Ebay versilbert Skype
Es war der angebotene Kaufpreis, der Ebay nicht lange zögern ließ: Für 1,9 Milliarden Dollar verkauft das E-Commerce-Unternehmen eine Zweidrittelmehrheit an seiner Tochter Skype an eine Gruppe von Finanzinvestoren. Der für 2010 geplante Börsengang des VoIP-Anbieters ist damit vom Tisch.
Ebay-Chef John Donahoe hat mit dem Verkauf von Skype einen spektakulären Coup gelandet
Ebay [1] trennt sich von seinem Sorgenkind Skype [2]. Schon bald nachdem die E-Commerce-Plattform den VoIP-Anbieter vor vier Jahren zu einem Kaufpreis von 2,6 Milliarden Dollar übernommen hatte, kamen Zweifel an der Akquise auf: Zu weit war das Angebot von Skype von Ebays Kerngeschäft entfernt, zu gering der im VoIP-Segment zu erzielende Gewinn. Auf Abschreibungen von insgesamt 1,4 Milliarden Dollar folgte die Entscheidung, sich wieder von Skype trennen zu wollen (CRN berichtete [3]). Nun vermeldet Ebay, dass eine Gruppe von Finanzinvestoren unter der Führung des Technologieinvestors Silver Lake [4] eine Mehrheit von 65 Prozent an Skype zu einem Kaufpreis von 1,9 Milliarden Dollar übernimmt. Dabei überrascht nicht nur, dass Ebay von dem ursprünglich für 2010 geplanten Börsengang von Skype Abstand nimmt, sondern auch der letztlich erzielte Erlös: Die Kaufsumme bewertet Skype mit 2,8 Milliarden Dollar – mehr als Ebay seinerzeit (angeblich »überteuert«) bezahlt hat.
»Dieser Deal ist sowohl kurzfristig betrachtet wie auch strategisch gesehen für Ebay sehr lukrativ und hält für Skype großes Potenzial bereit«, freut sich Ebay-CEO John Donahoe über den Verkauf. »Für sich betrachtet ist Skype ein erfolgsträchtiges Geschäftsmodell, nur hat es eben keine Synergien mit unseren Aktivitäten im E-Commerce- und Payment-Bereich.« Der jetzige Verkauf von Skype zu einem so attraktiven Preis mache daher großen Sinn und erlaube es Ebay, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Verkauf trotz rechtlicher Fragezeichen
Verblüffend an dem Verkauf von Skype zum jetzigen Zeitpunkt ist auch, dass sich die Investorengruppe um Silver Lake offensichtlich nicht von den aktuellen juristischen Verstrickungen um den VoIP-Anbieter irritieren ließ: Nach eigenen Angaben haben die Skype-Gründer Niklas Zennstrom und Janus Friis beim Verkauf an Ebay seinerzeit das Recht an der zu Grunde liegenden Peer-to-Peer-Technologie behalten. Nachdem Zennstrom und Friis mit ihrer neuen P2P-Firma Joltid Ebay die Nutzung der Technologie zunächst weiter erlaubten, zogen die beiden vor einigen Wochen gegen Ebay vor Gericht. Die Forderung, Skype müsse auf die Verwendung der von Zennstrom und Friis entwickelten Technologie verzichten, sorgte nicht nur für Irritationen, sondern ließ bereits Meldungen über eine mögliche Einstellung des VoIP-Services entstehen. Der Rechtsstreit soll nun im Juni 2010 vor US-Gerichten entschieden werden.
Die Skype-Käufer bewerteten dennoch die Chancen der Akquisition höher als deren Risiken: »Der Deal stellt für uns die Chance dar, einen Technologieführer im dem rasant wachsenden Markt für Internet-Telefonie zu übernehmen«, so Mark Wiseman, Senior-VP bei dem zur der Investorengruppe um Silver Lake zählenden CPP Investment Board. Zudem handele es sich bei Skype um einen der strategisch wertvollsten Markenbrands auf dem VoIP-Markt.
[1] http://www.ebay.de
[2] http://www.skype.de/
[3] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=216500758
[4] http://www.silverlake.com/
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