CRN-Exklusiv-Interview mit Ricoh-Chef Uwe Jungk: Ricoh verfolgt Multivendor-Strategie

Ricoh baut sich mit dem IT-Services-Geschäft ein wichtiges neues Standbein auf. Dazu gehört nicht nur der Kauf des Systemhauses ADA, sondern auch das Bekenntnis zu einer Multivendor-Strategie, wie Ricoh-Deutschlandchef Uwe Jungk im Exklusiv-Interview mit CRN ausführt.

Uwe Jungk, Geschäftsführer von Ricoh Deutschland, Bild: Ricoh

CRN: Viele Hersteller klagen derzeit über einen Rückgang der Nachfrage im Consumer-Umfeld. Wie ist das erste Halbjahr bei Ricoh verlaufen?

Jungk: Das erste Halbjahr unseres Geschäftsjahres endet am 30. September und ich muss sagen, wir sind bislang zufrieden mit dem Auftragseingang und freuen uns über einige Neukunden. Da das zweite Halbjahr meist noch stärker als das erste verläuft, sind wir sehr optimistisch. Wir spüren jedenfalls nichts von einer herannahenden Krise.

CRN: Ricoh ist in vielerlei Hinsicht relativ krisenfest aufgestellt. 90 Prozent Ihres Umsatzes erwirtschaften Sie durch Mietverträge, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren laufen. Zudem arbeiten Sie stetig daran, Ihr Geschäft auf mehrere Standbeine zu verlagern. Ihr letzter großer Coup war die Übernahme des insolventen Systemhauses ADA. Wie passt das damit erworbene Systemhausgeschäft in das Portfolio eines Herstellers von Drucker- und Multifunktionssysteme?

Jungk: In Japan betreibt Ricoh das IT-Services-Geschäft bereits seit Jahren und ist bestrebt, dieses Feld noch weiter auszudehnen. In Deutschland sind wir seit rund zwei bis drei Jahren dabei. Ein rein organisches Wachstum dauert allerdings seine Zeit, deshalb haben wir uns entschlossen, anorganisch zu wachsen und haben ADA übernommen. Seit dem 1. Juli gehört das Systemhaus nun als eigenständige Geschäftseinheit als »Business Unit« zu Ricoh. Wir sind dabei, die beiden Firmen miteinander zu verbinden. Die Integration erfolgt planmäßig und das Feedback von den Kunden ist positiv.

CRN: Aus welchem Grund integrieren Sie ADA nicht gleich in Ihre Consulting-Sparte?

Jungk: Die Ricoh Consulting gehört zu der Marketing Division und unterstützt alle Geschäftsbereiche von Ricoh Deutschland. Die Ricoh Consutling und die neue Business Unit »Ricoh IT Services & Solutions powered by ADA« werden in Zukunft eng zusammenarbeiten, unter anderem werden Experten der Ricoh Consulting IT-Infrastruktur-Analysen durchführen. Wir sind bislang immer sehr gut mit dem Ansatz gefahren, neue Geschäftsfelder in eigenständigen Business Units zu belassen. Das IT-Services-Geschäft funktioniert völlig anders als unser Kern-Business.

CRN: Von außen betrachtet erscheint es befremdlich oder zumindest überraschend, dass Ricoh in diesem Ausmaß in das IT-Infrastrukturgeschäft investiert. Es drängt sich unweigerlich die Frage auf, wohin die Reise mit Ihnen gehen soll?

Jungk: Den Geschäftsansatz, den wir verfolgen, fassen wir unter dem Begriff »Complete Office Solutions« zusammen. Wie Sie richtig beschreiben, kommt Ricoh aus dem Produktgeschäft und Dokumentenmanagement. Diesem Kerngeschäft bleiben wir treu – wollen aber auch weiterführende Services anbieten. Wir werden das Portfolio der ADA zunächst genauso weiterführen und auf die Bedürfnisse unserer Kunden zuschneiden. Das IT-Services-Geschäft zu stärken, ist Teil einer Drei-Jahres-Strategie, die weltweit vorangetrieben wird.

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