias.hell@crn.de)

11.03.2010

In nur wenigen Jahren machte Martin Wild Home of Hardware (HoH) zu einem der erfolgreichsten IT-Etailer. Nach dem Verkauf seines Unternehmens an Cancom schied Wild im September 2009 bei HoH aus und ging erst einmal in die USA. Im CRN-Interview schildert er seine Sicht auf die deutsche Etail-Branche.

HoH-Gründer Martin Wild beim Etail Summit 2009 von Computer Reseller News

CRN: Viele E-Commerce-Experten predigen seit langem den Multichannel-Vertrieb als Königsweg. Mit Notebooksbilliger.de eröffnet nun einer der größten IT-Etailer ein Ladengeschäft – eine Bestätigung für die Gültigkeit der Multichannel-Ideologie?

Wild: Ich bin schon seit Beginn von HOH.de von den Vorteilen und Chancen des Multichannel-Vertriebs überzeugt. Ein Ladengeschäft gibt dem Kunden ein erhöhtes Sicherheitsgefühl und kann im Umkreis des Standorts natürlich die Stärke der Brands nutzen, um auch typische Offline-Kunden zu gewinnen. Allein das Gefühl »Ich könnte ja vorbei fahren, wenn es ein Problem gibt…« hilft meiner Ansicht nach vielen Kunden bei der Kaufentscheidung.

CRN: Mit der Übernahme von Myby.de und Promarkt.de durch Rewe sowie der Ankündigung von Media Saturn 2010/11 wieder online starten zu wollen, melden sich die Retailer im Etail-Geschäft zurück. Welche Chancen räumen Sie den Handelsketten dabei ein?

Wild: Natürlich sehen auch die Retailer die Chancen eines Multichannel-Vertriebs und gehen daher den logischen Schritt zum Onlinehandel. Es ergibt sich also eine Situation, in der Player im jeweiligen Kerngeschäft des anderen aktiv werden. Um im Etail-Geschäft nachhaltig profitabel arbeiten zu können, müssen die Retailer allerdings massiv an der Kostenstruktur arbeiten und ihre Prozesse erheblich verschlanken. Inwieweit dies möglich ist, liegt wohl am Willen und am Kapital der Retailers. Da man strategisch aber keine andere Wahl hat, wird es sicher noch sehr spannend im Markt werden.

»Die Konsolidierung ist noch nicht vorbei«

CRN: In den vergangenen Jahren wurde viel über die Konsolidierung im deutschen IT-Onlinehandel gesprochen. Im Zuge der Krise sind nun einige Player vom Markt verschwunden. Hat die Landschaft der Etailer nun damit ihre mittelfristig Gestalt gefunden oder wird es in der nächsten Zeit noch weitere Insolvenzen und Übernahmen geben?

Wild: Die Konsolidierung ist noch nicht vorbei. Durch das Eintreten der Retailer und eventuell auch von auch anderen Playern aus dem Ausland wird es mittelfristig wieder zu einem massiven Wettbewerb kommen. Es wird sich dann zeigen, wer den längeren Atem hat. Der deutsche Markt wird für einige ausländische Player ein Zielmarkt sein, aber er wird von ihnen meist falsch eingeschätzt. Es ist daher für ausländische Unternehmen sehr schwer, sich hier zu etablieren. Aber jeder Versuch eines weiteren großen Players, in den Markt zu gelangen, wird auf die Margen der bereits etablierten Player drücken.

CRN: Welche Trend werden Ihrer Meinung nach das Onlinegeschäft in den nächsten Jahren prägen?

Wild: Meiner Ansicht nach ist der deutsche Markt im weltweiten Vergleich bereits sehr weit entwickelt. Ich denke, die Themen Usability und Einfachheit werden weiter an Bedeutung gewinnen. Apple macht es mit dem iPad vor und der User wartet eigentlich schon lange darauf.

CRN: Sie sind nach dem Ausstieg bei HoH nun erst einmal für einige Zeit in die USA gegangen. Arbeiten Sie derzeit bereits an neuen geschäftlichen Projekten?

Wild: Aktuell schaue ich mir die unterschiedlichsten Projekte an und habe mir auch den Etail Markt in den USA etwas genauer angeschaut. Dieser ist meiner Einschätzung nach erheblich einfacher für die agierenden Player als der deutsche Markt. Ich habe mich aber noch nicht entschieden, in welchem Bereich ich zukünftig aktiv werden möchte. Es muss nicht zwingend wieder die IT Branche sein… Die Welt steht vor großen Veränderungen und ich bin flexibel.

»Thema der Woche: Etailer« - lesen Sie diese Woche auch unseren Übersichts-Artikel [1] sowie Interviews mit Notebooksbilliger.de-Chef Arnd von Wedemeyer [2], Cyberport-Geschäftsführer Olaf Siegel [3] und Notebook.de-Firmenchef Roberto Iezzi [4].

Spannende Kontakte, alles über die neuen E-Commerce-Trend sowie wertvolle Tipps gibt es auf dem CRN Etail Summit 2010. Unser attraktives Programm sehen Sie hier [5].

[1] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-80382.html
[2] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-80387.html
[3] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-80397.html
[4] http://www.crn.de/channel/etailer/artikel-80402.html
[5] http://www.crn.de/events/veranstaltungen/etail-summit/agenda/

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