»Google will mit dem Channel neue Geschäftsfelder eröffnen«
Im Februar startete Google für den Vertrieb seiner Online-Anwendungen ein Reseller-Programm. Im CRN-Interview berichtet Googles Channel- und Enterprise-Chef Kai Gutzeit über die enorme Resonanz auf die Initiative, die Suche nach weiteren Google-Resellern und die guten Marktperspektiven von Cloud Computing Lösungen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)
Kai Gutzeit ist Head of Google Enterprise für Deutschland, Österreich und die Schweiz
CRN: Anfang Februar hat Google ein Reseller-Programm für die Premium-Version von Google Apps gestartet. Was veranlasst den Internet-Konzern Google für den Vertrieb seiner Cloud Computing-Services einen Reseller-Channel aufzubauen?
Gutzeit: Die Angebote von Google Enterprise – zu denen auch Google Apps Premier Edition gehört – sind IT-Lösungen, die ausschließlich für Unternehmenskunden konzipiert sind. Beim Vertrieb dieser Angebote geht es nicht nur um Produkt und Marge, sondern auch um Aspekte wie Dienstleistung und Support. Um hier skalieren zu können und entsprechende Wachstumsraten zu erreichen, ist für uns die Zusammenarbeit mit Partnern von großer Bedeutung. Die Resellern sorgen dabei nicht nur für den Verkauf der Produkte an den Endkunden, sondern erhalten auch die volle Hoheit bei der Gestaltung der Kundenbeziehungen.
CRN: Welches Feedback haben Sie auf den Launch des Reseller-Programms erhalten?
Gutzeit: Wir sind förmlich mit Online-Registrierungen für das Partnerprogramm überrannt worden. Ehrlich gesagt hatten wir nicht mit einer derartigen Resonanz gerechnet und sind noch dabei, die Anfragen abzuarbeiten. Das Spektrum der Interessenten ist sehr breit und reicht von kleinen, strategisch orientierten IT-Dienstleistern bis zu den großen Reseller-Namen. Mit unserem Channel-Team überprüfen wir derzeit die Bewerbungen und trennen die Spreu vom Weizen.
CRN: Haben Sie auch bereits erste Verträge mit neuen Google-Partnern abgeschlossen?
Gutzeit: Ja, wir haben bereits mit einer Reihe von Partnern Verträge unterzeichnet. Dazu gehören Unternehmen wie der Münchner CRM-Dienstleister Salesfactory42 oder die Webagentur Parxwerk mit Sitz in Zürich, Wien und München.
CRN: Hat Google so etwas wie ein Wunschprofil für den idealen Apps-Partner?
Gutzeit: Am liebsten sind uns Partner, die sich strategisch das Cloud Computing auf die Fahnen geschrieben haben. Das bezieht sich nicht nur auf das Thema Apps, sondern auch auf den Vertrieb der Security-Lösungen von Google: Wir achten darauf, dass die Partnerschaften strategisch aufgehängt sind. Das ist für uns wesentlich wichtiger als die Frage, ob jemand exklusiv Google-Lösungen anbietet. Wir haben keine Berührungsängste vor Alternativen im Portfolio unserer Partner. Das Motto von Google ist hier: »Der Benutzer soll die Wahl haben«.
Für Google liegt die Zukunft im Cloud Computing
Auf der CeBIT nahm Kai Gutzeit für die Enterprise Security-Lösungen von Google den Innovationspreis entgegen
CRN: Der Funktionsumfang von Google Apps wird ständig ausgebaut. Was ist dabei das Ziel von Google: Eine Online-Betriebssystem für die Cloud?
Gutzeit: Wenn Sie unser mobiles Betriebssystem Android mit voller Apps-Verfügbarkeit nehmen, haben wir bereits so etwas Ähnliches. Unser Ziel ist es hier, Google Apps als Cloud Computing-Thema überall und plattformunabhängig verfügbar zu machen. Dabei ergänzen wir die Leistung von Google Apps fortlaufend. Zuletzt haben wir Neuerungen in den Bereichen Video, Voice und Chat integriert und Apps damit auch zu einer Messaging- und Collaboration-Plattform ausgebaut.
CRN: Vor kurzem hat Google auch Tools zur Offline-Verfügbarkeit von Google Apps vorgestellt. Soll Google Apps damit zu einer Office-Suite für den Desktop werden?
Gutzeit: Das Thema Offline-Verfügbarkeit wird durch die Konsumenten vorangetrieben. Da die Internet-Coverage beispielsweise bei Flugreisen oder im Zug noch nicht lückenlos gegeben ist, fordern viele Anwender, dass die Funktionen von Apps auch offline nutzbar sind. Diesem Bedürfnis kommt Google nach. Jedoch bauen die Provider ihre Kapazitäten weiter aus und werden somit dafür sorgen, dass die Offline-Funktionalität von Google Apps immer weniger wichtig wird. Für uns ist und bleibt Apps ein »Cloud Computing Office«.
CRN: Doch ist es nicht so, dass das Thema Verfügbarkeit gerade für Business-Anwender von Google Apps der Knackpunkt ist? Erst vor einigen Woche kam es zu einem zeitweisen Ausfall des E-Mail-Dienstes Google Mail…
Gutzeit: Eine Verfügbarkeit von 100 Prozent kann keiner garantieren. Doch trotz dem Ausfall von Google Mail liegen wir noch im Rahmen der unseren Kunden vertraglich zugesicherten 99,9 Prozent. Klar ist aber auch, dass es sich um einen bedauerlichen Vorfall handelt und wir seitdem alles getan haben, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Wir stehen diesbezüglich in Kontakt mit unseren Kunden und bieten auch eine entsprechende Kompensierung an.
Das große Echo auf den Ausfall zeigt für mich jedoch auch, wie stark die Google-Services schon genutzt werden und wie sehr sich die Angebote im allgemeinen Bewusstsein verankert haben. Denn auch bei Inhouse-Lösungen ist die Verfügbarkeit mitunter problematisch und liegen die Ausfall-Werte teilweise deutlich über jenen von Google.
CRN: Welchen Stellenwert nehmen in Ihren Gesprächen mit Unternehmenskunden Themen wie Sicherheit und Datenschutz ein? Stellt die Bekanntheit von Google als Search-Marktführer hier eine Belastung dar?
Gutzeit: Sicherheit ist für Google das allerwichtigste Thema. Wir tun alles, um selbst den höchsten Sicherheitsstandards zu genügen. Tatsächlich wird Google als Suchmaschinenbetreiber manchmal besonders kritisch betrachtet. Doch es gibt auch die so genannten »Digital Natives«, die schon seit langem gewöhnt sind, mit Google zu arbeiten und sich auch im Enterprise-Geschäft als Fürsprecher für unsere Produkte erweisen.
Internet-Gigant wird zur Channel-Company
Szenen aus dem Google-Channel: Kai Gutzeit feiert mit TWT Interactive den Gewinn des Partner-Awards
CRN: Nicht nur beim Thema Apps arbeitet Google mit dem Channel zusammen, auch für den Vertrieb der Hardware-Lösungen zur Unternehmenssuche setzt Google auf eine Partnerschaft mit dem Distributor Ingram Micro. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Broadliner entwickelt?
Gutzeit: Mit dem Vertrieb der Google Mini über Ingram Micro sind wir sehr zufrieden. Hier bietet sich nicht nur eine gute Möglichkeit, um beispielsweise an Systemhäuser zu verkaufen, sondern auch als Multiplikator hat Ingram für uns eine wichtige Rolle.
CRN: Sucht Google auch im Bereich Enterprise Search weiterhin nach neuen Partnern?
Gutzeit: Auch in diesem Segment kommen ständig neue Partner hinzu. Es hat sich in den letzten Jahren herausentwickelt, dass Google keine eigene Systemintegration anbietet. Für alle Enterprise Search-Kunden, die das nicht selbst bewerkstelligen wollen, wird die Integration daher durch unsere Partner geleistet. Die Google Enterprise Partner sind für uns äußerst wichtig und wir sind auch weiterhin an kompetenten Partnerunternehmen interessiert.
CRN: Damit hat sich Google inzwischen fast zu einem klassischen Channel-Unternehmen entwickelt…
Gutzeit: Ja, wir arbeiten in vielen Bereichen sehr eng mit unseren Partnern zusammen.
Online-Anwendungen profitieren von der Krise
Kai Gutzeit verfügt über langjährige IT-Vertriebserfahrung, u.a. bei Oki, Radware und Postini
CRN: Die Finanzkrise erhöht die Sparbereitschaft und sorgt in den Unternehmen für sinkende Budgets. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung für das Unternehmensgeschäft von Google?
Gutzeit: Wir können diese Beobachtung bestätigen, doch gerade weil mit Cloud Computing Lösungen entsprechend Geld und Ressourcen gespart werden können, sehen wir bei unseren Enterprise-Angeboten erhöhten Zuspruch. Dass das Sparpotenzial einer der größten Vorteile von Cloud Computing ist, realisieren jetzt auch die Kunden.
CRN: Doch kommen auch immer mehr Unternehmen mit Cloud Computing-Lösungen auf den Markt. Wie gehen Sie mit dem erhöhten Wettbewerb um?
Gutzeit: Wettbewerb belebt das Geschäft. Und dadurch, dass immer mehr Unternehmen auf den Cloud Computing-Trend aufspringen, fühlen wir uns vor allem in unserem Weg bestätigt.
CRN: Sie werden für Google als Speaker beim CRN Etail Summit 2009 am 28. April in München [1] auftreten. Was werden Sie dort präsentieren?
Gutzeit: Wie bereits gesagt, spricht gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Konjunkturentwicklung vieles für Software, die online vertrieben und genutzt werden kann. Wir möchten dem Channel mitteilen, dass sich hier eine gute Chance bietet, gemeinsam mit Google neue Geschäftsfelder zu eröffnen und zu entwickeln. Google unterstützt und fördert seine Partner auf vielfältige Weise – zum Beispiel mit dem Google Marketplace, einem Internetportal für die Angebote der Google-Partner, das wir beim Etail Summit vorstellen werden.
Mehr News zu Internet und E-Commerce sowie wertvolle Service-Tipps finden Sie in der jetzt in der
CRN-Rubrik Etailer
[1] http://www.etail-summit.de
- 1. Seite: »Google will mit dem Channel neue Geschäftsfelder eröffnen«
- 2. Seite: Für Google liegt die Zukunft im Cloud Computing
- 3. Seite: Internet-Gigant wird zur Channel-Company
- 4. Seite: Online-Anwendungen profitieren von der Krise
» Newsletter abonnieren
Täglich aktuelle News und Hintergründe für Fachhändler, ITK-Hersteller, Distributoren und aus der Online-Welt.
» Tipp der Redaktion
Die besten System-Tools für Android
Android erlaubt tiefe Eingriffe in das System – und viele Apps nutzen diese Möglichkeit, um die Leistung zu optimieren und dem Nutzer bei der Bedienung seines Smartphones zu helfen. Wir stellen die besten System-Tools für Android vor.
Zwölf Smartphone-Flatrates ab 20 Euro im Vergleich
Mit Yourfone von E-Plus kommt jetzt eine neue Günstig-Flat für Smartphones. Unsere Kollegen von der Connect haben den Neuling mit der etablierten Konkurrenz verglichen.
Ungarn führt Telefonsteuer ein
Weit weniger Spaß als bisher werden die Bürger Ungarns sicherlich künftig beim Telefonieren haben. Als Reaktion auf die Schuldenlast des Landes hat das Parlament die Einführung einer Telefonsteuer beschlossen.
Weitere Artikel
» Bilderstrecken
» Meistgelesene News
So sexy sind Deutschlands Bäuerinnen
Vor kurzem war es wieder soweit: Die Macher des Deutschen Bauernkalenders suchten nach den schönsten Botschafterinnen für die Landwirtschaft. Die ansprechendsten Bewerberinnen kamen zum Casting nach München und Hamburg. Wir zeigen Ihnen die besten Bilder der Vorauswahlen in unserer Bilderstrecke ...
Massenentlassungen bei HP geplant
Der Rückgang der PC-Nachfrage und die Zusammenlegung von PC-und Druckersparte haben einschneidende Konsequenzen für die Mitarbeiter von HP. Es sollen laut Medienberichten 30.000 Mitarbeiter entlassen werden.