»Media Markt ist im Internethandel gescheitert«
Die Media-Saturn-Holding hat das Internetangebot Mediaonline.de geschlossen. Nach eigenen Angaben plant die Retailkette eine Neuorganisation ihrer E-Commerce-Aktivitäten. Brancheninsider sprechen dagegen vom absehbaren Scheitern eines nie richtig in die Gänge gekommenen Onlineangebots.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Media-Saturn hat das Internetangebot auf der Webseite Mediaonline.de geschlossen
Wer seit Anfang dieser Woche das Internetangebot der Media-Saturn-Holding Mediaonline.de [1] besucht, findet dort statt einem Onlineshop nur einen Hinweis auf die »Neu-Organisation« des Services: Man habe Mediaonline.de zum 15. Oktober geschlossen und plane nun eine Neugestaltung seiner E-Commerce-Aktivitäten, heißt es in einer Mitteilung. Die neue Shoplösung soll direkt auf der Media Markt-Webseite beheimatet sein und eine stärkere Verknüpfung mit dem stationären Angebot der Retailkette bieten. Auf Nachfrage von Computer Reseller News konnte Media-Saturn noch kein genaues Timing für die Neuorganisation nennen. Die größte deutsche Retailkette präsentiert sich damit bis auf weiteres ohne eigenes Internet-Outlet. Offene Bestellungen sollen aber noch abgearbeitet werden: » Sollten Sie kürzlich ein Produkt bei uns gekauft haben, wird ihre bestellte Ware noch an Sie ausgeliefert«, heißt es auf der Mediaonline-Seite dazu lapidar.
Wie ein Media-Saturn-Sprecher gegenüber CRN erklärt, habe die Schließung von Mediaonline.de nichts mit der geschäftlichen Entwicklung des Onlineportals zu tun. Mit einem im vergangenen Jahr erzielten Umsatz von rund 90 Millionen Euro zähle man zur Spitzengruppe der deutschen Etailer. Vielmehr handele es sich bei der geplanten Neuorganisation um eine strategische Maßnahme: Mehr als eine Million Kunden habe bereits den wöchentlichen Newsletter mit den nationalen Media Markt-Angeboten abonniert, eine stärkere Verzahnung von stationärem Handel und Onlineangebot liege daher nahe. Das Produktsortiment und die Aktionsangebote der Retailkette könnten künftig auf der Media Markt-Webseite bestellt werden und wahlweise nach Hause geliefert oder auch in der nächsten Filiale abgeholt werden. Am Konzept einer Umsetzung der regionalen Media Markt-Angebote arbeite man noch – offiziell fungieren die Filialen der Retailkette als eigenständige GmbHs.
Zweifel an der Darstellung von Media-Saturn
Doch stößt die Darstellung von Media-Saturn, bei der Schließung von Mediaonline.de gehe es in erster Linie um die Neuorganisation eines erfolgreichen Onlineangebots, auch auf Zweifel: »In der Branche war klar, dass Media-Saturn das Onlineangebot bald zumacht, in der letzten Zeit wurden nur noch Lagerbestände abverkauft«, so ein Brancheninsider gegenüber CRN. Mediaonline.de sei von Anfang an eine große Luftblase gewesen, lediglich mit viel Werbeaufwand habe man sich teuer Marktanteile erkaufen können. Auch die Umsatzgröße von 90 Millionen Euro im vergangenen Jahr soll deutlich zu hoch gegriffen sein. »Die Online-affinen Kunden der Etailer sind nun einmal ein anderes Segment als der klassische Media Markt-Käufer«, so das Resümee des Branchenkenners. Um sich keine Blöße zu geben, plane Media-Saturn nun offensichtlich ein halbherziges Internet-Engagement unter dem eigenen Markennamen.
Das eigentliche Problem bei den Onlineaktivitäten von Media-Saturn sei aber die interne Organisation der Retailkette. Die Eigenständigkeit der Filialen führe oft zu Konflikten zwischen »Regionalfürsten« und Konzernleitung. Das Onlineangebot von Media-Saturn sei daher von den einzelnen Niederlassungen als Konkurrenz aus dem eigenen Unternehmen wahrgenommen worden. Ob das von der Schließung von Mediaonline.de ausgehende negative Marktsignal, der Aufbau eines neuen Onlineportals oder die Ausgestaltung der Möglichkeit, Online bestellte Artikel in den Filialen abzuholen – bei seinen Internetaktivitäten stellen sich Media-Saturn künftig noch eine ganze Reihe von Schwierigkeiten. Ob die Retailmacht der Handelskette hier einen Erfolg garantiert, bleibt abzuwarten.
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