Live Shopping bietet Chancen für Onlinehändler
Unternehmen wie Guut.de, Preisbock und Alternate erzielen mit »One Day One Deal«-Angeboten beträchtliche Umsätze. Bei den Käufern besonders gefragt sind dabei CE-Produkte. Eine Veranstaltung in Berlin informiert nun über Trends und Chancen bei Live Shopping-Angeboten.
E-Commerce-Experte Jochen Krisch ist auch Veranstalter der Live Shopping Days (Bildquelle: syskoplan)
Plattformen wie Xing, MySpace und Facebook haben den abstrakten Begriff »Web 2.0« schnell zur Realität werden lassen – fast jeder gehört heute zumindest einem der Netzwerke an. Weniger klar ist jedoch, was das »Netz der User« für den E-Commerce bedeutet. Vor allem im Bereich »Social Commerce« gibt es bisher nur wenige überzeugende Geschäftsmodelle.
Erfolgsversprechender scheint dagegen das Konzept »Live Shopping«: »Live Shopping umfasst aktionsgetriebene Shoppingangebote, bei denen man im Optimum „live dabei“ sein muss, um kein Produktangebot zu verpassen«, so Jochen Krisch, Director E-Commerce bei dem Beratungsunternehmen Optaros [1] und als Betreiber des Weblogs Exciting Commerce [2] Deutschlands führender E-Commerce-Blogger. Im Wesentlichen hätten sich beim Live Shopping in den vergangenen Jahren zwei Strömungen herauskristallisiert: »One Day One Deal«-Anbieter setzen auf ein zugkräftiges Angebot pro Tag und an speziellen Eventtagen auf bis zu 100 Produkte am laufenden Band. Shoppingclubs arbeiten mit wechselnden Verkaufskampagnen, die in der Regel 48 Stunden dauern.
Beträchtliche Umsatzpotenziale
In Europa ist iBood der Live-Shopping-Marktführer
»Der Vorreiter beim Live Shopping ist Woot!, das Mitte 2004 in den USA gestartet ist und den Ansatz „jeden Tag ein tolles Produkt“ populär gemacht hat«, berichtet Krisch. Inzwischen betreibe der Anbieter ein ganzes Bündel an Seiten – neben Woot! auch Wine.Woot!, Shirt.Woot! und Sellout.Woot!. In Europa ist iBOOD der Marktführer mit einem Umsatz von über 20 Millionen Euro im letzten Jahr. Bei den Shoppingclubs erreiche alleine Vente-Privée einen Umsatz von 500 Millionen Euro im Jahr, so der E-Commerce-Experte. Auch in Deutschland sei der Markt im vergangenen Jahr förmlich explodiert. So seien über 50 Live Shopping Seiten zu den unterschiedlichsten Sortimentsbereichen entstanden. Hinzu komme ein gutes Dutzend Shoppingclubs. Dabei habe sich eine eigene Live Shopping Szene entwickelt mit speziellen Weblogs und Live Shopping Guides, die auf die jeweils besten Tagesangebote hinweisen. »Führend sind iBOOD [3], Guut.de [4], Preisbock [5] und das Zackzack [6]-Angebot von Alternate«, weiß Krisch. »Gute Perspektiven dürfte auch Pauldirekt [7] von Getmobile haben, das allerdings erst im November gestartet ist.«
Auch beim Live Shopping hält sich allerdings hartnäckig das Vorurteil, das Thema klinge zwar auf den ersten Blick spannend, lasse sich aber nur schwer in ein profitables Geschäftsmodell ummünzen. Krisch kann diese Einschätzung nicht bestätigen: »Live Shopping-Anbieter operieren ganz regulär als Händler und leben von der Handelsspanne. Sie nutzen die immer kürzer werdenden Produktzyklen und die Warenüberhänge des Einzelhandels und verdienen vor allem an Restposten und Auslaufmodellen, einige setzen auch auf refurbished Artikel.« IT-Produkte seien dabei in besonderem Maße für das Live Shopping geeignet: »Die erfolgreichsten Anbieter wie Woot! oder iBOOD setzen stark auf Consumer Electronics, auch weil sie die erfahrenen Online-Nutzer ansprechen, die in der Regel noch männlich und technikaffin sind.« Sinn mache das vor allem, wenn ein Dienst entsprechende Stückzahlen erreiche. Wer wie iBOOD oder Woot! an einem Tag mehrere tausend Stück eines Artikels absetze, habe nun einmal eine vergleichsweise gute Verhandlungsposition.
Neue Geschäftschance für Ebay-Verkäufer
Doch wie in jedem neu entstehenden Marktsegment: Auch beim Live Shopping gibt es eine Reihe von Trittbrettfahrern, die nur mäßig erfolgreich sind und für die die derzeitige Krise eine schwere Belastung darstellt. »Zunächst werden wir eine Marktbereinigung sehen«, ist sich auch Krisch sicher. »Viele Anbieter, die das Thema zu blauäugig angegangen sind, werden wieder vom Markt verschwinden.» Gleichzeitig werde es aber auch eine Professionalisierung geben, die dazu führe, dass die führenden Anbieter ihre Prozesse optimierten und sich eine treue Fangemeinde aufbauten. »Viele Powerseller experimentieren zudem mit Live Shopping Ansätzen, um sich unabhängig von Ebay zu machen«, berichtet der E-Commerce-Experte. Alles in allem dürfte der Markt 2009 von 15 bis 20 Millionen Euro auf 80 bis 100 Millionen Euro wachsen.
Um den steigenden Informationsbedarf zu dem neuen E-Commerce-Modell zu befriedigen hat Krisch im vergangenen Jahr die Live Shopping Days ins Leben gerufen, die am 19. Februar in Berlin nun zum dritten Mal stattfinden. »Es ist ein Networking-Event, entstanden aus einem Exciting Commerce-Roundtable zum Thema Woot! im Dezember 2007«, erzählt Krisch. Im Sommer 2008 gab es die ersten beiden Live Shopping Days in Hamburg und München. Für Berlin erwartet Krisch nun erstmals über 100 Teilnehmer und alle führenden Dienste aus den Bereichen Live-, Event- und Teleshopping: »Zugesagt haben bereits iBOOD, Guut.de, Brands4Friends, BuyVIP und 1-2-3.tv. Die Veranstaltung eignet sich also für alle, die sich aus erster Hand informieren, Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen wollen.«
Die Live Shopping Days finden am 19. Februar 2009 auf dem Zanox GAP Campus in Berlin statt. Weitere Informationen gibt es unter
www.liveshoppingdays.de [8].
[1] http://www.optaros.com
[2] http://ecommerce.typepad.com/
[3] http://www.ibood.de
[4] http://www.guut.de
[5] http://www.preisbock.de
[6] http://www.zack-zack.eu
[7] http://www.pauldirekt.de
[8] http://www.liveshoppingdays.de
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