CRN-Gaastkommentar:
SaaS bedroht die Platzhirsche

von Rafael Laguna de la Vera

15.09.2008

Branchen-Größen bezweifeln seinen wirtschaftlichen Nutzen oder prophezeien gar den Kollaps des Geschäftsmodells. Doch »Software as a Service« (SaaS) wird nach dem Vorbild zahlreicher Innovationen die Technologie der Platzhirsche letztlich ablösen.

Der Autor: Rafael de la Vera ist CEO von Open-Xchange

Lawson-Chef Harry Debes und Oracle-Gründer Larry Ellison stellen offen den wirtschaftlichen Nutzen von Software as a Service (SaaS) in Frage. Debes sagte gar den Kollaps des Modells voraus. Damit melden sich zwei Traditionalisten des Software-Geschäfts zu Wort, die viel zu verlieren haben. Über Jahrzehnte wurden abhängige und scheinbar dumme (Debes: »People are stupid«) Kunden aufgebaut, die man prima melken kann. Nun kommt über das Internet eine Liefermethode für Software daher, welche die Gesamtkosten (TCO) um 50 bis 95 Prozent senken kann und die zur echten Bedrohung für die Mammuts wird. SaaS wird dazu führen, dass in den nächsten Jahren die alten, bequemen Umsatzquellen wie Lizenzen und Wartung austrocknen. Das mag für Ellison und Debes unangenehm sein, kümmert die Kunden in der Regel aber nicht.

Die Herrschaften stecken im »Inventors Dilemma«: Unfähig, eine dem ersten Augenschein nach schwächere Technologie als Herausforderer wahrzunehmen, machen die Platzhirsche sie erst lächerlich. Dann wird sie bekämpft, später entweder umarmt oder assimiliert – bis sie letztlich doch die Technologie der Platzhirsche ablöst. Bereits heute gibt es eine ganze Reihe extrem erfolgreicher SaaS-Firmen. Vielleicht werden sie nicht als solche wahrgenommen. Aber diese Firmen haben profitabel wachsendes SaaS-Geschäft in signifikanter Größenordnung: Amazon, Datev, Bloomberg, aber auch Web-Hoster wie 1&1, GoDaddy oder Internet-Firmen wie Yahoo und Google.

Debes und Ellison denken über den Enterprise-Markt nach. Sicher wird SaaS auch dort irgendwann Einzug halten. Zunächst gibt es aber wesentlich tiefer hängende Früchte bei Anwendern, die sich Enterprise-Class-Software bisher nicht leisten konnten: kleinere Unternehmen, Handelsorganisationen, Universitäten, Behörden, die nicht in der Lage oder bereit waren, die horrenden Preise dieser Herren zu zahlen. Nun können vergleichbare Lösungen, ohne dass Integrationsprobleme in bestehende Infrastrukturen auftreten, für einen Bruchteil der Kosten als Service bezogen werden. Und genau das passiert auch, wie unangenehm das für die Traditionalisten auch sein mag. An den älteren Herren von Lawson und Oracle ist ein Zug vorbeigerauscht, den sie wohl noch gar nicht verstanden haben. Die Software-Industrie befindet sich, ausgelöst durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit des Internet und den damit einhergehenden Infrastrukturen, im Umbruch. Da hilft auch kein Pfeifen im Wald.